Im Occupy-Camp in Frankfurt trotzen Finanzmarkt-Kritiker Wind und Wetter

Lautstarker Protest: Finanzmarkt-Kritiker bei einer Großdemonstration am Samstag vor der Europäischen Zentralbank. Aufgerufen zum Protest hatten Occupy und Attac, gekommen waren 900 Menschen, die das Bankenviertel umzingelten. Foto: dpa

Frankfurt. Es zieht zwischen den Hochhäusern, im Occupy-Camp blähen sich die Zeltplanen auf, Protest-Plakate flattern im Wind. Der erste Frost macht den Protest im Freien zur Herausforderung. Und doch halten sie durch: Seit dem 15. Oktober haben am Fuße der Europäischen Zentralbank 100 Personen ihre Zelte aufgeschlagen.

Sie protestieren gegen die Macht der Finanzmärkte und das kapitalistische System. Schien anfangs noch alles sehr spontan, haben sich inzwischen Strukturen entwickelt. „Wir müssen ja auch arbeiten und lernen“, sagt Konrad Zaniewski, „deshalb rotieren die Aufgaben.“ Er hat die Mütze tief ins Gesicht gezogen, ist heiser und erkältet, gehört ins Bett. Doch drei Decken im Zelt müssen reichen. Mit den Behörden laufe alles prima, erzählt Zaniewski, die Erlaubnis für das Camp wurde bis zum 27. November verlängert.

Der 21-Jährige ist derzeit der Versammlungsleiter, noch immer trifft man sich zwei Mal am Tag, um „Organisatorisches und Inhalte“ zu besprechen. Es gibt eine Telefonnummer für Pressekontakte und eine Internetseite mit den neuesten Informationen. Auch der, dass es bei einem Discounter zurzeit Isolierfolien gibt, die doch eine schöne Spende wären. Denn auf Spenden sind die Camper angewiesen, Nahrung, Alltagsgegenstände und Geld.

Fragen nach ihren Forderungen ärgern Zaniewski und seine Mitstreiter: „Wir sind doch keine Experten, die nach vier Wochen Lösungen parat haben. Wir sind Menschen, die sich aus Zorn zusammen getan haben, die diskutieren und sich erst einmal alles erarbeiten müssen.“ Außerdem meint er, müssten alle an sich selbst arbeiten: „Kapitalismus, das sind doch nicht nur die Banker, jeder von uns ist ein Teil davon.“ Informieren wollen sie natürlich auch, viele Besucher und Passanten stehen am Mittag an den Zelten und debattieren. „Ganz leicht ist das hier nicht, in Deutschland liegen ja keine hungernden Kinder auf der Straße“, sagt der junge Mann, der beruflich mit Kindern arbeitet.

Auf keinen Fall will sich die Protestbewegung vereinnahmen lassen von den Linken, dem DGB oder auch Attac. Bei den reinen Occupy-Demos dürfen sie ihre Fahnen nicht mitbringen. „Wir wollen was Neues machen.“

 Kürzlich musste eine Veranstaltung im Gewerkschaftshaus wegen Tumulten beinahe abgebrochen werden. Ein Gewerkschafter hatte gerufen, die Fahnen habe man zuletzt 1933 einrollen müssen. „Die haben uns mit Nazis verglichen“, sagt Zaniewski ungläubig. Wie lange die Camper aushalten? „In Deutschland glauben sie immer, mit einer Demo ist es getan, so schnell geht das aber nicht. Wir wollen eine friedliche Revolution des Geistes, die dauert eben.“

Konrad Zaniewski muss weiter, ein TV-Team wartet schon auf ihn. Derweil wächst die Bewegung. Auch in Fulda fand kürzlich die erste Occupy-Kundgebung statt.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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