Land, Binnenschiffer, Wirtschaft, Politik und Umweltschützer fordern neue Schleuse – Ramsauer lehnt ab

Gegen den Stau auf dem Kanal

Im Schleusenturm: Im Hebewerk Scharnebeck am Elbe-Seiten-Kanal bei Lüneburg überwinden Schiffe einen Höhenunterschied von 38 Metern. Foto: dpa

Hannover. Stau auf dem Kanal: Das kommt auf dem Elbe-Seiten-Kanal – wie in dieser Woche – öfter vor, denn das alte Schiffshebewerk in Scharnebeck bei Lüneburg fällt immer wieder aus. Niedersachsen kämpft deshalb um den Bau einer weiteren Schleuse. Das Wirtschaftsministerium in Hannover hat das Projekt zum Bundesverkehrswegeplan angemeldet. „Wir halten das für dringend erforderlich, deshalb halten wir daran fest“, sagte ein Sprecher von Ressortchef Jörg Bode (FDP) unserer Zeitung.

Er gilt als eine der wichtigsten Wasserstraßen Norddeutschlands: Der 1976 eröffnete Elbe-Seiten-Kanal verbindet die Elbe bei Lauenburg mit dem Mittellandkanal westlich von Wolfsburg. 10,1 Millionen Tonnen Güter transportieren die Binnenschiffe jährlich. Es könnte das Dreifache sein – wenn es nicht das Nadelöhr Scharnebeck gäbe. Das ist in die Jahre gekommen und zu klein für die größeren Schiffe geworden. Lange fordert daher ein Bündnis aus Binnenschiffern, Wirtschaft, Politik und Umweltschützern den Bau einer Zusatz-Schleuse.

Der Elbe-Seiten-Kanal sei als Verbindung des Hamburger Hafens zum Hinterland, aber auch als Transportweg für die niedersächsische Wirtschaft, insbesondere Volkswagen und die Salzgitter AG von immenser Bedeutung, schrieb Ministerpräsident David McAllister (CDU) im Juni an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und mahnte den Schleusenneubau an. Er sei für Niedersachsen und die Wirtschaft enorm wichtig. Der Kanal weise „große Kapazitätsreserven auf, die nur von der Leistungsfähigkeit des Schiffshebewerks und dessen Abmessungen begrenzt werden“.

Der Bittbrief aus Hannover verpuffte: Ramsauer strich die Schleuse von seiner Vorrangliste. „Eine Entscheidung für ein neues Abstiegsbauwerk in Scharnebeck steht derzeit nicht an“, bestätigte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Es fehle schlicht an Geld. Mit dem vorhandenen sollen Ersatz- und Erhaltungsarbeiten bezahlt werden. Die Sanierung der Hebetröge sei für die Hinterlandanbindung des Hamburger Hafens ausreichend.

SPD, Grüne und Linke sowie Umweltgruppen hegen freilich den Verdacht, dass Ramsauer auf Drängen der ostdeutschen Länder lieber das Ausbaggern der ökologisch wertvollen Mittelelbe zwischen Magdeburg und Lauenburg vorantreibe, obwohl dort nur ein Zehntel der Gütermenge des Elbe-Seiten-Kanals transportiert werde. Dem widerspricht das Verkehrsministerium: An der Elbe „würden nur Zuge von Unterhaltungsarbeiten die Bedingungen für wirtschaftliche Schiffsverkehre auf der Elbe stabilisiert und lokal verbessert“, so das Ministerium..

Von Peter Mlodoch

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