Kampfmittelbeseitungsdienst hat auf Jahre zu tun – Kommunen müssen mehr zahlen

Gefahr lauert im Boden

Auf Jahrzehnte zu tun: Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes müssen noch lange mit den Folgen des Krieges kämpfen. Im Boden liegen noch massenhaft Bomben und Munitionsteile. Es kommt immer wieder zu Sprengungen. Foto: dpa

Hannover. Die Gefahr lauert im Boden: Auch 65 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kämpft Niedersachsen noch gegen dessen tödliche Hinterlassenschaften. Die Beseitigung von Blindgängern und Rüstungsaltlasten wird noch Jahrzehnte dauern. Jetzt organisiert das Land seinen Kampfmittelbeseitigungsdienst neu; für Kommunen und Grundstückseigentümer dürfte es teurer werden.

Granatenfund in Delmenhorst, eine losgerissene Ankertaumine vor Norddeich, Bombensprengungen im Schimmerwald bei Bad Harzburg, Evakuierungen in Braunschweig, Hannover oder Göttingen, Sperrung des Schiffsverkehrs auf der Weser bei Achim: Die staatlichen Entschärfer haben reichlich zu tun: In diesem Jahr erreichen die explosiven Funde neue Höchstwerte. „Das werden mindestens 300 Tonnen“, prognostiziert Joachim Noparlik vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD). Schon jetzt habe man 200 Bomben-Blindgänger von mehr als 50 Kilogramm unschädlich gemacht. Dazu kommen etliche Kleinfunde, wie Patronen im Wald. „Wir haben drei bis vier Einsätze pro Tag.“

Seine Kollegen dürften allein mit der Sanierung der 180 Rüstungsaltlasten im Land – alte Militärflugplätze, Munitionsdepots, Pulverfabriken und Tanklager – noch über Jahrzehnte beschäftigt sein, sagt der Experte voraus. „Das ist ein unendliches Feld.“

2010 waren es 93 Tonnen und 58 Blindgänger – gegenüber den Vorjahren auch schon ein Anstieg. „Das hängt mit der Intensität der Suche zusammen“, erklärt Noparlik mit Blick auf die systematische Auswertung von Weltkriegs-Luftbildern der Alliierten und Deutschen. Und es sei Folge der angezogenen Baukonjunktur. Bei Bauvorhaben in den vom Bombardement der Briten und Amerikaner betroffenen Großstädten werde man immer wieder fündig.

Die Umstrukturierung begründet der Minister damit, dass die Gemeinden für die Gefahrenabwehr zuständig seien. Der KBD werde künftig „im Rahmen der Amtshilfe“ für die Kommunen tätig. Die neue Sichtweise hat Folgen: Zwar bezahlt das Land weiter die systematische Luftbildauswertung sowie Maßnahmen zur „Abwehr einer unmittelbaren Gefahr“, also das Entschärfen einer Bombe. Aber für die Auswertung einzelner Grundstücke und für „Gefahrenerforschungsmaßnahmen“, also das Aufspüren von Blindgängern, müssen Gemeinden und private Grundeigentümer künftig kräftig zahlen, bisher war das für Kommunen kostenlos; bei Privatleuten fiel eine geringe Gebühr an.

Von Peter Mlodoch

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