Gefährlicher Leichtsinn

Gefährlicher Leichtsinn: Menschen unterschätzen Hochwasser

Hannover. Viele Menschen nehmen die Gefahren bei Hochwasser auf die leichte Schulter. Oft unterschätzen die Leute die Lage. Schlimmstenfalls bezahlen sie mit dem Leben.

Vorbei an der Absperrung radelt eine Frau bei Hannover auf die überflutete Landstraße. Sie muss irgendwann absteigen, schiebt weiter. Plötzlich stürzt sie. Augenzeugen beobachten, wie die Strömung sie mitreißt. Die Frau ertrinkt. In den Hochwassergebieten in Niedersachsen, Bayern und anderen Landstrichen bringen Menschen sich derzeit immer wieder leichtfertig in Gefahr. Die Folgen werden schlichtweg unterschätzt, meinen Experten der Hilfsdienste. Die Leute trauen sich zu viel zu.

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„Das ist die Überschätzung der eigenen Möglichkeiten oder der Fähigkeiten des Autos“, sagt Richard van Hazebrouck in der Zentrale des Technischen Hilfswerks (THW) in Bonn. Solange das Wasser nicht durch das Fenster hereinlauft, meinten die Leute trotz Verbotsschildern vorwärtszukommen. „Man kann wirklich nur an die Leute appellieren, dass sie den Einsatzstellen fernbleiben und sich an Anweisungen halten.“

„Eine Lebensgefahr erkennen die wenigsten“, schätzt ADAC-Sprecher Jürgen Grieving in München. „Der Fall in Hannover zeigt, dass Verkehrsteilnehmer, die Straßenabsperrungen missachten, zum Teil mit ihrem Leben spielen.“ Dabei griffen Behörden nur dann zu solchen Maßnahmen, wenn Gefahr in Verzug sei. „Das macht schon Sinn.“ Wenn Autofahrer - wie ebenfalls in diesen Tagen passiert - mit ihrem Wagen auf abgesperrter Strecke im Wasser stranden, riskieren sie neben nassen Füßen Schäden am Auto. „Aufgrund der Fahrlässigkeit kann nicht nur die Bergung des Autos sondern auch die Reparatur auf Kosten des Fahrers gehen“, warnt Grieving.

Leichtsinn gibt es vielerorts. In der Oberpfalz etwa fehlt weiterhin jede Spur von einem Mann, der seinem Hund in einen Hochwasser führenden Fluss hinterhersprang. In Unterfranken kenterten Anfang der Woche zehn Kanuten in der angeschwollenen Saale. „Den Leuten ist die Gefahr gar nicht so bewusst“, meint der Vizepräsident des niedersächsischen Feuerwehrverbandes, Hans-Peter Grote. Abseits hochwassererprobter Regionen an Rhein und Mosel etwa unterschätzten die Menschen die Gefahren des Wassers. „Man vertut sich da sehr.“ Der Rat an alle Betroffenen sei daher: „Absolute Aufmerksamkeit, und bitte auf Anweisungen und Absperrungen achten.“ (lni)

Rubriklistenbild: © dpa

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