Die Attentäter Chérif und Said Kouachi im Portrait

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Kaltblütig haben die Brüder Chérif und Said Kouachi zwölf Menschen erschossen. Derweil werden immer mehr Details über die algerischstämmigen Franzosen bekannt.

Sie verübten den Anschlag auf die Satire-Zeitung und wurden von Einsatzkräften getötet. Sie waren Frankreichs Sicherheitsbehörden seit langem bekannt.

Chérif Kouachi (32)

Sie standen laut dem US-Fernsehsender CNN auch auf der allgemeinen Terror-Beobachtungsliste TIDE (Terrorist Identities Datamart Environment). In dieser Liste führen die USA bekannte oder mutmaßliche internationale Terroristen. Amerikanischen Medienberichten zufolge fanden sich ihre Namen zudem auf einer sogenannten No-Fly-Liste, was ihnen Flüge in die USA verwehrte.

Außerdem waren sie auf der sogenannten Schengen-Liste zur Beobachtung innerhalb Europas ausgeschrieben. Das bestätigte Bundsinnenminister Thomas de Maizière.

Es gibt offenbar Verbindungen zu Al-Qaida und zum „Islamischen Staat“ (IS). Chérif muss in Kontakt mit Amedy Coulibaly gestanden haben. Der hatte in Paris eine Polizistin erschossen und war gestern während einer Geiselnahme in einem Geschäft getötet worden (siehe Artikel rechts).

Chérif Kouachi wurde in Frankreich 2008 wegen der Zugehörigkeit zu einem Dschihadisten-Netzwerk zu drei Jahren Haft verurteilt, davon die Hälfte auf Bewährung. Der 32-Jährige mit dem Spitznamen Abou Issen, 1982 in Paris als Sohn algerischer Eltern geboren, war Mitglied des nach einem Park im 19. Pariser Bezirk benannten „Buttes-Chaumont-Netzwerks“, das Dschihadisten zum Kampf gegen die US-Truppen in den Irak schickte. Er wurde 2005 festgenommen.

Said Kouachi (34)

Seine Radikalisierung hatte bereits früher begonnen: Anfang der 2000er-Jahre besuchten Chérif und sein Bruder Said (34) in Paris Korankurse bei dem selbsternannten „Emir“ Farid Benyettou, der für den Dschihad im Irak warb und das „Buttes-Chaumont-Netzwerk“ anführte. Bei Vernehmungen sagte Benyettou, Chérif Kouachi sei „sehr impulsiv und sehr aggressiv“ gewesen und habe von Plänen gesprochen, vor einer Ausreise zum Dschihad einen Angriff auf Juden in Frankreich zu verüben. Komplizen beschrieben Kouachi als „äußerst antisemitisch“.

Im Gefängnis lernte Chérif später den Islamisten Djamel Beghal kennen, der wegen der Vorbereitung von Anschlägen eine zehnjährige Haftstrafe absaß. Seitdem soll er unter dessen Einfluss gestanden und einen „sehr strengen Islam“ praktiziert haben. Er wurde offenbar schon in Frankreich in den Umgang mit Waffen eingewiesen. Experten vermuten zudem, dass er später doch noch in den Irak reiste.

  Verbindungen gibt es laut dem Islam-Experten Jean-Pierre Filiu auch zum IS: Anfang der 2000er-Jahre war neben Chérif Kouachi auch der Franko-Tunesier Boubaker al-Hakim Mitglied des „Buttes-Chaumont-Netzwerks“. Al-Hakim hat sich zu der Ermordung zweier tunesischer Oppositioneller 2013 bekannt und kämpft derzeit für den IS in Syrien. Es sei „unmöglich“, dass der Anschlag bei Charlie Hebdo nicht vom IS in Auftrag gegeben worden sei, meint Filiu.

  Said Kouachi wurde nie strafrechtlich belangt, die französischen Sicherheitsbehörden hatten sich vor allem bei Ermittlungen zu Chérif mit ihm beschäftigt. Die „New York Times“ berichtete, Said sei 2011 mehrere Monate im Jemen gewesen und dort von Al-Qaida trainiert worden. (afp)

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