Chinesischer Aktivist verstorben

Mysteriöser Tod nach Notlandung am Münchner Flughafen - handelt es sich um einen Auftrags-Mord?

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Der chinesische Aktivist Zhang Jian ist mit 48 Jahren auf mysteriöse Weise verstorben.

Vor 30 Jahren protestierte der Chinese Zhang Jian in Peking gegen das Regime - nun ist unter mysteriösen Umständen nach einer Notlandung am Münchner Flughafen gestorben. Handelt es sich etwa um einen perfiden Auftrags-Mord? 

Update 16.50 Uhr: Nach dem Tod eines chinesischen Patienten im Krankenhaus in Freising lässt die Staatsanwaltschaft Landshut weiter die Todesursache untersuchen. Nun fänden nach der Obduktion noch toxikologische Untersuchungen statt, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Mittwoch. „Es kann dauern, bis wir ein Ergebnis haben“, sagte er. „Wir haben momentan keinen Hinweis auf eine Straftat.“

Eine andere grausame Tat ereignete sich, als eine Frau und ihr Hund in Stade bei Hamburg erschossen wurden. Die Polizei jagt den flüchtigen Ehemann, wie nordbuzz.de berichtet.

Mysteriöser Tod nach Notlandung am Münchner Flughafen - handelt es sich um einen Auftrags-Mord?

Erstmeldung: Freising/Landshut – Die Maschine war im April auf dem Weg von Oman nach Paris. Während des Fluges erkrankte ein 48 Jahre alter Passagier so schwer, dass der Pilot um eine Sonderlandung im Erdinger Moos bat – an Deutschlands zweitgrößtem Flughafen nichts Außergewöhnliches. Der Patient wurde umgehend ins Klinikum Freising eingeliefert. Dort starb er Ende vergangenen Monats.

Notlandung am Flughafen München: Chinese stirbt im Klinikum Freising

Der Arzt setzte sein Kreuz bei „Todesursache ungeklärt“. Die Kriminalpolizei Erding und die Staatsanwaltschaft Landshut kamen ins Spiel. Doch wen sie da vor sich hatten, ahnten die Ermittler zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mit dem Namen des Toten, Zhang Jian, konnten sie anfangs nichts anfangen. Der Leichnam wurde obduziert.

Thomas Rauscher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Landshut, sagte unserer Zeitung: „Der Mann ist an einer Blutvergiftung, die mehrere Organe irreversibel angegriffen hatte, gestorben.“ Für die Behörden war der Fall damit erledigt. „Wir haben den Leichnam zur Bestattung freigegeben.

Hinweise auf Auftrags-Mord: Chinesischer Dissident vergiftet?

Doch kurz vor dem endgültigen Abschied meldete sich ein Hinweisgeber. Er soll aus dem Kreis der Familie des Toten kommen. Laut Rauscher gehen chinesische Exilanten davon aus, dass der 48-Jährige ermordet worden sein könnte. Denn es handelt sich laut „Spiegel“ um den einstigen chinesischen Dissidenten Zhang Jian.

Der war als 18-Jähriger im Juni 1989 bei den blutig niedergeschlagenen Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking mit dabei – in führender Rolle aufseiten der Demonstranten gegen das Regime. Sein Umfeld, so Rauscher, glaubt, diese Geschichte könnte Zhang nun eingeholt haben – durch einen Giftanschlag.

Massaker durch Militär: Verstorbener Chinese protestierte gegen Regime

Bei dem Tian’anmen-Massaker hatte das chinesische Militär die Proteste der Bevölkerung, vor allem von Studenten, die für eine Demokratisierung gekämpft hatten, gewaltsam zu unterdrücken versucht. Das Bild, auf dem sich ein Student einem Panzer entgegenstellt, hat Weltgeschichte geschrieben. Für die Landshuter Staatsanwaltschaft musste es jetzt schnell gehen. „Wir haben sofort die Beschlagnahmung der sterblichen Überreste angeordnet – direkt beim Bestatter“, so der Sprecher.

Flughafen München: Landgericht soll neue Obduktion anordnen - wurde Chinese ermordet?

Nun muss das Landgericht in der niederbayerischen Hauptstadt über eine neuerliche Obduktion entscheiden. „Im Moment gehen wir noch nicht von einem Verbrechen aus, sondern von einer ungeklärten Todesursache“, stellt Rauscher klar. Die Hinweise nehme man aber ernst. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Ergebnis erst in mehreren Wochen vorliegt.

Tod in Freising: Chinesischer Dissident wohl nicht erstes Opfer?

Dem „Spiegel“ sagte Huang Ciping, Direktorin der Wei Jingsheng Foundation in Washington, es habe mehrere Todesfälle chinesischer Dissidenten gegeben, die zuvor an der Leber erkrankt waren. Auch bei Zhang soll ein Leberabszess festgestellt worden sein.

Ziel der neuerlichen Obduktion wird sein, nach Giftrückständen oder radioaktiver Belastung zu suchen. Dann zeigt sich, ob aus dem Todesermittlungsverfahren ein Fall für die Erdinger Mordkommission wird. Huang Ciping sprach von einem „beunruhigenden Fall“.

Video: 100 Sekunden - Meinungsfreiheit im Netz

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Währenddessen hat Josef S. ganz andere Sorgen. Der Münchner lebt seit gut vier Monaten am Münchner Flughafen. Eigentlich will der Obdachlose zu seiner Familie nach Thailand ziehen. Um dort heiraten zu können, fehlt ihm ein wichtiges Dokument. Solange er dies nicht hat, möchte er ausharren.

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