Verkürzte Gymnasialzeit

G9-Angebot sorgt für Unruhe

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In G8 büffeln oder doch lieber in G9? Hessens Gymnasien stehen vor schwierigen Entscheidungen. Die von Ministerpräsident Bouffier (CDU) angekündigte Wahlmöglichkeit schon ab 2013 sorgt nicht nur für Freude an den Schulen.

Wiesbaden. Seit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Juni angekündigt hat, nach den Gesamtschulen auch den Gymnasien eine Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit zu ermöglichen, herrscht im Lande nicht etwa nur eitel Freude und Erleichterung bei den Gegnern der Schulzeitverkürzung G8.

Vielmehr hat sich erhebliche Unruhe verbreitet. Denn das Angebot der Reform der Reform kommt in vielen Schulen just zu dem Zeitpunkt, zu dem man sich gerade einigermaßen mit G8 arrangiert hat.

Und nicht nur das: Die ersten Stellungnahmen für die Anhörung zum Schulgesetz am Donnerstag, das die neue Wahlmöglichkeit eröffnen soll, sind zum größten Teil von Skepsis geprägt. Ein Parallelangebot von G8 und G9 an einer Schule wird von Experten als weitere Zerklüftung der Schullandschaft angesehen. Die Absicht, Schüler der fünften und sechsten Klasse nach G8-Standard zu unterrichten, um sie anschließend in G8 beziehungsweise G9 einzusortieren, wird fast durchgängig abgelehnt.

Der Landeselternbeirat (LEB) und die Landesschülervertretung (LSV) machten gestern in Wiesbaden deutlich, dass eine Rückkehr zu G9 mit einer Oberstufe verbunden werden müsse, die zwischen zwei und vier Jahren dauern soll. Dann könnten Schüler, die schneller lernten, nach wie vor nach zwölf Jahren Abitur machen. Sie seien aber nicht dem Druck ausgerechnet in der Pubertät ausgesetzt, so LSV-Sprecherin Clara Veit.

Viele Schulen befürchten auch, dass sie so schnell gar nicht umstellen können. In Kassel wollen die staatlichen Gymnasien deshalb auf keinen Fall zum nächsten Schuljahr entscheiden. Auch in Offenbach hat man sich auf eine Bedenkzeit geeinigt. An G8 festhalten wollen die Darmstädter Gymnasien. Es sei gelungen, den Unterricht so zu strukturieren, dass die Schüler nicht mehr über Überforderung klagten. Generell scheint die Rückkehr zu G9 im Ballungsraum Rhein-Main weniger diskutiert zu werden als in Nordhessen. In Frankfurt etwa könnte eine Rückkehr auch zu massiven Raumproblemen führen.

In Nordhessen könnte ein Parallelangebot von G8 und G9 Schulstandorte theoretisch sichern. Allerdings sind die Hürden dafür hoch, beklagt etwa die Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege: Ein Gymnasium muss laut Gesetzentwurf genügend Schüler für mindestens vier Parallelklassen haben.

Dass sich manche Schule schwer tut mit schnellen Entscheidungen, hat möglicherweise auch mit der Landtagswahl zu tun: Sollte die SPD ans Ruder kommen, will sie G8 in der Mittelstufe auf jeden Fall ganz abschaffen. Eine flexible Eingangsstufe zu Beginn der Schulzeit und eine flexible Oberstufe seien wesentlich besser geeignet, dem individuellen Lerntempo von Kindern gerecht zu werden.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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