Minderheit der Rohingyas wird seit Jahren in Myanmar unterdrückt – Viele fliehen jetzt über das Meer

Flüchtlingsdrama auch in Fernost

Rund 8000 Flüchtlinge treiben nach offiziellen Angaben vor Asien auf hoher See, der Großteil unter ihnen kommt aus Myanmar in Südostasien. Vor Ort flüchten die Rohingyas, sie gelten als eine der am härtesten verfolgte Minderheit der Welt.

Ihre Unterdrückung und Verfolgung begann mit der Militärherrschaft Myanmars ab 1962. Diese ist seit 2011 beendet – doch geändert hat sich nichts.

2012 sind im Bundesstaat Rakhine in West-Myanmar Kämpfe zwischen den Rohingyas und der buddhistischen Mehrheit ausgebrochen. Vom politischen Wandel in Burma war und ist für sie nichts zu spüren. Sie werden ebenso verfolgt, wie unter den Militärs zuvor. Seitdem sind Menschen auf der Flucht, Hunderte sind bereits gestorben, Tausende vertrieben. Viele leben deshalb in Flüchtlingslagern. 146.000 von ihnen in Rakhine.

Die Gründe für die Flucht sind verschieden, wie Johannes Kaltenbach, Länderkoordinator Myanmar für die Malteser, im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. „Die Bedingungen vor Ort sind für die Rohingyas schlecht. Fließender Strom und Wasser sind vielerorts ein Luxusgut. Außerdem werden die Rohingyas von ihrem Heimatland nicht als Staatsbürger anerkannt und haben somit keinerlei Rechte, um beispielsweise Geschäfte zu eröffnen“, berichtet Kaltenbach, der momentan in Rakhine im Einsatz ist. Vielmehr noch: Die Regierung lehnt den Gebrauch des Namen Rohingya ab, und sie dürfen nicht wählen. Da die Minderheit keine Lobby hat, flüchte sie.

Johannes Kaltenbach

Ein weiterer Grund sind die fehlenden Bildungschancen. Die soziale Infrastruktur ist schlecht, die nächste, weit entfernte Universität für die Menschen vor Ort unerreichbar. Grundsätzlich bleibt den Rohingyas der Zugang zu Bildung verwehrt. Die meisten Menschen haben als höchsten Bildungsabschluss den der Grundschule. Dementsprechend mangelt es Familien an Geld, sie leben in spärlich ausgestatteten Hütten.

Als Ziel für die Flucht wählen die Rohingyas Industrieländer wie Malaysia, Indonesien oder Thailand. „Wenn sie es weiter schaffen, versuchen sie auch, nach Australien zu kommen“, berichtet Kaltenbach. Den Flüchtlingen ist jedes weiterentwickelte Land lieb. Probleme gibt es aktuell durch die für die Malteser „unverständliche Flüchtlingspolitik“: Indonesien und Malaysia schicken Flüchtlinge in ihren Booten zurück aufs Meer oder fangen sie weit vor der Küste bereits ab. Ebenso verfährt Australien. Mit den Worten „Stoppt die Boote“ geriet Australiens Ministerpräsident Tony Abbott vor anderthalb Jahren in die Schlagzeilen – er hat Wort gehalten. Erschreckend wäre es laut Malteser, wenn diese Art der Politik weitere Nachahmer finde.

Eine Schreckensmeldung wie im April über hunderte tote Flüchtlinge im Mittelmeer gibt es aus Asien bislang nicht. Dass es dazu kommen kann, sei traurige Gewissheit.

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