Gefahrenatlas soll Niedersachsens Raser bremsen

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Hannover. Mit einem nach Ministeriumsangaben bundesweit ersten Gefahrenatlas soll die Zahl der Verkehrsunfälle in Niedersachsen künftig reduziert werden.

Die im Internet einsehbaren Karten sollen Autofahrer vor Horrorstrecken mit hoher Unfalldichte warnen und Kommunen bei der Auswahl von Stellen zur Geschwindigkeitsüberwachung helfen. Dazu solle später auch die Durchschnittsgeschwindigkeit erfasst werden, teilte Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Montag in Hannover mit. Die Daten blieben anonym, gäben der Polizei aber gezielte Hinweise auf unfallträchtige Strecken. Geprüft werden soll zudem die Einspeisung des Atlasses in Pkw-Navigationsgeräte.

Der Atlas sei Bestandteil der Verkehrssicherheits-Initiative 2020, sagte Schünemann; bis zu diesem Jahr soll die Zahl der Unfalltoten im Straßenverkehr um 30 Prozent reduziert werden. Entwickelt wurde der Gefahrenatlas vom Ministerium, der Technischen Universität (TU) Braunschweig, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie der Landesverkehrswacht, die den Gefahrenatlas auch betreiben wird. Die Angaben zu den Verkehrsunfällen stammen von der Polizei.

Schünemann, der den nächsten landesweiten Verkehrssicherheitstag für den 15. Juni in Oldenburg ankündigte, sieht den Atlas auch als nützliches Instrument für Fahrschulen. Sie könnten Risikogruppen wie Fahranfänger gezielt ansprechen. Bis Ende März sollen auch die Standorte mobiler Radarüberwachungsanlagen aufgeführt sein. Der Minister geht davon aus, dass diese Hinweise die Raserei auf den Straßen deutlich reduziert. Er stützt sich dabei auf einen Aktionstag mit landesweiten Radarkontrollen aus dem Vorjahr. An dem Tag habe es keinen einzigen Unfalltoten im Verkehr gegeben.

Die TU Braunschweig hatte im vergangenen Sommer auf der B4 nach Gifhorn einen vierwöchigen Test für die Ermittlung der Durchschnittsgeschwindigkeit betreut. Nach wie vor ereigneten sich rund 70 Prozent der schweren Unfällen auf Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften, sagte der zuständige Professor Bernhard Friedrich. Oft sei dabei zu hohe Geschwindigkeit ein wesentlicher Faktor für den Unfall.

Im Vorjahr sind nach noch vorläufigen Zahlen des Innenministeriums bei Verkehrsunfällen auf Niedersachsens Straßen weniger Menschen getötet und schwer verletzt worden als im Jahr zuvor. "Das ist die richtige Richtung, der Anstieg von 2011 ist durchbrochen", sagte Schünemann bei der Bekanntgabe der Daten. 2011 hatte es nach jahrelangem Rückgang bei der Zahl der Verunglückten einen spürbaren Anstieg der Toten und Verletzten bei Verkehrsunfällen gegeben.

Nach Schünemanns Angaben sank die Zahl der Unfalltoten im vergangenen Jahr demnach um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert (540) auf 485 und damit auf den zweitniedrigsten Wert seit dem Bestehen der Unfallstatistik. Die Zahl der Schwerverletzten ging um ein Prozent auf 6186 (6249) zurück. Die gesamte Zahl der Unfälle lag mit 196 048 knapp unter denen des Vorjahres (201 754). Die offiziellen Zahlen der niedersächsischen Unfallstatistik werden im März präsentiert. (dpa)

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