Eventuelle Parteigründung ehemaliger AfD-Mitglieder

Forsa-Chef Güllner: „Lucke wird keinen Erfolg haben“

Entscheidung in Kassel: Bernd Lucke, der ehemalige AfD-Vorsitzende, berät sich morgen mit gut 70 Anhängern über die Gründung einer neuen Partei. Foto: dpa

Kassel. Die Anhänger des abgewählten AfD-Parteichefs Bernd Lucke (52) wollen heute in Kassel über die Gründung einer neuen Partei entscheiden.

Darüber haben wir mit dem Meinungsforscher und Forsa-Gründer Prof. Manfred Güllner gesprochen:

Die Weckruf-2015-Mitglieder wollen eine eurokritische Partei gründen. Wird diese eine erfolgreiche Zukunft haben? 

Manfred Güllner: Nein, denn der ehemalige AfD-Parteichef Bernd Lucke will sich jetzt im liberalen Wirtschaftsflügel profilieren. Im liberalen Milieu kann er aber nicht punkten. Er hat überhaupt keine Chance, Erfolg mit seiner womöglich neuen Partei zu haben.

Warum? 

Güllner: Im liberalen Milieu ist die FDP bestimmend. Und das wird sich wohl auch nicht ändern. Dagegen wird die neue Partei nicht ankommen.

Trotz Lucke? 

Güllner: Ja, weil Lucke aus dem AfD-Sektor stammt. Und zwischen der AfD und der FDP bestehen große Trennmauern und keine Schnittmengen. Lucke will das Milieu nun wechseln – und das wird ihm nicht gelingen.

Wie meinen Sie das? 

Güllner: Man muss sehen, dass Lucke zuletzt einen ziemlichen Zickzack-Kurs gefahren ist. Er hat vor der Bundestagswahl billigend in Kauf genommen, dass er mit der AfD ins rechtsradikale Milieu greift, um dort nach Wähler zu fischen.

Er hat in Sachsen beispielsweise bewusst Themen aufgegriffen, die auch von der NPD behandelt wurden. Das hat sich dann im Landtagswahlkampf in Sachsen fortgesetzt. Er hat erneut viele NPD-Wähler zu seiner Partei geholt. Da hat er nie protestiert und gesagt, nein, wir wollen die rechtsradikalen Wähler nicht.

Er hat sie genommen, um auf die 4,7 Prozent bei der Bundestagswahl zu kommen und bei Europa- und Landtagswahlen gut abzuschneiden. Jetzt macht der plötzlich eine Rolle rückwärts und sagt, damit will er nichts zu tun haben. Das ist natürlich sehr unglaubwürdig. Er stellt sich nun als Liberal-Konservativer dar.

Welche Wähler haben für die AfD gestimmt? 

Güllner: In Deutschland, wie auch in der gesamten westlichen Welt, gibt es ein latentes Potenzial an Menschen, die anfällig für rechtsradikales Gedankengut sind. Hierzulande gehören die der NPD und AfD an. Die AfD hatte vor der Bundestagswahl schon Sympathisanten aus dem rechten Lage. Lucke wusste das und hat das ausgenutzt.

Ob das latente Potenzial sich in Stimmen manifestiert, hängt aber davon ab, ob es ein Parteienangebot gibt, das über die dumpfen NPD-Anhänger hinaus auch für andere Schichten wählbar ist. So, wie bei den Republikanern oder eben der AfD – mit Lucke.

Wie geht es mit der AfD weiter? 

Güllner: Eine AfD mit Lucke hätte immer die Chance, an der 5-Prozent-Marke zu kratzen. Aber durch seinen Weggang ist die Partei erheblich geschwächt. Das Feigenblatt, der Professor im Anzug, ist weg. Die neue Vorsitzende Frauke Petry ist zu radikal.

Könnte die neue Partei anderen Parteien schaden? 

Güllner: Ich glaube, sie wird keiner anderen Partei Stimmen wegnehmen. Trotz der Eurokritik. Hierfür gibt es auch ein historisches Beispiel: Vor der Einführung des Euro wollten die Deutschen den Euro nicht. 1998 gab es deshalb die Pro-DM-Partei. Und die erhielt bei der Bundestagswahl grade mal 0,9 Prozent der Stimmen.

Zur Person: Prof. Manfred Güllner (73) ist Gründer und Geschäftsführer des Forsa-Instituts. Der Soziologe wuchs in Bad Arolsen auf. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

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