Ergebnis des Freizeit-Monitors 2013

Befragung zeigt: Am liebsten sind wir Deutschen daheim und gucken fern

Mehr Zeit für Freunde und spontane Unternehmungen, das wünschen sich viele Deutsche. Aber in der Realität verbringen sie ihren Feierabend meist zu Hause und gucken fern. Das jedenfalls ist das Ergebnis des Freizeit-Monitors 2013 der Stiftung für Zukunftsfragen.

Fernsehen, Telefonieren und Ausruhen sind danach die Freizeitbeschäftigungen der Wahl. „Der Hang zu regenerativen Tätigkeiten hat bei uns weiter zugenommen“, bestätigte Prof. Ulrich Reinhardt gestern in Berlin. Die Amerikaner gehen mehr raus, Skandinavier stehen auf neue Medien, Südeuropäer lieben die Familie und Benelux-Bewohner die Kultur.

Unter den Top-17-Freizeitbeschäftigungen der Deutschen dagegen ist keine einzige, die dezidiert draußen spielt. Doch ein zweiter Blick auf die Ergebnisse der repräsentativen Befragung vom Juni zeigt durchaus Unterschiede: Frauen lesen fast doppelt so oft Bücher wie Männer (45 zu 25 Prozent), nehmen sich mehr Zeit für die Körperpflege und zum Shoppen. Männer heimwerken öfter, gehen zu Sportevents oder in die Kneipe. Auch zwischen Osten und Westen gibt es Unterschiede: Westdeutsche treiben mehr Sport (37 zu 25 Prozent), nutzen häufiger Social-Media-Angebote und treffen sich öfter mit Freunden. Ostdeutsche machen öfter Gartenarbeit (40 zu 34 Prozent), heimwerken lieber und gönnen sich häufiger eine Kaffeepause am Nachmittag.

Die Vorliebe für soziale Netzwerke hat sich insgesamt laut Reinhardt zwar verstärkt, „aber viele erkennen mittlerweile auch, dass der virtuelle Kontakt nur Ergänzung und keine echte Alternative zum persönlichen Treffen ist“, so der Forscher. Tatsächlich stagniert die Zuwachsrate bei der Internetnutzung und nur wenige wollen noch mehr telefonieren oder im Web surfen.

Ulrich Reinhardt

Denn alles ist auch eine Frage des Zeitbudgets: Heute steht den Deutschen mit kaum vier Stunden durchschnittlich eine Viertelstunde weniger freie Zeit pro Werktag zur Verfügung als noch vor drei Jahren. Außer Rentnern klagen fast alle über Freizeitmangel. Bei Jugendlichen ist die freie Zeit seit 2010 besonders drastisch um fast eine Stunde zusammengeschnurrt: durch die Schulzeitverkürzung G8, Ganztagsunterricht und mehr Leistungsdruck.

„Jugendliche brauchen aber Zeit und Muße, um herauszufinden, wer sie sind, sich im Gespräch mit anderen zu spiegeln und eigene Kompetenzen zu erproben“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Bettina Hannover (FU Berlin).

Trotz Arbeitszeitverkürzung und höherer Lebenserwartung glaubt Reinhardt, dass nicht die wirklich freie Zeit, sondern der Graubereich zwischen Arbeit und echter Freizeit wachsen wird.

Und nicht zuletzt macht auch das Einkommen einen Unterschied bei der Freizeitgestaltung, wie der Monitor zeigt.

So unterscheiden sich Besser- und Geringverdiener

Das Geld spielt bei der Freizeitgestaltung eine große Rolle. Der Freizeitmonitor nennt Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1500 und über 3500 Euro:

• Zu spontanen Aktivitäten neigen 32 Prozent der Besserverdiener mindestens einmal pro Woche. Bei den Geringverdienern steht 49 Prozent der Sinn danach, etwas ungeplant zu unternehmen.

• Im Restaurant essen zwei Drittel der Besserverdiener mindestens einmal im Monat, aber nur ein Drittel der Geringverdiener.

• Ausflüge machten 46 Prozent der Besser- und 35 Prozent der Geringverdiener mindestens einmal im Monat.

• Für die Gesundheit tut gut die Hälfte der Besserverdiener mindestens einmal pro Woche etwas, aber nur 37 Prozent der Geringverdiener.

• Sex haben nach eigener Aussage 46 Prozent der Besserverdiener mindestens einmal pro Woche, von den Geringverdienern sagen das 21 Prozent.

• Mit Nachbarn zum Plaudern treffen ist bei beiden beliebt, 43 Prozent der Menschen beider Gruppen tun dies mindestens einmal pro Woche.

• Ausschlafen steht bei 72 Prozent der Geringverdiener mindestens einmal in der Woche und bei 57 Prozent der Besserverdiener auf dem Programm.

• Ihren Gedanken nachgehen geben 72 Prozent der Geringverdiener als Beschäftigung mindestens einmal pro Woche an und 67 Prozent der Menschen mit höherem Einkommen.

Von Andrea Barthélémy

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