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Gas-Embargo: Experten sprechen dringliche Warnung aus

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Von: Marvin Ziegele

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Ein mögliches Embargo gegen Gas aus Russland wegen des Ukraine-Konflikts wird kontrovers diskutiert. Experten schlagen Alarm. 

Brüssel – Angesichts der Debatte über ein mögliches Gas-Embargo gegen Russland während des Ukraine-Konflikts* schlagen Experten Alarm. „Ein volles Embargo würde eine sofortige Rezession in Europa auslösen, die Inflation würde weiter steigen, und die Innenpolitik noch schwieriger werden“, sagte der Ökonom Simone Tagliapietra von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel der Deutschen Presse-Agentur. Er schlägt stattdessen vor, Zölle auf russische Energie einzuführen, um weiter Druck auf Russland auszuüben.

Raphael Hanoteaux von der Organisation E3G betonte, dass die deutsche Industrie ihre „Wettbewerbsfähigkeit verlieren würde“. Als Grund führt er Schließungen in der Industrie sowie steigende Preise an.

Gas-Embargo gegen Russland wegen Ukraine-Krieg? Industrie stark auf Rohstoff angewiesen

Ab August 2022 soll ein Embargo gegen Kohle aus Russland gelten, auf das sich die EU-Länder diese Woche geeinigt haben. Schätzungen von Tagliapietra zufolge gibt die EU derzeit täglich 15 Millionen Euro für Kohle aus Russland aus. Die Ausgaben für Gas aus Russland sind allerdings weitaus höher – etwa 400 Millionen Euro pro Tag – sowie 450 Millionen Euro für Öl aus dem Land. Daher fordern etwa Polen und die baltischen Länder weitreichendere Maßnahmen.

Gas aus Russland: Experten warnen vor einem Embargo. Es hätte schwerwiegende Folgen für die deutsche Wirtschaft.
Gas aus Russland: Experten warnen vor einem Embargo. Es hätte schwerwiegende Folgen für die deutsche Wirtschaft. © Ina Fassbender/AFP

Ein Lieferstopp von Öl aus Russland hätte nach Einschätzung der Experten erhebliche Konsequenzen für den Weltmarkt. „Das hätte einen Effekt auf den weltweiten Preis, da ein großer Teil des Volumens einfach nicht mehr verfügbar wäre, die Nachfrage aber nicht sinkt“, sagte Hanoteaux. Etwa die Hälfte des Öls, das von Russland nach Europa geliefert wird, kommt ihm zufolge durch Pipelines oder über Schiffe über die Nordsee, die schwierig umzuleiten wären. Ein höherer Ölpreis durch das niedrigere Angebot würde sich nicht nur auf Europa auswirken, sondern auch auf Entwicklungsländer, die schon jetzt Schwierigkeiten hätten, sagte Tagliapietra von Bruegel.

Gas aus Russland: Pharmaindustrie warnt vor Produktionsstopp von wichtigen Medikamenten

Auch die deutsche Pharmaindustrie sieht durch ein Gas-Embargo gegen Russland die Produktion von lebenswichtigen Medikamenten gefährdet. Einer Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge sind viele Konzerne in großem Umfang auf Energie aus Russland angewiesen.

Man benötige eine erhebliche Menge an Erdgas, vor allem zur Erzeugung von Strom und Prozessdampf, sagte die Vorsitzende der Geschäftsleitung von Merck, Belén Garijo. „Im Falle einer kurzfristigen Energie- und/oder Gasknappheit riskieren wir daher die Produktion und Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten und kritischen Produkten für die Entwicklung und Herstellung von Biologika und Covid-Impfstoffen.“

Die Bundesregierung verliert derweil in der Bevölkerung* an Zustimmung. Viele Menschen in Deutschland sind mit der Reaktion auf den Ukraine-Krieg nicht einverstanden. (marv/dpa)*hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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