Umwelt- und Agrarministerium steuern um –

Herdenschutz nun landesweit gefördert: Ganze Regionen wolfsfrei?

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Niedersachsen zieht nach dem Regierungswechsel gegenüber dem Wolf die Zügel an.

Hannover. Bessere Informationen, massiver Ausbau des Herdenschutzes, schnellere Schadensregulierung, wenn der Wolf in Nutztierbeständen zugeschlagen hat – darauf haben sich jetzt Olaf Lies (SPD) und Barbara Otte-Kinast (CDU) in Hannover geeinigt.

Umweltminister Lies war bis zum Regierungswechsel Wirtschaftsminister, Landwirtschafts-Ressortchefin Otte-Kinast war Vorsitzende des Landfrauenverbandes.

Ab sofort soll die Förderpolitik zum Schutz vor Wolfsrissen mit Elektrozäunen und Herdenschutzhunden aufs gesamte Bundesland ausgedehnt werden. Nach Überarbeitung der Förderrichtlinie sollen unter anderem auch Hobby-Tierhalter die Förderung bekommen können.

„Wir stehen zum Schutz des Wolfs als Art in Niedersachsen“, sagte Umweltminister Lies. Mit sogenannten Problemwölfen will man aber nicht mehr so lange fackeln wie bisher: „Tiere, die zur konkreten Bedrohung für Menschen werden könnten oder immer wieder wolfsabweisend eingezäunte Weidetiere anfallen und so erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen“, müsse man „schneller und konsequenter auch aus der Natur entfernen können“. Entfernen kann auch heißen: töten. Dafür sollen rechtliche Grundlagen geschaffen werden.

Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast will den Wolf offenbar nicht nur bei Angriffen auf Nutztiergehege bremsen. Es gehe „um den ländlichen Raum insgesamt, ob es allgemein die freie Landschaft betrifft oder besondere Erholungsgebiete, oder zum Beispiel Urlaub auf dem Bauernhof oder Reitermöglichkeiten“. Auch dort könnten Wölfe Schäden anrichten.

Noch weitergehend grübeln die Minister außerdem darüber, „dass einzelne Regionen auch wolfsfrei gehalten werden können“. Wie das gehen soll, bleibt einstweilen offen. Man müsse, schränkten Lies und Otte-Kinast ein, auch erst die rechtlichen Bedingungen prüfen, unter denen so eine Frei-von-Wölfen-Politik umgesetzt werden könne.

Dass die Cuxland-Wölfe zur ersten Bewährungsprobe werden könnten, wissen beide: Fünf im Mai 2016 nahe Cuxhaven geborene Wölfe hatten früh beide Elterntiere verloren – zumindest die Mutter durch illegalen Abschuss. Auf sich allein gestellt, hätten die Jungwölfe nie gelernt, Wild zu jagen und sich auf Kälber spezialisiert, heißt es von Experten. Auf die Empfehlung der DBBW, der Wolfs-Beratungsstelle des Bundes, was mit dem auf Kälber spezialisierten Rudel geschehen soll, wartet man in Hannover noch.

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