Hessischer Rechnungshof moniert Darlehen in Schweizer Währung

Franken verteuert Kredit

Wiesbaden. Urlauber können ein Lied davon singen: In der Schweiz ist der Euro in Zeiten der Finanzkrise nicht mehr viel Wert. Sie hat zu einer Aufwertung des Franken geführt, die den Urlaub für Touristen teuer macht und der Schweizer Wirtschaft das Exportgeschäft verdirbt.

Doch auch hierzulande merken einige, dass die sichere Währung der Eidgenossen in den Bilanzen zu Verlusten führt. Der Rheingau-Taunus-Kreis gehört zu den Kommunen, die zu besseren Zeiten Fremdwährungskredite in Schweizer Franken aufnahmen. Die seien ihnen, so Kreissprecher Christoph Zehner, „für niedrigste Zinsen damals quasi hinterher geworfen worden.“

Auch die kleine Stadt Lindenfels im Odenwald hatte ihr Glück in Schweizer Franken gesucht. Laut Rechnungshofbericht 2011 nahmen die Linderfelser trotz Bedenken der Rechnungsprüfer des Kreises Bergstraße Anfang 2011 ein Darlehen in Höhe von 6,44 Millionen Schweizer Franken auf. Das entsprach seinerzeit fünf Millionen Euro zu einem Zinssatz von nur 0,42 Prozent. Die niedrigen Zinsen sollten nach der Erwartung der Lindenfelser Wechselkursrisiken auffangen. Doch nachdem der Kurs im August 2011 auf einen Tiefststand einbrach, wuchs der Kreditbetrag schon auf 5,7 Millionen Euro.

Obwohl der Schadensfall noch nicht real eingetreten ist, weil er erst bei Rückzahlung des Darlehens akut wird, zeigt sich das hohe Risiko solcher Geschäfte.

Die kommunalen Spitzenverbände haben nach eigener Auskunft keinen Überblick über die Inanspruchnahme von Fremdwährungskrediten in Hessen. Derzeit dürfte sich das Problem nach Einschätzung des Hessischen Städtetages nicht mehr stellen, da die Zinsen im Inland sehr niedrig seien.

Im Kreishaus in Bad Schwalbach setzt man darauf, dass der Wechselkurs bis zur Rückzahlung der Darlehen günstiger sein wird für die Rheingauer. Doch darauf hat die Kommune keinerlei Einfluss und garantieren kann es auch sonst niemand. Der Rechnungshof und auch der Steuerzahlerbund raten daher dringend von derlei hochspekulativen Geschäften ab.

In Nordhessen sind kommunalen Fremdwährungskredite zumindest nicht bekannt. Kassels Kämmerer Dr. Jürgen Barthel hält davon überhaupt nichts: „Dabei auf eine konkrete Entwicklung zu setzen ist meiner Meinung nach seriös nicht möglich.“ Kassel sei „extrem vorsichtig“ im Zinsmanagement und springe generell nicht auf jedes technisch denkbare Instrument.

In Niedersachsen war Osnabrück eine der ersten Städte, die Kredite in Schweizer Franken aufnahmen. 2011 betrug der Buchverlust bis zu sieben Millionen Euro. Die Stadt beschloss daher, von solchen Geschäften die Finger zu lassen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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