Analyse: B. Braun hat das Nachsehen, ein Konkurrent kauft 43 Rhön-Kliniken

Fresenius-Gruppe greift zu

Ulf Schneider

Bad Homburg. Fresenius-Chef Ulf Schneider ist kein Mann, der rasch aufgibt. Schließlich ist der Spitzenmanager des Gesundheitskonzerns Langstreckenläufer. Und denen geht auch bei Umwegen die Luft so schnell nicht aus.

Sein Umweg bringt Schneider jetzt ans Ziel und seinen Konkurrenten, den nordhessischen Medizintechnik- und Pharmahersteller B. Braun Melsungen AG erst einmal ins Hintertreffen. Für 3,07 Milliarden Euro kaufte der Bad Homburger Konzern 43 Krankenhäuser und 15 Versorgungszentren der Rhön-Klinikum AG und macht seine Tochter Fresenius Helios so zu einem Krankenhaus-Riesen mit 117 Häusern und knapp 5,5 Milliarden Euro Umsatz. Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg sowie Häuser in Bad Berka, Bad Neustadt und Frankfurt/Oder behält Rhön. Eine solche Marktmacht hatten B. Braun und die Hamburger Klinikgröße Asklepios hartnäckig zu verhindern versucht. So vermiesten sie Fresenius den ersten Übernahmeversuch, indem sie sich mit Rhön-Aktien eindeckten. Die Übernahme wurde erst einmal abgeblasen.

Den Melsungern kann an einem neuen Klinikriesen wenig gelegen sein. Denn dieser könnte die Lieferantenrollen neu verteilen oder die Preise drücken – zumal Fresenius selbst Klinikbedarf produziert. Konzerntochter Kabi solle jedoch in Zukunft nicht bevorzugt werden, versichert Fresenius. Im Juli hatte Fresenius Helios aber angekündigt, B. Braun ab 2015 zunächst nicht mehr als bevorzugten Lieferanten zu berücksichtigen.

Von den rund fünf Milliarden Euro Umsatz, die B. Braun 2012 im Konzern umsetzte, stammen 945 Millionen Euro aus Deutschland und damit zum großen Teil aus einem Klinikmarkt, auf dem nach einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstitut RWI fast jedem vierten Krankenhaus die Insolvenz droht.

Seit Juli beharken sich B.Braun und Rhön-Klinikum überdies vor Gericht. Streitpunkt: Auf der jüngsten Hauptversammlung des Klinikkonzerns waren die Stimmrechte der Melsunger nicht berücksichtigt worden. Vor diesem Hintergrund hat Schneiders Coup einen besonderen Charme. Denn Rhön verkaufte die Kliniken mit 11 800 Betten und zwei Milliarden Euro Umsatz, ohne die Aktionäre zu fragen: „Eine Zustimmung der Hauptversammlung ist auch bei Rhön nicht erforderlich.“ Der Aufsichtsrat hat das Geschäft bereits gebilligt. Zwei Mitglieder des Kontrollgremiums legten am Donnerstag mit sofortiger Wirkung ihre Mandate nieder.

Die B. Braun Melsungen kommentiert die Überraschung aus Bad Homburg nicht. Auch zur geplanten Aufstockung des Rhön-Aktienpakets auf 25 Prozent will der Konzern nichts sagen. Der Antrag für den Aktienkauf liegt beim Bundeskartellamt. Dieses muss auch dem Fresenius-Coup noch zustimmen.

Von Barbara Will

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