Handgeschriebene Überweisungen kosten

Postbank: Gebührenerlass bei Senioren kaum bekannt

Überweisungen auf Papier: Gebühren von 99 Cent pro Stück sollen Kunden ins Internet drängen – für viele alte Menschen ein Problem. Archivfoto: dpa

Bonn / Kassel. Handgeschriebene Überweisungen müssen bei der Postbank bezahlt werden. Vor allem ältere Kunden kritisieren das, denn sie kommen oft mit dem kostenlosen Internet-Banking nicht zurecht. Dabei könnten Senioren den Service bei der Postbank auch kostenlos bekommen - was das Unternehmen aber nicht allzu groß bewirbt.

Seit gut vier Monaten sind handgeschriebene Überweisungen bei der Postbank nicht mehr gratis. Kostenlos geht’s mit Online- und Telefonbanking oder dem Serviceterminal, heißt es auf Kritik vor allem älterer Menschen, die sich ins Internet oder gar zur Kündigung gedrängt fühlen. Kostenlos geht´s auch mit Seniorenkulanz, was von der Postbank aber nicht groß beworben wird.

Bis Ende März war’s immer gratis - seither kassiert die Postbank von Girokonto-Kunden 99 Cent für jede einzelne Überweisung auf Papier. Die Verarbeitung der Belege mache eben viel Arbeit, hieß es vorab zur Begründung. Und Niedrigzinsen träfen nicht nur Sparer, sondern auch die Banken: „Wir konnten das über Jahre kostenlos anbieten, weil wir mit dem Geld auf den Konten arbeiten konnten“, sagte ein PostbankSprecher im Februar. Das gehe jetzt nicht mehr. Wer weiter kostenlos überweisen wolle, könne das ja ganz leicht online oder mit Telefon-Banking.

Das hörte sich für Leute wie Hans M. aus Hamburg wie Hohn an: „Schlicht ein Skandal!“, schrieb der 92-Jährige an die Bonner Zentrale der Postbank. Und: „Wer von uns Alten hat überhaupt einen Computer bzw. kann einen Computer bedienen?“ Den bösen Brief des 92-Jährigen hat die Verbraucherzentrale Hamburg dokumentiert. M.’s Vorschlag an die Postbank, die Jahrgänge 1930 und älter vom Überweisungsentgelt zu befreien, wurde dort mit Blick auf massiven Ärger im Vorfeld durchgespielt. Früh zitierten Zeitungen eine bankinterne Mitteilung, für ältere Kunden könne „eine Individualkondition eingerichtet werden“.

Falls die sich aktiv wehren: Groß plakatiert wurde das Schlupfloch nicht. Und im Internet, wo jeder, der Postbank und Überweisung googelt, schnell auch „Seniorenkulanz“ findet, ist die verärgerte Altersklasse nun mal nicht automatisch unterwegs.

„Wenn sich eine 85-jährige Kundin beschwert, die 20 Kilometer vom nächsten Serviceterminal entfernt wohnt und kein Online-Banking betreiben kann“, könne man über Ausnahmen nachdenken, wurde Postbank-Sprecher Ralf Palm zitiert.

Grenze bei 60 

Diese Altersgrenze ist nach Angaben von Verbraucherschützern in Wahrheit auf 60 gesenkt - was Palm gestern nicht bestätigte, aber auch nicht dementierte. Wie viele Kunden haben wegen der 99 Cent gekündigt, wie oft wurde Erlass gewährt? „Zahlen gibt es, nennen wir aber nicht“, sagt Palm. Mit der Gießkanne jedenfalls werde die Befreiung nicht verteilt.

Wie denn dann? An drei Schaltern der Post in Kassel haben wir gefragt, das Ergebnis klingt eher wie Lotterie: „Kein Problem, formloser Antrag mit Altersangabe 60 oder mehr reicht. Einfach bei uns abgeben“, lautete die erste Auskunft. Die zweite: „Sie brauchen einen persönlichen Termin bei der nächsten Filiale - die haben dafür Berater, wir nicht.“

Version drei: „Die Widerspruchsfrist ist abgelaufen. Nehmen Sie doch das Konto Giro extra plus - Buchungen kostenlos, dazu gibt’s Kreditkarte, Wertpapierdepot und Tankrabatt bei Shell.“

Hintergrund 

Wichtig: Selbst nachfragen oder Musterbrief nutzen

• Postbank-Kunden ab 60 mit Giro-Plus-Konto sollten gezielt nach Seniorenkulanz fragen. Ruhig auch an mehreren Stellen - die interne Regelung wird offenbar mal so, mal so ausgelegt.

• Einen Musterbrief direkt an die Bonner Postbankzentrale bieten verschiedene Seniorenbeiräte des Betreuungswerks Post-Postbank-Telekom und Gewerkschaften.

• Ein Kontowechsel lohnt sich, „wenn Sie für ein Onlinekonto bisher mehr als 40 Euro im Jahr ausgeben und für ein Filialkonto mehr als 80 Euro“, meldete Stiftung Warentest im Mai. Mehr dazu hier.

Unter 176 Konten von 91 Banken, derenKonditionen geprüft wurden, waren damals „30 Gratiskonten ohne Wenn und Aber“. Die Warentester weiter: „Es gibt nur zwei klassische überregionale Filialbanken, die ein Gratiskonto ohne Bedingungen anbieten.“

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