Gescholtene Geflügelbranche: Wiesenhof setzt auf Wandel

Visbek. Tierschützer kritisieren die Branche der Geflügelzüchter seit Jahren wegen ihrer Arbeitsmethoden. Besonders am Pranger stand dabei schon wegen seiner Größe immer das niedersächsische Unternehmen PHW mit der Marke Wiesenhof.

Doch es gibt Veränderung. Der Rechtsvertreter der Tierrechtsorganisation Peta, Edmund Haferbeck, bescheinigt den Managern des Unternehmens ein Umdenken. "Wir stellen fest, dass sich bei Wiesenhof einiges bewegt hat." Mittelfristig wolle das Unternehmen mit Investitionen offenbar von der Turbomast wegkommen, sagt der Agrarexperte.

Peta und Wiesenhof verhandeln gerade über die Bedingungen, unter denen ein Dialog aufgenommen werden kann, den Wiesenhof-Chef Peter Wesjohann angeboten hatte. Ein Treffen könne bald zustande kommen, sagt Haferbeck. "Wir sind gesprächsbereit, haben aber feste Vorstellungen." Tierschützer hatten mit versteckter Kamera Misshandlungen von Geflügel beim Verladen dokumentiert. Gegen eine Veröffentlichung hatte sich Wiesenhof vergeblich gewehrt.

Wesjohann wünscht sich einen offenen und sachlichen Dialog. "Denn nur der kann dazu beitragen, die hohen Tierschutzstandards in Deutschland weiter zu verstärken", sagt der Unternehmenschef. Wesjohann sieht Wiesenhof zu Unrecht an den Pranger gestellt: "Wir wissen, dass wir als einziger Markenartikler in der Fleischbranche aufgrund unserer Markenbekanntheit von 86 Prozent eine optimale Zielscheibe für Gegner der intensiven Tierhaltung darstellen." So werde allgemeine Kritik häufig stellvertretend an Wiesenhof festgemacht. "Das ist sicher nicht konstruktiv."

Haferbeck, dessen Organisation sich gegen die Ausbeutung von Tieren und für vegetarische Ernährung einsetzt, äußert ein gewisses Verständnis für Wesjohann. Wiesenhof bekomme schon wegen seiner Größe die meiste Aufmerksamkeit. Die Aufzucht- und Schlachtbedingungen bei anderen Produzenten seien zum Teil deutlich schlechter. So sei nichts gewonnen, wenn zum Beispiel Schweizer Einzelhandelsunternehmen Wiesenhof-Produkte aus den Regalen nehmen und dafür anderswo in Europa einkaufen. "Wiesenhof ist der Einäugige unter den Blinden", sagt der Peta-Rechtsvertreter.

Es gibt Alternativen zur Massentierhaltung auch bei Geflügel - allerdings zu höheren Preisen. Die Nachfrage ist noch gering. "Neben unserem Bio-Geflügelfleisch und unserem Weidehähnchen, bieten wir jetzt auch unser Privathof-Geflügel an, das dem Tierwohl einen besonderen Stellenwert einräumt", erklärt Wesjohann. Diese Tiere erreichen aber nur wenige Prozent Anteil im Unternehmen. "Vielen Menschen fehlt einfach auch das Geld dafür", sagte Wesjohann im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Auch für die konventionelle Haltung habe er das Ziel, das Tierwohl zu verbessern. Aber: "Wenn generelle Veränderungen in der Tierhaltung diskutiert werden, kann dies nur einheitlich auf EU-Ebene erfolgen und muss alle Produzenten gleichermaßen betreffen, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden."

Wesjohann versichert, dass sein Unternehmen keine Tierschutzvergehen dulde. "Wenn in der Vergangenheit ein Fehlverhalten bei einem unserer Vertragsunternehmen festgestellt wurde, haben wir sofort alle notwendigen Konsequenzen gezogen." Schulungen und Kontrollen der Fremdfirmen seien verstärkt worden. Wiesenhof habe in Europa das intensivste Kontrollsystem und werde selbst stark kontrolliert. "Leider passieren bei fast 1000 selbstständigen Vertragslandwirten, über 5300 Mitarbeitern und 8000 Ausstallungen pro Jahr auch vereinzelt Fehler. Wir bedauern das sehr." (dpa)

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