Polizei atmet nach längstem Castor-Transport auf – Gorleben-Erkundung geht weiter

Die Gegner sind zufrieden

Das Finale: Die Castor-Behälter mit Atommüll auf Lastwagen kurz vor dem Eintreffen im Zwischenlager Gorleben. Foto: dpa

Lüchow. Ungeachtet der massiven Proteste gegen den Castor-Transport soll die Erkundung von Gorleben als mögliches Atommüll-Endlager fortgesetzt werden. Bei der bundesweiten Endlagersuche bleibe der Salzstock im Wendland im Spiel, teilte das Bundesumweltministerium am Dienstag in Berlin mit. Der Atommülltransport war am späten Montag nach heftigem Widerstand von Atomkraftgegnern angekommen – mehr als 126 Stunden, also gut fünf Tage, nach dem Start im französischen La Hague.

Auch die letzten 20 Straßenkilometer vom Umladebahnhof Dannenberg ins Zwischenlager liefen am Montagabend nicht reibungslos. Zwei Atomkraftgegnern gelang es, auf einen der Tieflader zu klettern und den Tross noch einmal eine Stunde aufzuhalten. In Dannenberg waren die elf Castoren vom Zug auf Speziallastwagen umgeladen worden.

Der 1200 Kilometer lange Transport verlangte der Polizei nach Einschätzung von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann mehr ab als alle anderen Gorleben-Einsätze zuvor. „Es war nicht nur ein fordernder Einsatz, er war auch härter als 2010“, sagte der CDU-Innenminister am Dienstag in Lüchow. Er kritisierte die Gewaltbereitschaft einzelner Demonstranten, die Entwicklung sei besorgniserregend. 450 Linksautonome aus dem

Bundesgebiet seien angereist. Der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster beklagte, dass einige Gewalttäter versucht hätten, die friedlichen Demonstranten für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Nach Angaben beider Seiten wurden 133 Polizisten und 355 Demonstranten verletzt. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, beklagte den Hass und Gewalt einzelner autonomer Gewalttäter.

Die Atomkraftgegner im Wendland werteten die massiven Proteste als Erfolg und beklagten wiederum, dass die Polizei härter vorgegangen sei als bei früheren Transporten. „Die Nervosität und Aggressivität bei den Polizeikräften ist größer geworden“, hieß es auf Seiten der Bäuerlichen Notgemeinschaft, in der sich Landwirte aus der Region zusammengeschlossen haben. Einmütig gefordert wurde, dass die Politik den Bürgerprotest ernst nehmen müsse und die Planung für ein mögliches Endlager stoppen solle.

Die GdP forderte, den eingesetzten Polizisten sämtliche Einsatz- und Bereitschaftszeiten zu bezahlen. „Sie haben überlange Arbeitszeiten, ungeklärte Strahlenbelastungen und teilweise brutale Angriffe durch gewalttätige Autonome hinter sich und warten jetzt auf ein Zeichen der Wertschätzung von staatlicher Seite“, erklärte der GdP-Landeschef Dietmar Schilff.

Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht hatte entschieden, dass ein Polizist seine Bereitschaftszeiten beim Castor-Transport voll ausgeglichen bekommen muss. Das Land war in Revision gegangen. (lni)

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