Tempolimit gegen Tod am Baum

Gegen den Trend: Schwere Unfälle in Niedersachsen  seit 2010 erhöht

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Drei Kreuze an einer Landstraße - hier in der Nähe von Tangerhütte (Sachsen-Anhalt). Niedersachsen will steigende Zahlen von Baumunfällen mit mehr Leitplanken und einem Tempolimit-Pilotprojekt unter Kontrolle bekommen.

Hannover. 2015 soll es Extrageld für Leitplanken an Niedersachsens Straßen geben. Zusätzlich werden die Landkreise Emsland, Osnabrück, Cuxhaven und Hildesheim testen, ob mit Tempolimits dem Unfalltod am Straßenbaum beizukommen ist.

Diese Kreise plagt besonders, was auch Niedersachsen regelmäßig einen traurigen Spitzenplatz unter den Bundesländern einfährt: Hier sind im Vergleich die meisten Opfer von Baumunfällen zu beklagen. Über 1000 Tote und schwer Verletzte führt die Niedersachsen-Statistik allein für 2012. Die Zahl der tödlich Verunglückten, deren Auto an einem Straßenbaum zerschellte, hat seit 2010 gegen den langjährigen Bundestrend sogar zugenommen. Verkehrsstaatssekretärin Daniela Behrens sieht „dringenden Handlungsbedarf. Wir müssen diese Entwicklung stoppen.“

Daniela Behrens

Neu ist diese Erkenntnis nicht. Schon in früheren Jahren zogen Kamapgnen gegen den Baumunfall zu Felde. „Deine letzte Sekunde“ oder „Deine Knochen brechen“ - solche Plakaten pflasterten etwa 2008 die B 444 zwischen Peine und Edemissen. Jetzt schlägt Hannover den Testlauf-Landkreisen maximal Tempo 80 für baumbestandene Straßen vor, die schmaler als 6,50 Meter sind. Unter sechs Metern Straßenbreite wird Höchstgeschwindigkeit 70 empfohlen.

Die Zahl der Menschen, die bundesweit auf Landstraßen an einem Baum ihr Leben ließen, ist seit dem Jahr 2000 mit damals 1437 bis 2010 mit nun 595 zwar deutlich gesunken. Das ist immer noch mehr als ein Viertel aller Verkehrstoten auf Landstraßen, in Brandenburg, dem Land der Alleen beträgt ihr Anteil sogar knapp 60 Prozent, in Niedersachsen gut ein Drittel.

Gegen Gedankenspiele einzelner Verkehrsplaner, Alleen zu roden, zurückzuversetzen oder durch Nicht-Nachpflanzen allmählich verschwinden zu lassen, machten Naturschützer schon in den 1990er-Jahren mobil. Das Thema ist durch - trotz sicherheitstechnischer Aufrüstung moderner Autos markieren aber immer weiter neue Holzkreuze das Sterben an Straßenbäumen.

Brandenburg hat seine Landkreise schon 2011 per Runderlass aufgefordert, an besonders unfallträchtigen Alleen ohne Planken Tempo 70 anzuordnen. Das Projekt laufe noch, so die Potsdamer Landesregierung auf HNA-Anfrage. Weniger seien die Unfälle leider noch nicht geworden, aber weniger schwer.

Weitere Landkreise könnten sich dem Pilotprojekt anschließen, hieß es gestern im Verkehrsministerium. Wie viel Geld das Land 2015 zum Einbau von Schutzplanken an baumbestandenen Straßen zur Verfügung stellt, ist derzeit allerdings in Hannover nicht zu erfahren.

Hintergrund

Versicherer: Ab Tempo 55 wird es lebensgefährlich

• Niedersachsen-Statistik zu Baumunfällen (Tote und schwer Verletzte, außerorts, ausgenommen Autobahnen):

Jahr 2000 1706

Jahr 2005 1295

Jahr 2010 933

Jahr 2012 998

• Neun von zehn Baumunfällen geschehen ohne Fremdbeteiligung. Sprich: Fahrer verlieren die Kontrolle über ihr Auto und landen am Baum.

• Je höher das Anpralltempo, desto schlimmer die Folgen: Trifft ein Auto seitlich gegen einen Baum, reicht nach Tests der Kfz-Versicherer Tempo 55 für schwerste und tödliche Verletzungen. Bei Tempo 90 zerfetzt der Baum das Auto regelrecht - keine Chance für die Insassen. Versicherer raten in Alleen zu max. Tempo 80 (mit Blitzer-Überwachung), Schutzplanken und Überholverbot. (wrk)

Von Wolfgang Riek

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