Küsschen oder Handschlag? Hollande trifft Merkel

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Bald ist es soweit: Francois Hollande und Angela Merkel treffen sich das erste Mal.

Berlin - Eines muss Frankreichs neuer Präsident Hollande nicht befürchten: dass er wie sein Vorgänger den Spitznamen “Merkels Marionette“ bekommt. An diesem Dienstag trifft man sich zum ersten Mal.

Küsschen links, Küsschen rechts wie der Vorgänger Nicolas Sarkozy? Ein klassischer Handkuss à la Jacques Chirac? Oder vielleicht doch eher ein nüchterner deutscher Handschlag? Für Frankreichs neuen Präsidenten François Hollande steht an diesem Dienstag schon mit der Begrüßung der deutschen Kanzlerin eine schwierige Entscheidung an. Angela Merkel hatte ihn im Wahlkampf abblitzen lassen, Hollande provozierte munter zurück. Aber irgendwie muss man jetzt doch miteinander auskommen.

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Eigentlich ist es nichts Besonderes, dass die erste Auslandsreise eines neuen französischen Präsidenten nach Berlin führt. Wohin auch sonst? Neu ist allerdings der Zoff, den sich beide Seiten im Vorfeld lieferten. Der Sozialist Hollande ging im Wahlkampf auf Konfrontationskurs zur CDU-Kanzlerin - nicht nur mit der Forderung nach einer Neuverhandlung des europäischen Fiskalpakts für mehr Haushaltsdisziplin.

Merkel könne nicht gleichzeitig Eurobonds ablehnen, vorsichtig gegenüber einer Finanztransaktionssteuer sein und der Europäischen Zentralbank verbieten wollen, Geld direkt an die Staaten zu verleihen, polterte Hollande. “Es ist nicht Madame Merkel, die im Namen aller Europäer entscheidet.“ Mit Sätzen wie diesen warb er um Wähler, die im Vorgänger Sarkozy “Merkels Marionette“ sahen. Im Gegenzug stellte die Kanzlerin klar, dass an eine Aufweichung des mühsam ausgehandelten Fiskalpakts überhaupt nicht zu denken sei.

Ob Hollande auf Konfrontationskurs bleibt, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen zeigen. Im nächsten Monat stehen in Frankreich erst einmal Parlamentswahlen an, bei denen sich der linke Präsident auch eine linke Mehrheit in der Nationalversammlung holen will. Ein zu großes Entgegenkommen in Richtung Berlin könnte dabei schaden. Die meisten Experten erwarten jedoch, dass man sich dann irgendwie einigen wird.

Am Dienstagabend jedenfalls sind große Beschlüsse noch nicht zu erwarten. “Das wird kein Gipfel der Entscheidungen“, betonte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Die Kanzlerin selbst dämpfte die Erwartungen mit den Worten, das sei nur ein “Kennenlern-Gespräch“. Nach dem CDU-Debakel in Nordrhein-Westfalen plagen Merkel ohnehin noch eine ganze Menge anderer Sorgen.

Das hinderte beide Seiten freilich nicht daran, den Termin im Kanzleramt gründlich vorzubereiten. Nach Hollandes Erfolg am vorvergangenen Sonntag gehörte Merkel zu den ersten ausländischen Gratulanten. Seither waren die Arbeitsstäbe in Berlin und Paris damit beschäftigt, die Positionen gründlich miteinander abzugleichen und nach Kompromisslinien zu suchen. Hollande bediente sich dabei auch des früheren außenpolitischen Beraters von CDU-Kanzler Helmut Kohl, Joachim Bitterlich. Der Diplomat schrieb für ihn ein Merkel-Dossier.

Dass die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Parteienfamilien keineswegs eine Belastung für die deutsch-französischen Beziehungen bedeuten muss, zeigt die Vergangenheit. Der Sozialist François Mitterrand und der Christdemokrat Kohl arbeiteten genau so eng zusammen wie der Konservative Jacques Chirac und der Sozialdemokrat Gerhard Schröder.

Und vom Wesen her verbindet Merkel gewiss einiges mehr mit dem vernunftgesteuerten Hollande als mit dessen hibbeligem Vorgänger Sarkozy. Beide gelten als nüchterne Pragmatiker, die stets auf der Suche nach Kompromissen sind. Aber wie sich die Sache entwickelt, weiß man letztlich natürlich nie. Fest steht jedenfalls, dass Hollande nach einem gemeinsamen Abendessen im Kanzleramt noch vor Mitternacht nach Paris zurückfliegen wird.

dpa

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