Frau sitzt wegen Justizirrtums zu lange im Gefängnis

Wiesbaden/Frankfurt. Eine wegen Diebstahls verurteilte Frau hat in Hessen fast vier Monate zu lange im Gefängnis gesessen. Die Frau sollte ursprünglich im Januar dieses Jahres frei kommen. Sie wurde aber erst Ende April entlassen, wie ein Sprecher des Justizministeriums in Wiesbaden einräumte.

Er sprach von einem „totalen Ärgernis“. Die Landtags-Opposition sieht einen skandalösen Vorgang. Nach Angaben von Justiz-Staatssekretär Rudolf Kriszeleit (FDP) wurde offenbar übersehen, dass die Ende November vom Amtsgericht Offenbach verhängte Freiheitsstrafe von sieben Monaten wegen Bandendiebstahls zur Bewährung ausgesetzt worden war.

Die Frau saß seit September 2012 in der Justizvollzugsanstalt Preungesheim in Frankfurt - zunächst in Untersuchungshaft. Anschließend verbüßte sie von Anfang November an eine Ersatzfreiheitsstrafe von 56 Tagen, weil sie eine Geldstrafe nicht bezahlt konnte. Diese war dann Anfang Januar abgelaufen. Nach Angaben des Ministeriums ermittelt die Staatsanwaltschaft, wie es zu der Panne kam. Der ehemaligen Gefangenen steht eine Haftentschädigung von 2835 Euro zu, das entspricht 25 Tag Euro pro Tag.

Die SPD-Fraktion im Landtag verlangte von Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) eine Aufarbeitung, da dies nicht der erste derartige Vorfall sei. Besonders gravierend sei, dass eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe vollstreckt worden sei. Die Linke warf Hahn vor, er sei in seinem Amt überfordert. (lhe)

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