Auflagen für Schiefergasbohrer vor der Wahl fraglich - Niedersachsen: Düste Z10 weiter auf Eis

Frackinggesetz schon am Ende? Bierbrauer bangen ums Wasser

Berlin. Nun schlagen auch Deutschlands Bierhersteller Alarm: In der heißen Debatte um Risiken der Schiefergasgewinnung mithilfe der Frackingtechnik haben sie die Bundesregierung angeschrieben. Die Branche fürchtet um sauberes Trinkwasser, ums Reinheitsgebot, ums Bier.

Ein Gesetz, mit dem Schwarz-Gelb Fracking zwar nicht verbieten, aber mit Auflagen versehen will, sehen Beobachter quer durch die Parteien so kurz vor der Wahl schon am Ende. Am Freitag stellt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) ein weiteres Fracking-Gutachten vor. Auch das setzt dicke Fragezeichen hinter die Technik, Gas mit einem Hochdruckgemisch aus Wasser, Chemikalien und Sand aus festem Tiefengestein zu lösen. Fragen und Antworten:

Was soll jetzt ein Gesetz, wo in Deutschland schon 300-mal gefrackt wurde, ohne dass, wie Gasfirmen und Behörden beteuern, etwas passiert wäre?

Man muss unterscheiden: Frackingstöße bisher gingen tiefer als 3000 Meter - in konventionelle Lager oder Gas im Sandstein. Nun will die Branche ans Schiefergas. Das reicht deutlich höher, viel näher an Trinkwasservorkommen.

Fracking ist also nicht gleich Fracking?

Genau - weil Schiefergas extra fest gebunden ist, braucht die Förderung hier viel mehr Frackingstöße mit deutlich höherem Wasser-/Chemie-Einsatz - bis zum Hundertfachen, sagen die Geologischen Dienste der Länder. Das erhöht Unfallrisiken oben und unten schon rein statistisch. Und: Schiefergasfracking ist bei uns neu und ungetestet.

Und der mehrfach vertagte Union/FDP-Gesetzentwurf?

Ist besser als die geltende Rechtslage, sagen die einen. Aber längst nicht genug, warnen andere. Das Gesetz will Fracking in Trinkwasserschutzgebieten verbieten und an Umweltverträglichkeitsprüfung knüpfen. Die Südwest-CDU schaffte es noch, den Bodensee im Gesetz extra schützen zu lassen.

Was taugt der Änderungsvorschlag?

SPD, Grüne und Teile der Union wollen Fracking nur völlig ohne wassergefährdende Chemikalien erlauben. Im Moment gilt ein Moratorium: Fracking wird nirgends gestattet. Ewig geht das so aber nicht weiter. Nach geltendem Bergrecht hätten Gasfirmen, die gegen das Nicht-Erlauben klagen, keine schlechte Chancen, so Insider.

Wie sehr drängt da jetzt die Zeit?

!Überstürzen muss Berlin nichts - Prozesse dauern. Und mit Schiefergas ist bei uns (noch) kein Geld zu verdienen: Die Fördermethode ist teuer. Um 30 Prozent oder mehr müsste der Erdgaspreis steigen, bevor Schiefergasfracking sich rechne, sagen Energiefachleute. Umweltauflagen - vor der Wahl oder danach - treiben die Kosten noch. Nirgends in Deutschland ist bislang technisch-wirtschaftlich gewinnbares Schiefergas nachgewiesen. Manche Suchgebiete sind mangels Erfolgschance schon wieder aufgegeben, wie rund um die Region Felder von BNK und Wintershall (siehe Grafik).

Also kein Schiefergas-Boom wie in den USA?

Nein, sagt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), sonst kein Haus von Frackinggegnern: Schiefergas könne bei uns höchstens den Rückgang eigener Gasförderung bremsen. Unser Selbstversorgungsgrad beträgt noch 13 Prozent. Die BGR: „Ein Anstieg der Erdgasproduktion wie in den USA ist nicht zu erwarten.“ Also auch kein Preisrutsch oder gar Abschied von Gasimporten aus Russland.

Wie weit sind Wintershall-Frackingpläne für die Bohrung Düste Z10 bei Barnstorf?

Zielen auf Sandsteinschichten, liegen aber auf Eis. Der Kreisausschuss Diepholz hat sie gestoppt. Der Frackingantrag liegt nun bei Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne).

Von Wolfgang Riek

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