Landtagsanhörung zum Gasbohren: Zweifel nicht ausgeräumt

Fragen ans Fracking

kassel. Widerstand gegen Erdgasbohrungen in Nordhessen und Zweifel an der Fördertechnik des Fracking (siehe Hintergrund) sind breit. Nicht weniger breit sind auch unter Landespolitikern und Fachleuten die Informationslücken zum derzeit heißesten Eisen hessischer Umweltpolitik. Bei der Landtagsanhörung zu Schiefergasvorkommen, mit deren Ausbeutung deutschlandweit Neuland betreten würde, blieben gestern im Kasseler Regierungspräsidium viele Fragen offen.

Klar ist: Vor März 2013 kann die kanadische BNK Petroleum nicht mit einer Erlaubnis rechnen, die ihr das alleinige Suchrecht im Feld Adler-South garantieren würde. Das sagte Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) mit Verweis auf ausstehende Gutachten. Klar ist auch: Hessen ist aus Sicht der Fracking-Kritiker damit besser dran als NRW, wo mit gut 20 000 Quadratkilometern schon mehr als die Hälfte das Landes an Gassucher aufgeteilt ist. Dort hat die Landesregierung nach immer lauteren Protesten die Reißleine gezogen: Die rund ein Dutzend Suchkonsortien - darunter Wintershall aus Kassel - bekommen auf absehbare Zeit keinerlei Bohrgenehmigung.

Bedenken überwiegen

Selbst Experten, die vor dem Umweltausschuss des Landtages in Kassel Schiefergasförderung mit Fracking nicht rundweg ablehnten, sprachen von einer Massierung der Risiken.

Weil Fracking sehr viele Bohrungen braucht, durch die sehr große Wassermengen mit sehr viel Chemie in die Tiefe gepresst werden, sehen Fachleute vor allem Risiken für Grund- und Trinkwasser. Weil bei dieser Art Gasgewinnung ein Bohrturm pro Quadratkilometer nötig sein kann, werden Landschaftsverbrauch, Lkw-Verkehr und Lärm im kleinteilig strukturierten Nordhessen schnell zum Problem. Schon die Abwasserentsorgung aus herkömmlichen Gasbohrungen (Verpressen in den Untergrund) gilt nicht als Dauerlösung - weil ebenfalls riskant fürs Grundwasser.

Schärfere Kontrolle der Gasbohrer? Von 150 Chemikalien, die beim Fracken zu Cocktails gemischt werden, hätten Tests des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig 20 Prozent nicht einmal eindeutig identifizieren können, hieß es bei der Anhörung.

Der Ausweg? Das Gas liegen lassen, wo es liegt, meinten zwei Referenten. Die Mehrheit der Experten forderte, das Bundesberggesetz nach 30 Jahren endlich so ändern, dass mehr Transparenz in den Bergbau einzieht, dass Umweltschutz und Interessen der Menschen, die ein Bodenschatzabbau negativ betrifft, viel mehr Gewicht bekommen. Die Opposition im Bundestag hat dazu im Mai Anträge gestellt. Umweltministerin Puttrich, heißt es aus der SPD, solle sich endlich im Bundesrat für eine Novelle starkmachen. • Vorträge der Experten: http://zu.hna.de/frack12

Von Wolfgang Riek

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