Was er uns ins Gewissen redet

Gaucks Europa-Rede: Seine zehn wichtigsten Thesen

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Bundespräsident Joachim Gauck spricht am Freitag im Schloss Bellevue in Berlin. Das Staatsoberhaupt hält eine Rede zu Europa, über Perspektiven der europäischen Idee.

Berlin - Bundespräsident Joachim Gauck hat sich in seiner Rede am Freitag als bekennender Europäer gezeigt, aber auch Verständnis für Kritik am Zustand der Europäischen Union formuliert. Seine zehn wichtigsten Aussagen:

Hier finden Sie die Reaktionen zur Rede

1. Gauck konstatiert „Unbehagen, auch deutlichen Unmut“, der nicht ignoriert werden dürfe. „Zu viele Bürger lässt die Europäische Union in einem Gefühl der Macht- und Einflusslosigkeit zurück.“

2. Konstruktionsfehler haben die EU in eine Schieflage gebracht. Die Osterweiterung sei nicht mit der notwendigen Vertiefung einher gegangen. „Der Euro selbst bekam keine durchgreifende finanzpolitische Steuerung.“

3. Dennoch haben alle Menschen in Europa „große politische und wirtschaftliche Vorteile von der Gemeinschaft.“

4. Europa hat zwar keinen Gründungsmythos, aber eine identitätsstiftende Quelle: einen Wertekanon auf der Grundlage von Freiheit und Toleranz. „Unsere europäischen Werte sind verbindlich und sie verbinden.“

Bilder: 100 Tage Joachim Gauck

Bilder: 100 Tage Joachim Gauck

5. Gauck fordert weitere Vereinheitlichung. „Ohne gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik kann eine gemeinsame Währung nur schwer überleben.“ Auch die Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik müsse zusammengeführt werden.

6. Ohne Zustimmung der Bürger kann Europa nicht gelingen. „Takt und Tiefe der europäischen Integration werden letztlich von den Bürgerinnen und Bürgern bestimmt.“

7. Deutschland will den Partnern seine Politik nicht aufzwingen. „Wir wollen andere nicht einschüchtern, ihnen auch nicht unsere Kozepte aufdrücken.“

Das waren die deutschen Bundespräsidenten

Das waren die deutschen Bundespräsidenten

8. Mehr Europa fordert mehr Mut. „Europa braucht jetzt nicht Bedenkenträger, sondern Bannerträger, nicht Zauderer, sondern Zupacker, keine Getriebenen, sondern Gestalter.“

9. Europa hat noch keine gemeinsame Öffentlichkeit. „Wir brauchen eine Agora“ - einen medialen Marktplatz als Ort des öffentlichen Streits.

10. Europa darf uns nicht egal sein: „Ein besseres Europa entsteht nicht, wenn wir die Verantwortung dafür immer nur bei anderen sehen.“

dpa

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