Wild und Wald sind keine Männerdomäne mehr

Frauen erobern die Jagdreviere

Auf der Pirsch: Immer mehr Menschen machen ihren Jagdschein, darunter sind auch deutlich mehr Frauen. Foto: dpa

Kassel. Immer mehr Menschen in Deutschland machen ihren Jagdschein. Unter ihnen sind längst nicht mehr nur Männer: Mittlerweile erobern viele Frauen die Jagdreviere.

Es ist ein bundesweiter Trend, dass wieder mehr Menschen den Jagdschein oder - wie es auch genannt wird - das Grüne Abitur machen. "Die Gesellschaft wendet sich zurück zur Natur und zu einem gesunden Wildbrett“, sagt Rolf Becker, Naturschutzreferent im Landesjagdverband Hessen. Dass immer mehr Frauen dazu stoßen, liege daran, dass sie sich unterrepräsentiert fühlten. „Frauen möchten damit eine Männerdomäne aufbrechen und zeigen, dass sie auch schießen und Wild ausnehmen können“, sagt Becker. Im Jahr 2014 hatten laut Deutschem Jagdverband fast 370.000 Männer und Frauen eine Zulassung, um auf die Jagd gehen zu dürfen. In Hessen gibt es 21 134 Jäger, davon sind 1926 Frauen.

Doch der Weg bis zum Erwerb des Jagdscheines ist lang. „Ein Jagdschein ist eine längerfristige Geschichte, er kann bis zu einem Jahr dauern“, sagt Becker. Es gebe zwar auch Blockseminare und Wochenendkurse, aber die Pflichtanzahl von 120 Stunden dürfe nicht unterschritten werden. Dabei ist das Alter derer, die sich für einen Jagdschein entscheiden, unterschiedlich. „Es ist eine große Spanne, vom 16-jährigen Schüler bis hin zum Rentner“, sagt Becker.

Die Vorbereitung auf die Prüfung, die bundesweit einheitlich ist, besteht aus Theorie, praktischen Übungen wie dem Bauen eines Hochsitzes, Fallen stellen und dem Schießen. „Außerdem müssen Anwärter mit einer sogenannten Grünen Karte bestätigen, dass sie an Veranstaltungen, wie Hundeprüfungen teilgenommen haben“, sagt der Naturschutzreferent. Erst, wenn sie die Vorbereitung durchlaufen haben, werden sie zur Prüfung zugelassen, die aus drei Teilen besteht.

In der schriftlichen Prüfung müssen sie 100 Fragen aus vier Gebieten beantworten. Rolf Schulzke, Dezernatsleiter der Oberen Forst- und Jagdbehörde im Regierungspräsidium Kassel: „Pro Gebiet sind es 25 Fragen. Die Hauptpunkte der vier Gebiete sind Wildtierbiologie, Jagdbetrieb, Jagd-Waffenrecht und Naturschutz.“ Die Fragen können aus Beschreibungen, aber auch aus Frage-Antwort-Aufgaben bestehen. Vier Stunden dauert diese Prüfung. Im zweiten Teil, der Praxis, müssen die angehenden Jungjäger beispielsweise Pflanzen erkennen, Spuren lesen und ein geschossenes Tier hygienisch versorgen und ausnehmen. „Da dürfen sie sich wegen des Hygienegesetzes keine Fehler erlauben“, sagt Becker. „Im dritten Teil, dem Schießen, fallen die meisten Prüflinge durch. “

Im Schnitt fallen in Hessen etwa 25 Prozent durch die Prüfung. Sie kann wiederholt werden. „Der Jagdschein kostet mit Kleidung und Waffe bis zu 2000 Euro“, sagt Becker. Dazu kommen die Prüfungsgebühren. Hat der Prüfling bestanden, bekommt er die Waffenbesitzkarte und kann sich direkt bei einem Waffenhändler eine Waffe kaufen. Einzige Voraussetzung: Er muss einen speziellen Waffenschrank zur Lagerung besitzen.

Hintergrund: Jagdscheinbesitzer und Prüfung

Der Landesjagdverband Hessen hat 21.134 Mitglieder, davon sind 1926 Frauen. Im vergangenen Jahr haben 326 Jungjäger ihren Jagdschein bestanden, 26 Anwärter sind durchgefallen. Deutschlandweit hat die Jägerschaft etwa 370 000 Anhänger, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Seit der Wiedervereinigung erhöhte sich der Kreis der Jäger um 50.000. Damit die Jungjäger die Prüfung bestehen, gibt es passionierte Jäger, die ihnen das, was sie wissen müssen, beibringen. Die Prüfungen nehmen die Jägerprüfungsausschüsse ab, von denen es in Hessen 15 gibt. Für jeden werden neun Männer und Frauen berufen. Die Jäger arbeiten ehrenamtlich. Im Vordergrund steht der Spaß, Inhalte zu vermitteln und Nachwuchs zu fördern.

Kontakt und Anlaufstelle für einen Jagdschein: Landesjagdverband Hessen, www.ljv-hessen.org

Von Leona Nieswandt

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