Flugtickets: Endpreis muss sofort klar sein - Fragen und Antworten

Luxemburg. Fluggesellschaften müssen Kunden bei Online-Buchungen von Anfang an den Endpreis anzeigen - also das, was Tickets mit Steuern und Gebühren kosten.

Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Urteil klargestellt. Die Luxemburger Richter erklärten die Praxis der Air Berlin von 2008 für nicht rechtens. Geklagt hatte der Verbraucherzentralen-Bundesverband (VZBV). Die Vorwürfe sind laut Air Berlin längst überholt. Fragen und Antworten:

Worum ging es vor dem EuGH genau? 

Um so genannte Lockvogelangebote, die der VZBV als Irreführung von Verbrauchern angeprangert hat.

Wie sahen diese Angebote aus? 

Nach Eingabe von Datum, Abflug- und Zielort in die Online-Buchungsmaske zeigte Air Berlin eine Tabelle mit vermeintlichen Preisen für ausgewählte Flüge an. Steuern, Flughafengebühren und Kerosinzuschläge fehlten, ebenso die Service Charge von 10 oder 15 Euro für Lastschrift- oder Kreditkartenzahlung. Der Flug Berlin - Frankfurt, der anfangs mit 41 Euro lockte, landete so bei 74 Euro. Der Gesamtpreis war nur für den voreingestellten oder angeklickten Flug und nur unterhalb der Preistabelle aufgeführt.

Wie argumentierten die EuGH-Richter? 

Vor allem mit der Absicht der EU-Verordnung 1008/2008: Deren Ziel sei es „insbesondere, dass Kunden die Preise verschiedener Luftfahrtunternehmen für Flugdienste effektiv vergleichen können“.

Wie war das bei anderen Airlines? 

Bei vielen war es ähnlich - deshalb leiteten die Verbraucherschützer Abmahn- und Klageverfahren ein, um Schummelwerbung im Netz zu unterbinden. Bei InterSky etwa verteuerte sich der Flug Berlin - Graz - Berlin im Lauf der Buchung von 79 auf 145 Euro. Auf der Abmahnliste standen Mitte 2012 vier Dutzend Fälle: von German Wings über Easy Jet, Condor, Tui bis Lufthansa.

Gibt’s nun Geld zurück? 

Nein. „Individuelle Ansprüche hat der Kunde nicht“, sagt der Wiesbadener Reiserechtler Jurist Holger Hopperdietzel. „Der Vertrag kommt unter den Bedingungen zustande, die das Portal aufstellt.“ Der Preisaufschlag durch Zusatzgebühren sei zwar aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nicht rechtens - dem Endkunden hilft das aber im Einzelfall nicht.

Die einschlägige EU-Verordnung zur Preistransparenz stammt von 2008. Warum ein Urteil erst jetzt? 

Weil Klagen auf dem langen Rechtsweg über Landgerichte und Bundesgerichtshof erst im Herbst 2013 zum EuGH gelangten.

Welche Tricksereien auf den Portalen standen noch in der Kritik? 

Beim Versuch, im knallharten Preiskampf zu punkten, wurden etwa Versicherungen, Hotels oder Mietwagen per Voreinstellung ohne ausdrücklichen Wunsch ihrer Kunden mitverkauft, Bearbeitungs- oder Kreditkartengebühren aufgeschlagen, Widerrufsrechte fehlten.

Wie ist die Lage in anderen Teilen der Reisebranche? 

Bei Reisevermittlern sehen Verbraucherschützer ähnliche Probleme: Auch hier gab es Abmahnverfahren und Klagen, weil Gesamtpreise erst nach und nach im Lauf der Buchung auftauchten und Online-Bucher - wenn sie nicht aufpassten - per Voreinstellung plötzlich Reiseversicherungen mitgebucht hatten.

Was sagt Air Berlin zu der Entscheidung? 

Die Airline, die tief in den roten Zahlen steckt, hält den Vorwurf für überholt. Sie habe die Preisanzeige im Internet längst geändert. Wer jetzt einen Flug suche, bekomme eine Tabelle mit möglichen Abflugzeiten und den Preisen inklusive Steuern und Zuschlägen angezeigt. Zusätzlich könne man Netto-Flugpreis, Steuern, Treibstoff- und Sicherheitszuschlag einblenden.

Europäisches Verbraucherzentrum zum Thema Buchung

Von Wolfgang Riek

Lesen Sie dazu auch:

- Kommentar zur Online-Buchung von Flugtickets: So spät wie richtig

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