Warum Bremen mit einem großen Polizeieinsatz auf Warnungen reagierte

Fragen und Antworten: Wie groß ist die Terrorgefahr?

Polizisten patrouillieren in Bremen auf dem Marktplatz: Die Polizei warnte vor einer Gefahr durch gewaltbereite Islamisten in der Stadt. Zur Abwehr dieser Gefahr gehörten unter anderem Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum. Foto: dpa

Bremen / Berlin. Nach Hinweisen auf den Handel mit Maschinenpistolen in der islamistischen Szene hat die Polizei am Wochenende einen Terroranschlag in Bremen befürchtet und einen Großeinsatz mit Festnahmen und Razzien ausgelöst. Erst nach 30 Stunden gab es vorläufig Entwarnung.

Bremen war die dritte Großstadt, in der die Polizei vor einer Gefahr durch Extremisten warnte. In Dresden waren eine Pegida-Demonstration und Kundgebungen verboten worden, in Braunschweig wurde der Karnevalsumzug abgesagt.

Worum ging es am Wochenende in Bremen?

Die Polizei hatte ihren Großeinsatz anfangs eher vage mit Hinweisen „auf Aktivitäten potenzieller islamistischer Gefährder“ begründet. Gestern erläuterte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), was dahintersteckte. Danach hatten die Sicherheitsbehörden schon länger Hinweise, dass Salafisten sich bewaffnen wollten. Ins Visier geriet ein 39-jähriger Libanese, der verdächtigt wird, sich Maschinen- und Automatikpistolen zum Weiterverkauf besorgt zu haben. Den Ausschlag gaben laut Mäurer am Freitag neue Erkenntnisse einer Bundesbehörde: „Diese Hinweise waren so konkret, dass wir einen Anschlag in Bremen nicht mehr ausschließen konnten.“

Wie reagierte die Bremer Polizei? 

Kommentar zum Thema

Mit Fakten gegen Ängste

Sie fuhr an neuralgischen Punkten in der Stadt auf, im Hintergrund liefen die Ermittlungen auf Hochtouren. Über den Marktplatz patrouillierten Polizisten mit Schutzwesten und Maschinenpistolen, Mannschaftswagen standen vor Rathaus und Parlament. Außerdem durchsuchten Einsatzkräfte ein islamistisches Kulturzentrum, die Wohnung und den Arbeitsplatz des 39-Jährigen sowie weitere Wohnungen. Zwei Männer wurden festgenommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Wie groß ist die Gefahr eines Anschlags? 

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat erst am Freitagabend bei einer Diskussion in Braunschweig wieder betont, dass ein Anschlag in Deutschland „nicht total auszuschließen“ sei. Die Terrorgefahr gilt als unverändert hoch. Deutschland stehe „nach wie vor im Fokus des dschihadistischen Terrors“, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums gestern. Daraus ergebe sich eine hohe Gefährdung für die innere Sicherheit, „die jederzeit in Form von Anschlägen unterschiedlicher Dimensionen und Intensität real werden kann“.

Wie gefährlich ist die Islamisten-Szene in Deutschland? 

Sorgen machen den Behörden vor allem Einzeltäter, die sich im Stillen radikalisieren, sowie Dschihadisten, die aus Syrien und dem Irak zurückkehren. Aus Deutschland sind bereits mehr als 600 Islamisten in die Kampfgebiete aufgebrochen. Die Zahl geht seit Langem nach oben – und damit auch die Zahl der Rückkehrer. Sie werden intensiv beobachtet, zuletzt gab es zahlreiche Festnahmen und Durchsuchungen. Insgesamt gelten 270 Personen in Deutschland als islamistische Gefährder, also als Menschen, denen die Polizei grundsätzlich einen Terrorakt zutraut.

Ist Bremen schon früher gegen Salafisten vorgegangen? 

Im Dezember hatte Mäurer den radikalen Kultur- und Familienverein verboten, der als Sammelbecken für äußerst radikale Salafisten galt. Fast alle nach Syrien ausgereisten Islamisten sollen dort verkehrt haben. (dpa)

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