Hollandes top - Sarkozy flop

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Präsident François Hollande und sein Vorgänger Nicolas Sarkozy  

Paris - Nach dem historischen Linksrutsch in Frankreichs Nationalversammlung steht eine kleine Regierungsumbildung an.

Nach dem historischen Wahlerfolg der Linken bei den Wahlen zur Nationalversammlung ist Premierminister Jean-Marc Ayrault am Montag erneut mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Ayrault hatte zuvor erwartungsgemäß sein Rücktrittsangebot eingereicht und war dann nach Angaben des Elysée-Palastes erneut als Regierungschef ernannt worden.

Die Vorstellung der neuen Regierung wird erst nach der Rückkehr von Präsident François Hollande vom G20-Gipfel in Mexiko am Donnerstag erwartet. Als erster sozialistischer Staatschef wird Hollande mit Mehrheiten in beiden Kammern des Parlaments regieren können. SPD-Chef Sigmar Gabriel bezeichnete den Sieg der Schwesterpartei Parti Socialiste (PS) als „ein Signal von herausragender Bedeutung für ganz Europa“.

François Hollande: volksnah und bescheiden 

Lange Zeit wurde er verspottet, wahlweise als „Niete“, „Pudding“ oder auch als „Tretbootkapitän“ belächelt. Aber nun hat der bodenständige François Hollande seine Kritiker zum Schweigen gebracht. © dpa
Der Sozialist ist Präsident von Frankreich, der zweitgrößten Wirtschaftsmacht Europas. Das Nachbarland sehnte sich offenbar nach einem seriösen Gegenentwurf zu seinem hektischen Vorgänger Nicolas Sarkozy. © dpa
Und Hollande hat in den Tagen vor seiner Vereidigung alles getan, um die Anfängerfehler Sarkozys zu vermeiden. © dapd
Hollande gibt sich nun bescheiden und volksnah und isst weiterhin Bratkartoffeln mit seiner Lebensgefährtin in der Brasserie gegenüber seiner Wohnung. © dpa
Nach fünf Jahren Sarkozy verkörpert er möglicherweise genau den bescheideneren Charakter, den sich die Franzosen gerade wünschen. Er versprach, das Gehalt des Präsidenten um 30 Prozent zu kürzen und mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler möglicherweise in ihrer privaten Wohnung zu verbleiben statt in den Élysée-Palast zu ziehen. © dpa
Auch wenn Hollande sich gerne als einfacher Mann des Volkes präsentiert, hat er eine für Frankreich klassische Karriere gemacht: Er machte in dem noblen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine Abitur und ging auf die elitäre Hochschule ENA, auf der viele erfolgreiche Zeitgenossen ebenfalls ihr Diplom machten. © dpa
Einen normalen Job hat Hollande nie angenommen - seit seinen Studienjahren übernahm er alle möglichen Posten in der Sozialistischen Partei, angefangen vom Staatssekretär über den Sprecher des Premierministers Lionel Jospin bis zum Generalsekretär. © dpa
Er galt immer als zuverlässiger Parteisoldat, aber eigentlich nie als der geborene Kandidat. So hatte Hollande seine Kandidatur eigentlich nur dem Zufall zu verdanken. © dpa
Die Sozialisten verloren im Sommer nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (DSK) ihren aussichtsreichsten Kandidaten. Der Skandal um Strauss-Kahn wirbelte das gesamte politische Programm durcheinander. © dpa
Erstaunlicherweise haben die Sozialisten kaum darunter gelitten. Sie beherrschten wochenlang mit ihren Vorwahlen die Medien. Rund zwei Millionen Franzosen beteiligten sich an der Personen-Kür und wählten Hollande mit großem Abstand zu ihrem Spitzenkandidaten. © dpa

Sechs Wochen nach Hollandes Wahl zum Präsidenten errangen die Sozialisten und ihre direkten verbündeten nach Angaben des Innenministeriums vom Montag 314 der 577 Sitze und damit die absolute Mehrheit. 155 Mandate wurden von Frauen gewonnen, so dass ihr Anteil nun mit 26,8 Prozent einen Höchststand erreicht hat. Nicht dazu gehört die frühere Partei-Ikone Ségolène Royal, die in ihrem Wahlreis einem Partei-Abweichler unterlag.

Alle bisherigen Kabinettsmitglieder haben ihre Mandate bei der Wahl am Sonntag erneuert. Damit dürfte sich die Regierungsumbildung auf die Ernennung weiterer Regierungsmitglieder von verbündeten Parteien beschränken. Als ein Kandidat gilt der früheren Kommunisten-Chef Robert Hue.

Erdrutsch-Sturz für Sarkozy

Hollande kann seine linken Reformpläne nach der Wahl ungehindert durchsetzen. Dazu gehört unter anderem eine umfassende Steuerreform, bei der Spitzenverdiener und Finanzinstitute deutlich stärker belastet werden sollen. Im Ringen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um den richtigen Weg aus der Euro-Krise wird Hollande ohne innenpolitische Kompromisse den französischen Kurs vorgeben können.

Die mit der Parti Socialiste (PS) verbündeten Grünen kamen auf 17 Sitze, die linke Front de Gauche auf 10, die rechtsextreme Front National (FN) auf zwei Mandate. Die 22-jährige Enkelin von FN-Gründer Jean-Marie Le Pen, Marion Maréchal-Le Pen, wird Frankreichs jüngste Parlamentarierin.

Die Union für eine Volksbewegung (UMP) des am 6. Mai abgewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy stürzte mit 194 Sitzen erdrutschartig ab und wird erstmals seit 2002 wieder auf der Oppositionsbank sitzen. Direkte Verbündete eingeschlossen verlor die konservativ-rechte Partei mehr als 100 Abgeordnetensitze. Der Ex-Außenminister und UMP-Politiker Alain Juppé kündigte am Montag im TV-Sender BFM eine Grundsatzdebatte innerhalb der Partei an.

Valérie Trierweiler: Die neue "Première Dame"

Eine elegante Journalistin löst in Frankreich  Carla Bruni als erste Dame des Landes ab. © dpa
Valérie Trierweiler steht an der Seite von Sarkozy-Herausforderer Hollande. © dpa
Frankreichs neue “Première Dame“ hat fast zwei Jahrzehnte für das Magazin “Paris Match“ als politische Redakteurin gearbeitet. © dpa
Die Mutter dreier halbwüchsiger Söhne wuchs als Valérie Massonneau mit fünf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen in Angers auf. © dpa
Die seit 2005 mit Hollande verbandelte Journalistin äußerte sich nicht zur Frage einer möglichen Heirat. Das sei ein privater Beschluss: “Wir wollen nicht aus Pflicht heiraten.“ © dpa
Die Mutter besserte die bescheidenen Einkünfte ihres kriegsversehrten Ehemannes als Kassierin in einer Eissporthalle auf. © 
Als energisch und durchsetzungsfähig gilt die Journalistin, deren Äußeres gerne mit dem unterkühlt-nüchternen Charme einer Katharine Hepburn verglichen wird. © 
Begonnen hatte ihre Beziehung mit Hollande bei einem der Interviews, die die schlanke Brünette mit dem charmanten Lächeln und dem halblangen Haar für “Paris Match“ mit dem Spitzenpolitiker führte. © 

In Frankreich gilt das Mehrheitswahlrecht in allen 577 Wahlkreisen. Eine Zweitstimme und damit einen Ausgleich über Listen der Parteien wie in Deutschland gibt es nicht.

Mehrere sozialistische Minister wurden gewählt, darunter der Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici. Ayrault, der in Nantes im ersten Wahlgang gewählt wurde, hatte angekündigt, dass Minister und Staatssekretäre, die sich zur Wahl stellen, erfolgreich sein müssen. Ansonsten würden sie auch ihr Amt verlieren.

Geschlagen wurde der liberale Präsidentschaftskandidat François Bayrou. Er erhielt in seinem Wahlkreis, den er seit 1986 innehatte, nur 30,17 Prozent.

Gut 42 Millionen Franzosen entschieden über die restlichen 541 Sitze in der Nationalversammlung. Beim ersten Wahlgang vor einer Woche hatten 36 Abgeordnete ihren Wahlkreis schon mit absoluter Mehrheit erobert.

dpa/dapd

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