Radikalisierung muslimischer Häftlinge verhindern

Einzelhaft für Salafisten?

Wiesbaden. Nach dem islamistischen Anschlag in Frankreich mit 17 Toten stellt sich die französische Regierung die Frage, wie die Radikalisierung muslimischer Häftlinge verhindert werden kann.

Ein Problem, mit dem sich auch die Landesregierungen in Deutschland auseinandersetzen.

In Frankreich fordert Premierminister Manuel Valls jetzt Einzelhaft für Islamisten einzuführen. Ist das auch ein Modell für Deutschland?

Zwei der drei Attentäter aus Frankreich – Chérif Kouachi und Amédy Coulibaly – sollen in einem Gefängnis auf den einflussreichsten Islamisten Frankreichs getroffen sein und sich dort radikalisiert haben, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Keine Einzelhaft in Hessen

Einzelhaft für Islamisten, das gibt es in Hessen nicht, sagt Wolfgang Ommert, Sprecher des Justizministeriums in Wiesbaden. Dieses Modell kann sich auch Thomas Mücke, Geschäftsführer des Vereins „Violence Prevention Network (VPN) “, für die Haftanstalten in Deutschland nicht vorstellen. Der Diplom-Politologe und Pädagoge betreibt mit seinem Verein bundesweit Präventionsarbeit und versucht, insbesondere gefährdete Jugendliche in Gefängnissen über Extremismus aufzuklären und somit ihre Radikalisierung zu verhindern.

Im rechtsextremistischen Bereich habe es in der Vergangenheit Versuche gegeben, Personen gemeinsam unterzubringen und somit von anderen Gruppen fernzuhalten, sagt VPN-Geschäftsführer Mücke. Sie hätten sich dann gegenseitig ideologisiert. Das sei nicht der richtige Weg. Es sei wichtig, dass diese Menschen auch andere Ansichten hörten, sagt Mücke.

Steigende Salafisten-Zahl

In vielen Bundesländern geht man von einer steigenden Zahl von Salafisten aus. In Hessen sollen 1500 leben. Deutschlandweit sollen es 6300 sein. Um die Radikalisierung von Jugendlichen in Gefängnissen zu verhindern, gab es bundesweit bis Ende 2014 das Präventionsprogramm „Verantwortung übernehmen, Abschied von Hass und Gewalt“.

Dieses Programm, das der Verein VPN um Geschäftsführer Mücke verantwortet, wird nun auf Landesebene zumindest in Hessen mit eigenem Geld weitergeführt. 400 000 Euro sollen für das Netzwerk zur Verfügung stehen. In Niedersachsen wird es laut Mücke offenbar nicht fortgesetzt.

Durch das Programm werden Jugendliche während ihrer Zeit im Gefängnis bis zur Entlassung und darüber hinaus betreut, sagt Mücke.

Prävention in Haft

Die Arbeit dort sei besonders wichtig – denn häufig gelte die Regel: Ein Extremist geht in Haft, fünf kommen raus. Abgesehen davon sei ihm aber in hessischen Gefängnissen kein „Hassprediger“ bekannt, sagt Mücke.

Von Max Holscher

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