G8/G9: Schulgesetz fällt bei Experten durch

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Acht oder neun Jahre bis zum Abitur? Die Frage sorgt in Hessen noch immer für Verdruss.

Wiesbaden. Das Angebot der Rückkehr auch bereits laufender G8-Klassen zu G9 wird für die Landesregierung zum Problem. Betroffen sind Gymnasien und Gymnasialzweige kooperativer Gesamtschulen, die sich bereits für die Rückkehr zu G9 für neue Jahrgänge entschieden hatten.

Der Gesetzentwurf der schwarz-grünen Koalition, der nun auch laufenden G8-Jahrgängen bis zur siebten Klasse eine Rückkehr ermöglichen soll, ist gestern bei einer Anhörung im Schulausschuss des Landtags auf breiten Widerstand gestoßen.

Neben vielen Kritikpunkten im Detail war das Hauptargument sowohl von G8-Kritikern als auch mancher Befürworter, dass die insbesondere von den Grünen propagierte Wahlfreiheit nicht existiere. Denn die erste wichtige Entscheidung darüber, ob eine Schule die Rückkehr erwägt, trifft die Gesamtkonferenz, die dazu ein Konzept erarbeiten muss. Inzwischen, so erklärten mehrere Experten, hätten etliche Schulen schon auf diesen ersten Schritt verzichtet, weil sie Unfrieden in der Schule befürchten. Das in dem Entwurf vorgeschriebene Vorgehen sieht nämlich abschließend eine anonyme Elternbefragung vor, deren Ergebnis einstimmig ausfallen muss, um eine problemlose Rückkehr zu ermöglichen.

Ein Parallelangebot kann es nur geben, wenn mindestens 16 Schüler – die Mindestgröße für eine Klasse – bei G8 bleiben wollen. Sind es weniger oder auch nur einer, müssen alle bei G8 bleiben. Daran sei seit einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Kassel zum Vertrauensschutz nicht zu rütteln, so CDU und Grüne, die immerhin zugaben, dass das schwer vermittelbar sei. „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“, konstatierte Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung.

Unter anderem die Lehrergewerkschaft GEW, der Landesschülerrat und der Landeselternbeirat fordern daher eine flächendeckende Rückkehr zu G9. Für die wenigen Schüler mit Vertrauensschutz müsse es Lösungen in Form besonderer Förderung geben.

„Das Chaos hätte uns erspart bleiben können, wenn die Regierung die Kraft gehabt hätte, zu sagen: Der laufende Wechsel zu G9 ist nicht möglich“, sagte der Vorsitzende des Hessischen Philologenverbandes (HPV), Knud Dittmann.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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