Bomben, Munition und Minen im Meer müssen rasch unschädlich gemacht werden

Die Gefahr steigt jeden Tag

Gefährliche Altlast: Sprengkörper unter Wasser müssen so bald wie möglich unschädlich gemacht werden. Auf dem Foto ein Taucher über einer Mine im Bodensee. Archivfoto: dpa

Hannover / Kiel. Bomben, Munition oder Minen aus dem Zweiten Weltkrieg in Nord- und Ostsee sollten nach Expertenansicht rasch unschädlich gemacht werden. „Man muss sehen, dass man diese Sprengkörper möglichst schnell aus dem Wasser kriegt“, sagte der Leiter des Kampfmittelräumdienstes Schleswig-Holstein, Oliver Kinast, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Denn mit jedem Tag steige die Gefahr beim Umgang mit diesen Sprengkörpern.

Für die Experten macht es zunächst keinen Unterschied, ob eine Fliegerbombe im Wasser liegt oder an Land: „Feuchtigkeit kommt immer rein“, erklärt Kinast. Dadurch würden lösliche Anteile des Sprengstoffs ausgewaschen – unter Wasser mehr als an Land.

Gewaltige Mengen

Mehr als 65 Jahre nach Kriegsende lagern noch immer gewaltige Mengen Bomben und Munition in Nord- und Ostsee. Allein in den deutschen Hoheitsgewässern werden mindestens 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und weitere 5000 Tonnen chemische Kampfmittel vermutet. Das ergab die Bestandsaufnahme einer Arbeitsgruppe von Behörden aus Bund und Ländern.

Metallpulver

Munition ist jedoch nicht gleich Munition. „Das liegt an der beabsichtigten Wirkung“, sagt Kinast. So seien für Marinekampfmittel andere Sprengstoffe verwendet worden als für Landminen. Unter anderem enthielten sie einen hohen Anteil Metallpulver. „Damit wurde eine hohe Gas-Schlagwirkung erreicht, mit der ein Schiffskörper zerstört werden konnte“, erklärt Kinast. „Das brauchte man an Land nicht.“

„Wenn jedoch speziell die fürs Wasser konzipierte Munition lange im Wasser liegt, wird es dramatisch“, sagt Kinast: „Durch die chemischen Veränderungen erhöht sich bei ihnen signifikant die Schlagempfindlichkeit.“ So konnten früher Ankertau- oder andere Minen problemlos an Land gelagert werden. „Werden sie jedoch nach langem Aufenthalt im Wasser an Land gebracht und trocknen, kann es zur Selbstentzündung kommen.“ Besonders in den Versenkungsgebieten nahe Irland seien solche Selbstdetonationen öfter beobachtet worden.

Schlechte Sicht

Zu diesen Problemen kommen noch die Besonderheiten bei der Bergung oder der Entschärfung unter Wasser. Während die Experten des Kampfmittelräumdienstes an Land problemlos schweres Gerät einsetzen können, müssen sie auf dem Wasser für Bagger oder Flaschenzüge zunächst eine Plattform haben. Dazu kommt die Wassertiefe: „Man muss sich an Tauchzeiten halten, und meist sind die Sichtbedingungen schlecht.“ Außerdem müssen die Munitionskörper unter Wasser zunächst frei gespült werden und mit einem Hebesack an die Wasseroberfläche gehoben werden. „Das alles ist wesentlich aufwendiger als an Land.“ (lni)

Von Wolfgang Runge

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