Frankfurts neuer OB Peter Feldmann (SPD) punktet mit sozialen Themen – ein Finanzkonzept fehlt ihm noch

Gegen Armut, für ein Flugverbot

+
Lange ein unbeschriebenes Blatt: Nach seinem deutlichen Wahlsieg, 57,4 Prozent der Stimmen gingen an ihn, hofft der SPD-Politiker Peter Feldmann (53) auf faire Zusammenarbeit mit dem schwarz-grünen Magistrat.

Frankfurt. Am Morgen danach ist Peter Feldmann heiser. Nicht weil er seinen Wahlsieg so opulent gefeiert hätte – der 53-jährige Sozialdemokrat hatte seine Stimme schon im Endspurt eines nervenaufreibenden Oberbürgermeisterwahlkampfes verloren.

Das schien ein Manko gegenüber dem eloquenten Kontrahenten Boris Rhein (CDU), doch seine Lieblingsthemen brachte Feldmann auch noch krächzend heraus. Der Pädagoge und Sozialbetriebswirt, der sein Berufsleben im sozialen Metier verbracht hat, will die Kinderarmut halbieren, alte Menschen besser integrieren, für erschwinglichen Wohnraum sorgen und für ein verlängertes Nachtflugverbot eintreten.

Gewerbesteuer erhöhen

Wie das alles gehen und vor allem finanziert werden soll, hat der Sozialpolitiker, der im Römer Vize-Chef der SPD-Fraktion und Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses ist, nie erklärt. Außer, dass er die Gewerbesteuer erhöhen will, die Schwarz-Grün gesenkt hatte, um Frankfurt für Betriebe attraktiver zu machen.

Doch derlei Kritik ficht Feldmann nicht an. Er hat sich geschickt die sozialen Themen gesucht, die es im prosperierenden Frankfurt selten in die Schlagzeilen schaffen. Damit war er trotz fehlenden konzeptionellen Unterbaus seiner Ideen für viele Menschen glaubwürdiger als Rhein, dem ein eigenes Thema abging.

Der Versuch mancher Grüner, die Wahl als reine Anti-Rhein-Wahl zu interpretieren, Feldmann also jeden eigenen Beitrag abzusprechen, dürfte deshalb zu kurz greifen: Dem SPD-Mann ist es mit einer ungeheueren Kraftanstrengung und einer selten dagewesenen Unterstützung der SPD auf Stadt-, Landes- und Bundesebene durchaus gelungen, Menschen zur Wahl zu motivieren und zu mobilisieren. Dass er jetzt liefern muss, weiß er selbst, vor einer Blockade der schwarz-grünen Mehrheit im Stadtparlament und Magistrat scheint er sich nicht zu fürchten. Der Magistrat sei laut Gemeindeordnung ein Kollegialorgan, sagt Feldmann. Er werde daher mit allen Dezernenten sprechen und Ziele vereinbaren.

Auch Roth überraschte

Stellt es der Vater einer zweijährigen Tochter – über den wenig Privates bekannt ist und über dessen Kommunikationstalent unterschiedliche Bewertungen im Raum stehen – geschickt an, wird er nicht nur die ein oder andere Forderung durchsetzen können. Er könnte auch von der unbestritten erfolgreichen Arbeit der schwarz-grünen Koalition profitieren.

Dass man über sich selbst hinauswachsen kann, hat Noch-Amtsinhaberin Petra Roth (CDU) bewiesen. Niemand hätte sich nach ihrem ebenfalls überraschenden Wahlsieg vor 17 Jahren vorstellen können, dass sie einmal als Bundespräsidentenkandidatin gehandelt würde, wie es schon mehrfach der Fall war.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.