Flughafen will Störche schießen dürfen

Vorsichtsmaßnahme: Störche könnten Flugverkehr beeinträchtigen. Foto: dpa

Hannover verlangt Notfall-Regelung wegen Vogelschlags - Tiere sind ein Risiko bei Start und Landung von Flugzeugen.

Landauf, landab wird die Ankunft der Weißstörche im Frühjahr bejubelt, sind ihre Nester beliebte Fotomotive. Am Flughafen Hannover allerdings sehen Betreiber und Airlines den Froschvertilger auch skeptisch: Das Flughafenmanagement will eine Genehmigung dafür, notfalls auch einen Storch abschießen zu können, wenn der mit seinen Kreisen landende oder startende Jets gefährdet.

Von den Pisten verscheucht werden die Vögel, wie andere Tiere auch, schon jetzt. Laut BUND sind rund um den Airport im Umkreis von 13 Kilometern 14 Storchennester besetzt, auch landesweit nehmen Bestände wieder zu.

Rechtssicherheit für Tag X 

Vogelschutzbeauftragte und „Bird Controller“ - Fachleute, die mit Falken oder bewaffnet unterwegs sind - kümmern sich an Flughäfen um Sicherheit im Luftraum. Die Genehmigung zum Storchenabschuss brächte dem Schützen am Tag X Rechtssicherheit. Auch Kollegen an anderen Airports verfolgten den Vorstoß in Hannover interessiert, sagen Insider. Auf TV-Bilder mit blutigen toten Störchen oder gar Strafprozesse habe keiner Lust.

Bei Tieren, die dem Bundesjagdgesetz unterliegen, heißt es beim Deutschen Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL), sei die Lizenz zum Schießen kein Problem. Für den Storch, den Paragrafen des Bundesnaturschutzgesetzes hüten, liegen Hürden sehr viel höher: Der Vogel steht als starkgefährdete Art auf Niedersachsens Roter Liste.

Völlig ausgeschlossen wäre die Notfall-Abschussgenehmigung dennoch nicht, sagte der Umweltdezernent der Region Hannover, Axel Priebs, gegenüber Radio ffn. Aber nur, „wenn wirklich Flugsicherheit und Menschenleben gefährdet sind“. Ulrich Thuere, Sprecher des Nabu Niedersachsen, erinnert die Sache an einen Aprilscherz: „Aktuell sammeln sich die Weißstörche zum Abflug in die Winterquartiere“, sagt Thuere. Da sollten sich die Airportbetreiber besser mal mit Fachleuten zusammentun und in der storchenfreien Winterzeit über andere Problemlösungen nachdenken.

Das sieht Priebs ähnlich: Vergrämung geht vor, stellt er klar. Schreckschusspistolen-Feuer lässt die Vögel offenbar zunehmend kalt - man könne versuchen, mit gesteuertem Nahrungsangebot Störche von den Landebahnen wegzulocken. Den Abschussantrag will Priebs prüfen: „Es wäre verantwortungslos, sich mit diesen Konflikten nicht auseinander zu setzen. Die Vorstellung einer regelrechten Bejagung von Störchen ist aber absurd.“

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