Medikament soll Lungenembolie verursacht haben

Frau verklagt Bayer: Fragen und Antworten zu Risiken der Anti-Baby-Pille

Felicitas Rohrer (31). Foto:  dpa

Eine 31-Jährige hat die Anti-Baby-Pille „Yasminelle“ genommen, eine Embolie erlitten und wäre fast gestorben. Jetzt hat sie den Hersteller verklagt, den Pharma-Riesen Bayer.

Erstmals beschäftigt sich am Donnerstag ein deutsches Gericht mit den möglichen Gesundheitsgefahren durch eine Anti-Baby-Pille. Fragen und Antworten dazu:

Worum geht es bei dem Prozess?

Felicitas Rohrer (31) aus Willstätt (Baden-Württemberg) will 200.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Arzneimittelkonzern Bayer haben. Sie macht die Anti-Baby-Pille „Yasminelle“ mit dem Wirkstoff Drospirenon dafür verantwortlich, dass sie im Jahr 2009 eine Lungenembolie erlitten hat. Daran wäre sie fast gestorben. Verhandelt wird der Fall vor dem Landgericht Waldshut.

Warum erregt dieser Fall ein solches Aufsehen? 

In den USA haben Tausende Frauen den Pharmakonzern verklagt. Er einigte sich bislang auf rund 9000 Vergleiche und zahlte nach eigenen Angaben insgesamt 1,9 Milliarden Dollar. Er erkannte aber keine Verantwortung für die Gesundheitsschäden an. In Frankreich musste Bayer die Pille „Diane 35“ vom Markt nehmen.

Welche Präparate sind noch unter Verdacht? 

Der Verein „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ (CBG, Düsseldorf) nennt im Zusammenhang mit einem erhöhten Embolie- und Thromboserisiko Präparate wie Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida, Petibelle.

Wie kann die Anti-Baby-Pille eine Embolie verursachen? 

Es geht genauer um Anti-Baby-Pillen der sogenannten 3. und 4. Generation. Diese Präparate haben eine andere hormonelle Zusammensetzung als jene, die anfangs auf den Markt kamen. Einige der jüngeren Pillen enthalten das Hormon Drospirenon. Es bindet Wasser, so können Thrombosen (Blutgerinsel) entstehen, die Adern verstopfen.

Ist ein Zusammenhang von Drospirenon und Thrombosen durch Studien belegt? 

Nicht direkt. Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind in den vergangenen 15 Jahren insgesamt 492 Fälle von venösen Thromboembolien gemeldet worden, bei denen die Betroffenen drospirenonhaltige Verhütungspillen genommen hatten, 16 Frauen sind gestorben. Aber: In vielen Fällen lasse sich anhand der gemeldeten Informationen nicht sicher sagen, ob das Arzneimittel die Ursache für die Embolie war, hält die Behörde fest.

Rät die Behörde von diesen Pillen ab? 

Sie warnt vor möglichen Gefahren. Das BfArM empfiehlt Erstanwenderinnen und Frauen unter 30 Jahren, auf Anti-Baby-Pillen mit einem „bekanntermaßen niedrigerem Risiko für venöse Thromboembolien“ auszuweichen, etwa Präparate mit dem Hormon Levonorgestrel. Das Amt rät: „Bevor ein solches Präparat verschrieben wird, sollten die Frauen beispielsweise darüber informiert werden, wie sie Anzeichen und Symptome einer Thrombose erkennen können.“

Warum werden diese Pillen noch verschrieben? 

Dass die Anti-Baby-Pille in seltenen Fällen das allgemeine Thromboserisiko erhöhen kann, ist seit Jahrzehnten bekannt. Raucherinnen und übergewichtige Frauen gelten als Risikogruppen. Die Pillen der 3. und 4. Generation sind aber „leichter“ in der Zusammensetzung, sie sollen für junge Frauen besser geeignet sein. Außerdem sollen sie sich positiv auf Hautbild und Gewicht auswirken. Laut „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ machte Bayer im vergangenen Geschäftsjahr mit dieser Produktgruppe einen Umsatz von 768 Millionen Euro.

Was sagt Bayer zu den Vorwürfen? 

„Bayer hält die geltend gemachten Ansprüche für unbegründet und wird sich dagegen zur Wehr setzen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die sorgfältige Bewertung aller wissenschaftlichen Daten bestätige das positive Nutzen-Risiko-Profil von niedrig dosierten Anti-Baby-Pillen wie Yasminelle, wenn sie bestimmungsgemäß eingenommen würden.

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