Umweltschädlich: EU-Kommission will Verbrauch von Plastiktüten drastisch senken

Tüten über Tüten: In vielen Einkaufswagen sieht es so aus. Die Tüten werden einmal gebraucht und landen im Müll. Das will die EU eindämmen. Foto: dpa

Brüssel. Sie sind umweltschädlich und sollen weg: Plastiktüten. EU-Umweltkommissar Janesz Potocnik will den Verbrauch zumindest massiv senken. Bis 2020 soll jeder Bürger noch höchstens 39 Tüten pro Jahr nutzen – das wären 80 Prozent weniger als heute.

Sie ist erst 51 Jahre alt. Aber die EU-Kommission würde ihr am liebsten möglichst schnell ein Ende bereiten: die Plastiktüte. Knapp vier Milliarden dieser Taschen werden pro Jahr in der Gemeinschaft produziert, obwohl sie durchschnittlich nur 25 Minuten im Gebrauch sind. Danach landen sie im Müll und vor allem in Küstenländern vielfach im Meer, weil die Tüten in vielen EU-Mitgliedsländern nicht ordnungsgemäß recycelt werden. EU-Experten fanden 2011 heraus: Etwa 250 Milliarden Kunststoffteilchen dieser Plastiktüten mit einem Gesamtgewicht von 500 Tonnen treiben zwischen Adria und türkischer Riviera in der See.

Das soll nun anders werden. EU-Umweltkommissar Janesz Potocnik will den Verbrauch massiv senken. Bis 2020 soll jeder Bürger noch höchstens 39 Tüten pro Jahr nutzen – das wären 80 Prozent weniger als heute. Eigentlich wollte man in Brüssel die Nutzung vollständig verbieten. Doch in einer internen Studie warnen Rechtsexperten jetzt vor „schwierigen juristischen Fragen“ und vor einem Konflikt mit den Regeln des Binnenmarktes sowie des internationalen Handelsrechts.

Hinzu kämen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Denn die 275 Hersteller der bunt bedruckten Taschen beschäftigen etwa 17 500 Menschen. Nun denkt Potocnik statt an ein Verbot an einen „spürbaren Abgabepreis“ für die Plastiktaschen, der laufend steigen soll, damit die Verbraucher sich nicht daran gewöhnen, sondern auf Alternativen umsteigen.

Während die Tüten in Deutschland, wo sie erstmals 1961 vom Kaufhaus Horten in Neuss ausgegeben wurden, ohnehin längst nur noch gegen einen geringen Aufpreis zu haben sind, ist ihre Mitnahme in den meisten EU-Staaten kostenlos. Auch die Zusammensetzung unterscheidet sich. Nur die Bundesrepublik, Frankreich, Italien und Österreich verwenden größtenteils biologisch abbaubaren Kunststoff oder setzen auf verstärkte Papiertüten.

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