Nach langem Ringen

Französisches Parlament beschließt Homo-Ehe

Paris - Im Land der „égalité“ bekommen auch Homosexuelle Gleichheit. Das französische Parlament lässt Schwule und Lesben nun heiraten und Kinder adoptieren. Die Zustimmung auch im Senat gilt als sicher.

Ein gesellschaftliches Randthema hat sich zu einem der umstrittensten Vorhaben von Präsident François Hollande entwickelt. Wie kaum eine andere Reform der immer noch jungen Regierung lässt die Homo-Ehe Emotionen in Frankreich hochkochen. Am Dienstag gab die sozialistisch beherrschte Nationalversammlung der Verbindung von Schwulen und Lesben den offiziellen Segen. Die Zustimmung auch im Senat, der zweiten Kammer des Parlament, gilt als sicher. Umstritten war vor allem das Adoptionsrecht.

Bis zur Abstimmung hatten die 577 Abgeordneten einen Sitzungsmarathon hinter sich bringen müssen. Für die mehr als 5300 Änderungsanträge vor allem der konservativen Opposition brauchten die Parlamentarier zehn Sitzungstage. Nächte und Wochenenden waren ebenfalls für die Beratungen reserviert. Knapp 110 Stunden lang ging es bis Samstagmorgen um das neue Recht für Schwule und Lesben. Entsprechend befreit war der Applaus der sozialistischen Mehrheit nach der Abstimmung mit 329 zu 229 Stimmen.

Der Streit drehte sich letztlich um den entscheidenden neuen Paragrafen 143 für den berühmten Code civil, die französische Vorlage des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs. Darin heißt es: „Die Ehe wird geschlossen von zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts oder gleichen Geschlechts.“ Alle weiteren Regelungen - auch das neue Adoptionsrecht - basieren auf diesem Satz.

Im Land der „égalité“ gilt damit Gleichheit nun auch für Homosexuelle, inklusive Adoptionsrecht. Vor allem dieser Punkt brachte die „fraternité“, die Brüderlichkeit im Land schwer ins Wanken. Dabei hatte Präsident Hollande das Vorhaben in bester republikanischer Tradition gewähnt. Der zunächst von Kirchen und Konservativen getragene Widerstand griff allerdings rasch um sich.

Der sozialistischen Regierung blies ein Proteststurm vor allem aus der strukturell konservativen Provinz entgegen. Bereits Ende des vergangenen Jahres kamen die Menschen in vielen Städten zusammen, um bunt und fantasievoll gegen Homo-Ehe und Adoptionsrecht aufzubegehren. Meist erfolgreich bemühten sie sich dabei, schwulen- und lesbenfeindliche Ausgrenzungen zu verhindern.

Zum zentralen Aktionstag im Januar in Paris trommelten die Gegner dann nach eigenen Angaben mehr als eine Million Unterstützer zusammen. Die Polizei zählte allerdings nur 340 000 Teilnehmer. Den Aufstand des konservativen Frankreichs wollten die Befürworter nicht auf sich sitzen lassen. Zwei Wochen später gingen 125 000 (nach Polizeiangaben) oder 400 000 (laut Veranstalter) Menschen für Schwule und Lesben auf die Straße.

Das Engagement spiegelte sich dann in den Reihen der Nationalversammlung. Selbst nächtlich leere Bänke und allgemeine Erschöpfung hielten die Streitenden nicht von hitzigen Debatten ab.

Zur Abstimmung waren die Reihen der Linken gegen das „politische Vakuum auf der Rechten“ geschlossen. Abweichler waren im rechten Spektrum der Nationalversammlung zu zählen. Einige konservative Abgeordnete hatten schon zuvor angekündigt, sich zu enthalten oder für Gesetz und Homo-Ehe zu stimmen.

dpa

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