Gaddafis Geburtsstadt Sirte kurz vor Einnahme

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Die libyischen Rebellen haben es fast geschafft: Gaddafis Geburtsstadt Sirte steht kurz vor der Einnahme.

Tripolis - Die neue Macht in Libyen steht vor dem endgültigen militärischen Sieg. Gaddafis Heimatstadt Sirte steht kurz vor der Einnahme. Der Ex-Machthaber ist nur noch ein Phantom in der Wüste.

In Libyen neigt sich die Ära von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi endgültig dem Ende zu. Nach wochenlangen Kämpfen steht Sirte, eine der beiden letzten Bastionen des Widerstandes von Gaddafi-Getreuen, vor dem Fall. Milizen des libyschen Übergangsrates haben am Sonntag in der Geburtsstadt des Ex-Diktators wichtige Geländegewinne erzielt und dabei auch schwer befestigte Stellungen der Anhänger Gaddafis eingenommen.

Die Milizen kontrollierten nunmehr die Universität, das Ouagadougou-Konferenzzentrum und das Ibn-Sina-Krankenhaus, berichtete die BBC am Sonntagnachmittag aus Sirte. Die Stadt stehe damit praktisch vor dem Fall an die vormaligen Rebellen, hieß es in den Berichten. Deutschland plant unterdessen eine Art Luftbrücke: Schwerverletzte sollen aus Libyen ausgeflogen und in deutschen Krankenhäusern behandelt werden.

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Der Übergangsrat, der die neue Macht im Land nach dem bewaffneten Aufstand gegen Gaddafi verkörpert, will das Land für “befreit“ erklären, sobald er Sirte und Bani Walid, die andere der beiden letzten Gaddafi-Enklaven, kontrolliert. Das Gremium würde dann eine Übergangsregierung ausrufen und den Fahrplan für freie Wahlen sowie die Ausarbeitung einer Verfassung in Gang setzen.

In Sirte leisteten die Gaddafi-Getreuen am Wochenende erbitterten Widerstand. Bei den Kämpfen wurden nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Dschasira seit Freitag, als die Offensive begann, allein auf der Seite der Milizen 32 Männer getötet und hunderte weitere verletzt. Scharfschützen der Gaddafi-Truppen hatten sich in zahlreichen Hochhäusern der Stadt eingenistet und von dort auf die Kämpfer des Übergangsrates geschossen. Beide Seiten feuerten auch Mörsergranaten ab.

Am Sonntag und in der Nacht zuvor gelangen den Übergangsrats-Milizen entscheidende Durchbrüche. Fernsehbilder zeigten Milizionäre auf dem Uni-Campus, wo sie die grünen Fahnen des Gaddafi-Regimes von den Stangen rissen. Im eroberten Konferenzzentrum soll sich die Kommandozentrale der Gaddafi-Kräfte in Sirte befunden haben. Die Milizen nahmen außerdem einen Gaddafi-Neffen gefangen, der eine Loyalisten-Brigade kommandiert hatte, berichtete Al-Dschasira. Am Sonntagabend gingen die Kämpfe noch in der Innenstadt des 410 Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Ortes weiter.

Ein Teil der Zivilbevölkerung war bereits vor der Offensive der Milizen aus der seit Wochen belagerten Stadt geflohen. Andere Bewohner harrten an der Seite der Pro-Gaddafi-Truppen aus oder griffen selbst zur Waffe. Auch dies erklärt den besonders hartnäckigen Widerstand, auf den die Milizen des Übergangsrates stießen. Unter Gaddafi hatten viele Bewohner von Sirte davon profitiert, dass dieser die Stadt bevorzugt und zu einem Vorzeigeprojekt seiner pan-afrikanischen Ambitionen ausgebaut hatte.

Der Ex-Diktator selbst ist seit seiner Vertreibung aus der Hauptstadt Tripolis vor anderthalb Monaten untergetaucht. Sirte und Bani Walid, 150 Kilometer südöstlich von Tripolis, gelten als die letzten Bastionen der bewaffneten Gaddafi-Anhänger. Der Rest des Landes wird weitgehend von den Behörden und Milizen des Übergangsrates kontrolliert.

Einzelheiten zu der von Deutschland geplanten Luftbrücke konnte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Samstag nicht nennen. Ziel sei es, den Verletzten “schnell und unbürokratisch“ dringend benötigte Hilfe zu leisten, etwa mit einer beschleunigten Visa-Ausstellung. “Wir arbeiten gemeinsam mit unseren libyschen Partnern daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass dies sehr schnell umgesetzt wird“, sagte ein AA-Sprecher.

Zunächst hatte die “Frankfurter Rundschau“ (Samstag) über die Pläne berichtet. Nach Angaben des Übergangsrates halten sich allein im benachbarten Tunesien mehr als 2000 schwer verletzte Libyer auf, die derzeit in ihrer Heimat wegen der Kriegsfolgen nicht entsprechend behandelt werden können.

dpa

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