Teil 1 der Serie zur Geschichte der Medien

Die Geburt des Journalismus: Buchdruck gab vor 400 Jahren Startschuss für die Zeitung

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Zeitunglesen zwischendurch: Ein Mädchen blättert März 1960 am Zeitungsständer eines Kiosk durch eine Zeitschrift. An Internet hat noch niemand gedacht.

Der Journalismus versorgt Menschen seit Jahrhunderten mit Nachrichten. Die Massenmedien zu ihrer Verbreitung haben sich im Lauf der Zeit verändert. In unserer vierteiligen Serie blicken wir auf die Geschichte von Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet. Teil 1 befasst sich mit der Geschichte der Zeitung.

Ob mit gesprochenen Worten, Höhlenmalereien oder Handschrift – den Drang, miteinander zu kommunizieren, hatten die Menschen schon immer. Je komplexer eine Gesellschaft wurde, desto größer wurde ihr Bedarf an Neuigkeiten. Durch die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im Jahr 1450 entstand eine nie da gewesene Möglichkeit, eine Vielzahl an Nachrichten schnell zu verbreiten. Es war der Startschuss für die erste Tageszeitung.

Entstehung

Zunächst gelangten Nachrichten nur über einseitige Flugblätter an die Bürger. Die erste richtige Zeitung der Welt wurde 1605 in Straßburg veröffentlicht. Sie stammte von dem Nachrichtenhändler Johann Carolus, der das politische Geschehen im wöchentlichen Abstand drucken ließ. Erst 45 Jahre später entstand die erste Tageszeitung: Es war die „Einkommende Zeitung“ in Leipzig.

Der Bedarf an Nachrichten wuchs stetig. 1835 entstand in Paris die erste Nachrichtenagentur, die Agence France-Presse (AFP). Zeitung gehörte immer mehr in den Haushalt gut informierter Bürger. Vor allem die 1920er-Jahren gelten als Höhepunkt in der Zeitungsgeschichte. Weil das Radio in den Kinderschuhen steckte und an Fernsehen kaum zu denken war, hatten Zeitungen lange Zeit eine Monopolstellung als Nachrichtenlieferant in der Gesellschaft. Das hat sich im Laufe der Zeit verändert.

Gesetz

Die rechtliche Grundlage, die in Deutschland die Pressefreiheit sichert, ist der Artikel 5 im Grundgesetz. Darin heißt es unter anderem, dass jeder das Recht hat, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und dafür allgemein zugängliche Quellen benutzen darf. Eine Zensur findet laut Gesetz nicht statt.

Das war nicht immer so. Sowohl während des Ersten als auch während des Zweiten Weltkrieges galt die Presse als Propagandainstrument und wurde durch staatliche Eingriffe eingeschränkt. In der DDR galt bis zur Grenzöffnung eine Lizenzpflicht, die das Erscheinen unerwünschter Zeitungen verhindern sollte.

Aufgaben

Heute soll die Zeitung, wie alle journalisitischen Massenmedien, die Öffentlichkeit informieren und politische Geschehnisse kritisch hinterfragen. Dabei zeichnet sie sich durch vier wichtige Merkmale aus: Sie ist für jeden zugänglich, aktuell, erscheint in regelmäßigen Abständen und sorgt für thematische Vielfalt. Dabei spielen sowohl welt- und deutschlandweite Themen als auch lokale Berichterstattung eine wichtige Rolle. Bei der Auswahl der Themen orientieren sich die Printjournalisten an Nachrichtenfaktoren. Ist ein Ereignis besonders kurios, relevant, sensationell oder überraschend, erscheint es in der Zeitung.

Krise

Spätestens seit dem Aufkommen des Internets steckt das Zeitungswesen in einer Krise. Die Auflagen sinken. Genauso sieht es mit den Einnahmen durch Werbeanzeigen aus. Zwei Drittel der Verlagseinnahmen wurden bis zur Jahrtausendwende mit Werbung erzielt. Bei den Tageszeitungen macht das Werbegeschäft heute noch knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Die Haupteinnahmequelle ist das Verkaufen von Abonnements. Eine weitere Entwicklung: Medienunternehmen fusionieren, der Zeitungsmarkt konzentriert sich.

Deutschland ist dabei noch nicht so hart betroffen wie andere Länder. Es ist der größte Zeitungsmarkt in Europa und er fünftgrößte der Welt. Pro Erscheinungstag werden noch immer mehr als 15 Millionen Tageszeitungen und knapp vier Millionen Wochen- und Sonntagszeitungen verkauft.

Zeitungen ordnen das Weltgeschehen übersichtlich

Seit das digitale Zeitalter vollständig Einzug in den Journalismus gehalten hat, müssen Zeitungs-Redaktionen umdenken. Das Ziel: Den Leser auf beiden Kanälen mit Nachrichten versorgen. Dabei zeichnen sich sowohl Print als auch Online durch besondere Merkmale aus. Die gedruckte Zeitung ist keinesfalls auf dem absteigenden Ast. Folgendes macht sie einzigartig:

  • Portionierung: Der Leser muss nicht aus einer Flut an Nachrichten auswählen. Das Wichtigste filtern für ihn die Journalisten auf einer begrenzten Seitenzahl heraus.
  • Haptik: Viele Leser mögen es, morgens eine gedruckte Zeitung in der Hand zu haben und nicht auf einen Bildschirm gucken zu müssen.
  • Übersichtlichkeit: Der Leser weiß, welche Themenpakete er auf welcher Seite zu erwarten hat. Durch die Platzierung der Nachrichten kann er einschätzen, was am bedeutsamsten ist.
  • Qualität: Printjournalisten einer Tageszeitung haben mehr Zeit, um Nachrichten sorgfältig und vollständig zu recherchieren, bevor sie veröffentlicht werden. Zudem wird dem Leser durch Kommentare eine Einordnung gegeben.
  • Abgeschlossenheit: Eine gedruckte Zeitung hat einen Anfang und ein Ende. Der Leser findet so Ordnung und Ausgeruhtheit – letztlich Sinn.

Stichwort: Massenmedien

Die berühmteste Definition der Massenmedien stammt von dem Kommunikationswissenschaftler Gerhard Maletzke (1922-2010). Er sagte, Massenkommunikation wäre öffentlich, erfolgte über technische Verbreitungsmittel, verliefe indirekt und einseitig und richtete sich an ein verstreutes Publikum. Seit es das Internet gibt, ist diese Definition nicht mehr uneingeschränkt zutreffend. Denn die digitale Kommunikation erlaubt es, dass auch das Publikum zum Nachrichtenlieferant werden und eine Öffentlichkeit herstellen kann.

Zahlen und Fakten rund um die gedruckte Zeitung

Das Zeitungswesen hat zahlreiche Veränderungen mitgemacht. Zu der Entwicklung gibt es einige Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger.

2,5 Milliarden Euro nahm die Tageszeitungsbranche 2016 mit Werbung ein.

2,9 Millionen Tonnen Papier wurden im Jahr 2001 verbraucht. Es ist der höchste Verbrauch in der deutschen Pressegeschichte. Heute sind es nur 1,9 Millionen Tonnen.

3 von fünf Deutschen, die älter als 14 Jahre sind, lesen regelmäßig eine gedruckte Tageszeitung. Das sind 41 Millionen Männer und Frauen.

11 Millione n lokale und regionale Zeitungen werden täglich im Abonnement zugestellt. Gut 500.000 Exemplare gehen am Kiosk oder im Laden über die Theke.

23 Jahre liegt der erste Internetauftritt einer deutschen Tageszeitung zurück. Die Schweriner Volkszeitung ging am 5. Mai 1995 online. 

36 Minuten wenden Leser täglich auf, um die Zeitung zu lesen. Am Wochenende sind es sogar 44 Minuten. Männer lesen im Durchschnitt etwas länger als Frauen.

327 Tageszeitungen gibt es insgesamt in Deutschland. Sie haben insgesamt eine Auflage von 14,7 Millionen Lesern.

600 Zeitungs-Apps gibt es. Nutzer können sie sich auf ihre mobilen Endgeräte wie etwa Smartphones herunterladen. 

Lesen Sie hier Teil 2 der Serie Geschichte der Medien: Nachrichten hören: Radio läuft heute meist nur nebenbei

Lesen Sie hier Teil 3 der Serie: Fernsehen: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk kämpft um Berechtigung

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