Fragen und Antworten zum Terror in Paris: Dafür steht der IS

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Aufmarsch von IS-Kämpfern in Mossul: Die Stadt im Norden des Irak ist eine Hochburg der sunnitischen Terror-Miliz.

Paris. Zu den Anschlägen in Frankreich hat sich der sogenannte Islamische Staat bekannt. Wir beantworten dazu wichtige Fragen.

News-Ticker zu den Terroranschlägen in Paris

Welche Bedeutung hat der Begriff IS? 

Die sunnitische Terror-Miliz Isis (Islamischer Staat im Irak und Syrien) hat im Juni 2014 ein Islamisches Kalifat ausgerufen. Das Herrschaftsgebiet reicht von Syrien bis tief in den Irak. Seit der Ausrufung nennt sich die Miliz IS (Islamischer Staat). Zentrum sind die Städte Rakka (Syrien) und Mossul (Irak).

Welche Ideologie verfolgen die Glaubenskrieger? 

Von Beginn an ging es den sogenannten heiligen Kriegern nicht nur um Religion und die Durchsetzung einer totalitären Glaubensrichtung, die keine andere neben sich duldet, in einer bestimmten Region. Es ging auch um die permanente Ausdehnung eines Machtbereichs und um wirtschaftliche Bereicherung. Die Ideologie des „Kalifats“ schert sich nicht um bestehende Ländergrenzen. Nach islamischer Überlieferung kann das Kalifat nur dauerhaft existieren, wenn sich alle Stämme einem führenden Clan unterwerfen. Der IS erhebt den Führungsanspruch unter den Sunniten. Auch das macht ihn für gewaltbereite Fanatiker attraktiv. Inzwischen muss man davon ausgehen, dass der IS versucht, einen globalen Kampf anzuzetteln. Es gibt unter anderem Ableger im gesamten Nordafrika, Jemen, Nigeria und Afghanistan.

Welche Art Gottesstaat strebt der IS an? 

Der IS-Anführer, der selbst ernannte Kalif Abu Bakr al-Bagdhadi, predigt einen radikalen Ur-Islam salafistischer und wahhabitischer Prägung. Dazu gehören die Gesetze der Scharia, die körperliche Strafen wie Verstümmelungen erlaubt, und die Tötung von sogenannten Ungläubigen im Dschihad. Frauen müssen den Körper voll verschleiern und sollen ihre Wohnungen so selten wie möglich verlassen. Das tägliche fünfmalige Gebet in der Moschee ist Vorschrift. Alkohol und Zigaretten sind verboten. Die IS kontrolliert die öffentlichen Institutionen. Bewohner ihres Herrschaftsbereichs berichten von grausamen Gewalttaten und Ausbeutung. Ein Beispiel: Anfangs hätten die IS-Kämpfer Grundnahrungsmittel wie Brot verschenkt, um Sympathien zu gewinnen, später dann hätten sie es zu Wucherpreisen verkauft.

Warum ist der religiöse Rassismus so ausgeprägt? 

Radikale Salafisten und Wahhabiten halten ihre Glaubensrichtung für die einzig wahre. Sie meinen, allein sie handelten im Sinne des Propheten Mohammed und im Sinne des Koran. Sogenannte Ungläubige, wie Schiiten, Christen, Juden und Anhänger anderer Glaubensrichtungen, werden als Feinde der eigenen Religion betrachtet. Sie müssen konvertieren oder werden getötet. Die Zerstörung und Beseitigung von Kulturgütern anderer Religionen und Gesellschaften weisen darauf hin, dass Spuren aller Nicht-Araber und aller Nicht-Sunniten ausgelöscht werden sollen.

Im Dschihad, so formulieren die Hass-Prediger des IS, die es auch in Europa gibt, gehe es darum, so viel Angst und Schrecken wie möglich zu verbreiten. Dazu gehören Enthauptungen, Kreuzigungen und Erschießungen. Jesiden und Kurden berichten über Massaker, Ermordungen von Kindern, Versklavungen und Vergewaltigungen von Frauen durch IS-Terroristen.

Wie stark ist die IS-Miliz inzwischen? 

Die Zahlen variieren. US-Sicherheitsexperten schätzten ihre Truppen vor Kurzem auf bis zu 17.000 Kämpfer. Darunter seien Tausende, die nicht aus Syrien und Irak kommen. Der Dschihad der sunnitischen Extremisten ist attraktiv für fanatische Muslime in aller Welt: Sie kommen unter anderem aus Nordafrika, Jordanien, Afghanistan, Tschetschenien, dem Kosovo, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Vor Kurzem soll der IS beinahe den Flughafen von Bagdad erobert haben. Irakische Truppen mit großer Unterstützung durch US-Luftangriffe konnten dies im letzten Moment verhindern. Eine US-geführte Allianz versucht seit etwa einem Jahr den IS aus der Luft zu bekämpfen. Ein länger anhaltender Erfolg ist bisher ausgeblieben.

Wer finanziert die Terrororganisation? 

Anfangs sollen die Geldgeber vor allem reiche Privatleute oder Privatorganisationen in den sunnitischen Scheichtümern am Golf wie Saudi-Arabien und Katar gewesen sein. Es ist davon auszugehen, dass diese Regime die Geldflüsse gebilligt haben, ohne damit in Verbindung gebracht werden zu wollen. Aber die Golf-Monarchien fürchten inzwischen, die IS-Miliz könnte in ihrer blutrünstigen Radikalität selbst für die eigenen Regime zu einer Bedrohung werden.

Die IS-Kämpfer sicherten sich Geldquellen zudem durch Kopfsteuern, Bankraub, Erpressung, Entführung und die Nutzung von Ölquellen, die sie bei ihren Feldzügen erobert haben.

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