Nach Bluttat in Neuss - So ist es in der Region

Nach Bluttat in Neuss: Arbeitsagenturen in der Region versuchen Übergriffen vorzubeugen

Kassel/Göttingen. Mit einer Mischung aus Prävention und Deeskalation versuchen Arbeitsagenturen und Jobcenter in der Region, tragischen Vorfällen wie denen in Neuss vorzubeugen. Glücklicherweise kommt es in den Einrichtungen in Nordhessen und Südniedersachsen nur vereinzelt zu Bedrohungen der Mitarbeiter.

Beleidigungen sind aber fast an der Tagesordnung, ergab eine Umfrage. Statistik führt niemand, auch die Bundesagentur in Nürnberg nicht.

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Einheitliche Sicherheitsstandards für Arbeitsagenturen sowie Jobcenter der Kreise oder größeren Städte gibt es mit Ausnahme einer Notruftaste an der Computer-Tastatur nicht. Alles andere wie der Einsatz von Sicherheitsdiensten, Deeskalationsschulungen und gemeinsamen Aktionen mit der Polizei regelt jede Dienststelle vor Ort. „Die Sicherheitslage in einem ländlichen Gebiet mit wenig Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern ist eine andere als in sozialen Brennpunkten“, begründet Agentursprecherin Ilona Mirtschin in Nürnberg.

Die Agentur in Kassel verzichtet auf einen Wachdienst - auch weil die Polizei auf der anderen Straßenseite residiert und im Ernstfall schnell zur Stelle ist. Sprecherin Silke Sennhenn zählt die wichtigsten Präventionspunkte auf:

• Auf den Schreibtischen dürfen keine Messer, Scheren oder andere gefährliche Gegenstände liegen.

• Freie Fluchtwege: Die Schreibtische müssen so stehen, dass die Mitarbeiter schnell den Raum verlassen können.

• Die Verbindungstüren zu den Nachbarbüros sind nicht verschlossen, damit Kollegen schnell zur Hilfe eilen können.

Das alles gilt auch für die Agentur in Göttingen. Zusätzlich wird dort ein Wachmann eines privaten Sicherheitsdienstes eingesetzt, erklärt Sprecherin Christine Gudd. Das Jobcenter der Stadt Kassel beugt ganz ähnlich vor. Sicherheitsdienste und Metalldetektoren wie in Gerichtsgebäuden gibt es nicht. „Wir wollen eine offene Behörde sein“, begründet dies der stellvertretende Geschäftsführer Jan Rümenap. Körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter seien glücklicherweise selten.

Auch bei der Jobagentur des Kreises Kassel geht es nach Angaben von Sprecherin Daniela Vogt relativ ruhig zu. Daher verzichte man auf Sicherheitsdienste und Eingangskontrollen. Schwierige Kunden würden meist von Teamleitern oder den Geschäftsführer selbst betreut, um gerade junge Kollegen zu schützen.

Im Jobcenter in Northeim hat ein Kunde bereits einen Schreibtisch „zerlegt“, wie Geschäftsführer Klaus-Michael Schulze berichtet. Jede Beleidigung und körperliche Bedrohung werde angezeigt.

Auch in Northeim arbeitet die Einrichtung bei Deeskalations- und Präventionsprogrammen eng mit der Polizei zusammen.

Von José Pinto

Hintergrund: Gewalt gegen Mitarbeiter

Immer wieder kommt es zur Gewalt in Behörden. Die letzten Fälle:

• August 2011: Ein 41 Jahre alter Arbeitsloser zündet in einem Berliner Jobcenter einen Brandsatz. Mitarbeiter können Schlimmeres verhindern.

• Mai 2011: Eine 39-Jährige randaliert in einem Frankfurter Jobcenter und verletzt einen Polizisten mit dem Messer. Dessen Kollegin schießt und trifft die Frau tödlich.

• April 2011: Ein 34-Jähriger zertrümmert in einem Berliner Jobcenter mit einer Axt die Büroeinrichtung und drei Türen.

• Juni 2010: Wegen drohender Abschiebung ihres Sohnes stürmt eine 58-Jährige mit einem Messer in das Ausländeramt in Bad Schwalbach (Hessen). Ein Sondereinsatzkommando überwältigt sie.

• Januar 2010: Im Landratsamt Erbach (Hessen) geht ein 48-Jähriger auf eine Mitarbeiterin los und wirft einen Monitor nach ihr. Sie bleibt unverletzt. (dpa)

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