Der steinige Karriereweg dreier

Flüchtlinge: Der harte Kampf um Anerkennung

Kaum Privatsphäre, ein Leben unter Fremden, Dolmetscher bei Behördengängen: Flüchtlingskinder werden in Deutschland laut einer Studie benachteiligt.

Nur wenige schaffen es, sich in Deutschland ein Leben aufzubauen. Wir stellen vier von ihnen vor, die hier Karriere gemacht haben.

Mohamed Al Kadries

Mohamed Al KadriesVater war in Syrien Mitglied der kommunistischen Arbeiterpartei, das Leben in der Heimat war dadurch für die Familie zu gefährlich geworden. Die Familie floh im Jahr 2000 nach München, da war Al Kadrie 13. Schon als Kind kam der heute 27-Jährige mit der Kunst in Berührung. „Gleich am Anfang habe ich mir in Deutschland das Ziel gesetzt, auf die Kunstakademie in München zu kommen“, sagt Al Kadrie. Zehn Jahre dauert es, bis er dieses Ziel erreichte.

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Erst besuchte er eine Übergangsklasse, holte dann seinen Hauptschulabschluss nach. Danach absolvierte er eine Druckerausbildung, verlor sein Ziel aber nicht aus den Augen.

Er bewarb sich mit Mappe und wurde zum Gespräch an die Kunstakademie eingeladen. Der Professor würdigte ihn zunächst keines Blickes, bis Al Kadrie sagte, dass er aus Syrien kommt. „Ich denke, es ist nicht einfach mit der Kunst, jetzt stehe ich vor ihnen.“ Dieser Satz saß, Al Kadrie wurde aufgenommen und studiert jetzt im achten Semester in München.

Mike Josef

Mike Josef

Seit eineinhalb Jahren ist der Syrienflüchtling Mike Josef Parteivorsitzender der SPD in Frankfurt. Nachdem er 1996 als 13-Jähriger nach Karlsruhe auswanderte mit der Familie, hat er eine steile Karriere hingelegt. „Alles in allem war es eine schöne Zeit“, erinnert sich Josef an Kindheit und Jugend in Ulm und Neu-Ulm.

Hürden hatte er in der Schulzeit viele zu überwinden, den Stempel als „bildungsferne Migranten“ habe man der Familie aufgedrückt.

Nach einem Jahr auf der Hauptschule schaffte der heute 31-Jährige den Sprung auf die Realschule. Doch da wollten ihn die Lehrer nach einem Jahr wieder zurück schicken – zu schlechte Noten. „Man konnte tun was man will, in einen Aufsatz mehr Fantasie bringen; am Ende stand da wieder die Vierminus.“ Er schaffte einen mittelmäßigen Abschluss, eine Ausbildung fand er anschließend aber nicht.

„Ich habe mich für alle möglichen Berufe beworben, aber ich hatte bei keiner Bewerbung das Gefühl, dass man mir eine Chance geben will.“ Josef machte sich sechs Wochen in Syrien Zukunfts-Gedanken und beschloss dann, es schaffen zu wollen. Er besuchte ein Berufskolleg, machte den Fachoberschulabschluss nach und studierte später Soziale Arbeit und Politik in Frankfurt. Heute arbeitet er als Gewerkschaftssekretär beim DGB Südosthessen.

Adisa Stöfer-Avdic

Adisa Stöfer-Avdic

Mit 16 Jahren, 1993, flüchtete Adisa Stöfer-Avdic mit ihren Eltern vor dem Bosnienkrieg nach Deutschland. 15 Kilometer entfernt von Emden kam die Familie in einer ehemaligen Kaserne unter – elf Quadratmeter für drei Personen. Der Weg zum normalen Leben war steinig. Mit Rassismus im Schulalltag und in der Ausbildung hatte sie zu kämpfen. Stöver-Avdic bemühte sich dennoch, anzukommen. „Die Ausgrenzung war aber das Schlimmste. Von den Behörden wurden wir immer wieder unter Druck gesetzt, auszureisen.“ Nach dem Realschulabschluss machte sie eine schulische Ausbildung zur Erzieherin – eine berufliche Ausbildung war ihr ohne Arbeitserlaubnis nicht möglich.

Richtig angekommen fühlte sich die Mutter zweier Töchter erst im Studium, Lehramt an Berufsbildenden Schulen. „Da war ich eine von vielen.“ Heute ist sie Lehrerin, Mutter und fühlt sich angekommen.

Von Nina Nickoll

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