Zweite Miete belastet stark

Fragen und Antworten: Mieterbund erwartet weiter steigende Betriebskosten

Berlin. Heizen und warmes Wasser machen fast zwei Drittel der Betriebskostenabrechnung vieler Mieter aus. Das geht aus dem neuen Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbunds hervor. Unterm Strich müssen Mieter demnach im Schnitt 2,20 Euro pro Quadratmeter im Monat an Betriebskosten zahlen.

Die Ergebnisse beziehen sich auf ausgewertete Abrechnungsdaten von 2012. Die Betriebskosten liegen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, dürften aber nach Einschätzung des Mieterbundes 2013 gestiegen sein.

Was ist eigentlich die „zweite Miete“? 

Damit sind die Betriebskosten gemeint, die Mieter neben der regulären monatlichen Miete bezahlen müssen. Darunter fallen „warme Betriebskosten“ wie Heizung und Warmwasser oder „kalte Betriebskosten“ (u.a. Abwasser, Grundsteuer, Müllbeseitigung, Versicherungen oder Gartenpflege). Da diese Kosten inzwischen einen beträchtlichen Teil der Gesamtwohnkosten ausmachen, wird häufig von „zweiter Miete“ gesprochen.

Darf der Vermieter alle möglichen anfallenden Kosten umlegen? 

Nein. Dies ist gesetzlich geregelt - unter anderem in der Betriebskostenverordnung. Vor allem muss der Vermieter den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und bestimmte Fristen beachten. Streit über die Richtigkeit der Betriebskostenabrechnung beschäftigt die Gerichte immer wieder.

Wie hoch sind die Betriebskosten im Schnitt? 

Laut Mieterbund müssen Mieter 2,20 Euro pro Quadratmeter im Monat an Betriebskosten aufwenden. Rechnet man alle denkbaren Posten zusammen, sind es 3,19 Euro pro Quadratmeter im Monat. Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung wäre dies eine „zweite Miete“ von 3062,40 Euro im Jahr. Steigende Nebenkosten tragen laut Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) derzeit stärker zu höheren Wohnkosten bei als der Anstieg der Mieten. So seien die Kaltmieten bei den GdW-Mitgliedern im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent gestiegen, warme Betriebskosten aber um 2,8 Prozent. Diese Entwicklung müsse durch eine Nebenkosten-Bremse eingedämmt werden, fordert GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Warum machen Heizen und Warmwasser den größten Anteil der Betriebskosten aus? 

In den vergangenen Jahren gab es bei den Energiekosten eigentlich nur eine Richtung: nach oben. Zuletzt waren die Preise jedoch weitgehend stabil. Damit wird das Wetter für die rund 21 Millionen Mieterhaushalte zum entscheidenden Faktor für die Energiekosten. Während der vergangene Winter verhältnismäßig warm war, war es im Jahr zuvor bitterkalt, so dass die Heizungen teilweise bis Mai liefen. Die Kombination aus verhältnismäßig hohen Vorauszahlungen und niedrigem Verbrauch dürfte in diesem Jahr viele Mieter auf Erstattungen hoffen lassen. Für die Zukunft ist dies aber keine Garantie. Risiken auf den Energiemärkten gibt es vor allem angesichts der Krisenherde Irak und Ukraine.

Was plant die Bundesregierung zur Entlastung? 

!Die Pläne von Schwarz-Rot zielen vor allem auf die Mietpreisentwicklung ab. Daher soll es eine „Mietpreisbremse“ geben. Künftig ist geplant, dass die neue Miete in angespannten Märkten maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen darf. Wer bisher schon mehr verlangte, soll das aber weiterhin tun dürfen. Zudem sind neu errichtete und umfassend modernisierte Wohnungen ausgenommen. Die angespannten Märkte sollen die Länder selbst ausweisen. Aus der Union und von Hauseigentümern wurde erneut Kritik an den Plänen laut, etwa dass sie zu wenig praxistauglich seien. In Kraft treten sollen die neuen Regeln im kommenden Jahr. (dpa/rie)

Betriebskosten: Was Sie beachten müssen, um sie zu senken

• Kommt Ihnen Ihre Betriebskostenabrechnung zu hoch vor, vergleichen Sie sie mit dem Betriebskostenspiegel. Liegen Sie erheblich darüber, sollten Sie sich mit dem Vermieter besprechen, danach gegebenenfalls beim Mieterbund um Rat suchen. Es kann aber auch sein, dass Sie zu großzügig mit Warmwasser und Heizung umgegangen sind. Das sind die größten Preistreiber. Spartipps des Mieterbunds für geringere Kosten:

Weitere Spartipps beim Mieterbund finden Sie hier.

• Fenster nicht auf „Dauerkipp“ stellen. Hier entstehen unbemerkt die höchsten Wärmeverluste. Bis zu 200 Euro pro Heizsaison kann der Mieter allein durch die Vermeidung von dauerhaft angekippten Fenstern einsparen. Außerdem wird ein Auskühlen der Räume und des Mobiliars vermieden.

• Nicht zuerst die Räume überheizen und dann mittels Lüften wieder runter kühlen.

• Die Absenkung der Raumtemperatur um 1 °C spart 6 Prozent der Heizenergie.

• Vor dem Lüften die Heizung abstellen. Mehrmals täglich kurz lüften. Das verbessert das Raumklima und stoppt Schimmel.

• Möbel und Gardinen gehören nie direkt vor die Heizung. Stehen dort Möbel oder ist die Heizung mit Gardinen verhangen, kostet das bis zu 15 Prozent der abgegebenen Wärme.

• Abdichtung breiter Ritzen an Fenstern und Türen mit selbstklebenden Streifen.

• Anbringen von Dämmplatten oder flexiblen Dämmfolien (auch im Baumarkt erhältlich) hinter den Heizungen, da die Wände hier oft dünner sind. (rie)

Rubriklistenbild: © dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.