Irre Posse im Live-TV

War er betrunken? Ex-Berater von Trump redet sich um Kopf und Kragen

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Sam Nunberg im Gespräch mit CNN-Moderatorin Erin Burnett.

Ein früherer Trump-Vertrauter liefert im TV skurrile Auftritte. Er beleidigt Trump - und äußert eine brisante Vermutung. Eine Moderatorin unterstellt ihm Alkoholgenuss.

Washington - In Deutschland ist Sam Nunberg bislang weitgehend unbekannt. Gut möglich, dass sich das nun ändern wird. Denn in den vergangenen Tagen und Stunden hat Donald Trumps früherer Wahlkampfmitarbeiter gleich mehrere schillernde Auftritte im US-TV abgeliefert. Nunberg wurde bei CNN, MSNBC und Co. ausfällig, schien aber auch den US-Präsidenten in der Russland-Affäre weiter indirekt zu belasten - nur um ihn anderenorts wieder zu verteidigen. Eine recht beispiellose Posse.

Vielleicht die brisanteste politische Botschaft dabei: Dem Sender CNN sagte Nunberg, er „vermute“, dass Sonderermittler Robert Mueller einen Verdacht in Bezug auf Trumps Russland-Kontakte habe. Es sei „gut möglich“, dass Trump etwas getan habe, erklärte Nunberg. Der Präsident sei ein „Idiot“, weil er den Argwohn von Öffentlichkeit und Ermittlern auf sich gezogen habe, wetterte er zudem. Zugleich unterstellte Nunberg, Trumps früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort habe „illegale Dinge“ getan.

In einem Gespräch mit dem Sender MSNBC legte Nunberg nach: Er sei kein Fan von Trump. Dieser habe ihn während des Wahlkampfes „sehr schlecht“ behandelt - der Washington Post erklärte er gar, der Präsident werde sein Verhalten „bereuen“.

Ex-Mitarbeiter will nun wohl doch mit Sonderermittlern kooperieren

Allerdings verhielt sich der frühere Wahlkampfmitarbeiter auch äußerst widersprüchlich. Nunberg sagte der Washington Post am Montag, er habe von Sonderermittler Mueller eine Anordnung erhalten, am Freitag vor einer Grand Jury zu erscheinen. Er werde dem aber nicht nachkommen. Er werde Mueller auch keine Dokumente übergeben, die dieser angefordert habe. Stunden später widerrief Nunberg diese Ankündigung.

Noch skurriler: Er stimme mit Trump darin überein, dass es sich bei den Russland-Ermittlungen um eine „Hexenjagd“ handele, erklärte Nunberg MSNBC. Trump habe nicht mit Russland zusammengearbeitet. Andererseits sagte der Politberater, er sei überzeugt, dass Trump von dem ominösen Treffen seines Sohns Donald jr. mit einer russischen Anwältin gewusst habe.

Pikante Andeutungen - und ein böser Verdacht im Interview

Nebenbei ließ Nunberg fallen, der aserbaidschanische Popstar Emin Agalarov habe Trump bei einem Russland-Aufenthalt „Frauen aufs Zimmer schicken“ wollen - ein Angebot, das Trump „smart“ ausgeschlagen habe. Agalarov, Sohn eines Oligarchen, soll Recherchen der New York Times zufolge auch den Kontakt zu besagter russischer Anwältin vermittelt haben.

Donald Trump scheint im nächsten Schlamassel zu stecken - ein früherer Mitarbeiter sorgt mit TV-Auftritten für Unruhe

CNN-Moderatorin Erin Burnett kam Nunbergs Verhalten seltsam vor. „Sie haben sechs Interviews in den vergangenen vier Stunden gegeben“, sagte sie - „beim Gespräch habe ich Alkohol in ihrem Atem gerochen“. Nunberg wies den Vorwurf zurück, er habe getrunken, räumte aber wenig später ein, er habe Antidepressiva genommen.

So oder so: Auf den großen US-Nachrichtenportalen kursieren nun Listen mit den „skurrilsten Äußerungen“ Nunbergs. Und die Russland-Affäre rund um Trump ist in den Vereinigten Staaten wieder groß in den Medien vertreten.

Trump spürt nur „großartige Energie“

Ob für Trump nun weiterer Ärger droht, scheint noch offen. Als enger Mitarbeiter zu Beginn von Trumps Wahlkampagne könnte Nunberg den Ermittlern womöglich brisante Informationen geben - wenn er denn willens ist.

In jedem Fall erscheinen ein weiteres Mal Donald Trumps Personalentscheidungen in einem fragwürdigen Lichte. Unlängst hatte Kommunikationschefin Hope Hicks das Handtuch geworfen. Trump selbst reagierte am Dienstag in einem Tweet auf die nicht abreißenden Querelen rund um das Personal in seinem Team und im Weißen Haus. „Es gibt kein Chaos, nur großartige Energie!“, erklärte er.

Nunberg hingegen hatte Trumps Wahlkampfteam bereits im August 2015 verlassen müssen - also zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Er wurde wegen rassistischer Äußerungen gefeuert.

Sonderermittler Mueller untersucht eine Einflussnahme Russlands auf die Präsidentschaftswahl und mögliche Absprachen mit dem Trump-Team. Er hat seine Ermittlungen immer mehr ausgeweitet. Im August 2017 setzte er eine Grand Jury ein. Die Hauptaufgabe eines solchen Gremiums ist es, vorliegende Beweise in möglichen Verbrechensfällen zu prüfen und zu entscheiden, ob Anklage erhoben werden soll.

Lesen Sie auch: Sorge um Eskalation - Ryan bittet Trump um Verzicht auf Zölle

fn (mit AFP)

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