Bis zu 300 000 Euro pro Jahr und viele Privilegien

Das süße Leben der Kassen-Chefs

Hamburg - Krankenkassen sind notorisch klamm: Bei vielen Versicherungen müssen die Patienten jetzt Zusatzbeiträge zahlen. Dafür genießen die Kassen-Chefs immer noch großzügige Privilegien.

Millionen Kassenpatienten müssen in Zukunft tiefer in die Taschen greifen. Während ihre Kunden Zusatzbeiträge berappen müssen, gönnen sich viele Kassen-Chefs aber ein Leben in Saus in Braus. Der Bundesrechnungshof rügte die Gehälter der Kassen-Chefs von bis zu 300 000 Euro pro Jahr. Dabei hatten DGB und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände einen Höchstbetrag von 130 000 Euro empfohlen. Auch davon ließe sich ein angenehmes Leben führen, doch 90 Prozent der Kassen-Chefs verdienen mehr. Die Einsicht bei den Vorständen ist gering – sie wurden nicht zum ersten Mal vom Rechnungshof gerügt.

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In der Vergangenheit waren den Prüfern schon skurrile Privilegien der Bosse aufgestoßen: Übernahme der Prämien für Haftpflicht- und Unfallversicherung, Essenszuschuss, private Handy- und Autonutzung, Mietkosten, Getränke aus der Hotel-Minibar, Heimflug – all das müssen oft die Kassenpatienten übernehmen. Ein besonders hohes Gehalt bekam 2008 ausgerechnet der Chef der Deutschen BKK. Stolze 295 885 Euro kassierte der Boss, dessen Kasse jetzt Zusatzbeiträge von acht Euro pro Monat von ihren Mitgliedern verlangt. Der Chef der Techniker Krankenkasse konnte sich sogar über 298 781 Euro freuen. Auf den Plätzen folgen die BKK Essanelle, die DAK und die BKK Mobil Oil. Bei der AOK Bayern beträgt das Maximalgehalt ganze 221 028 Euro. Der Bundesrechnungshof fordert, dass die Gehälter gesetzlich begrenzt werden müssten. Die Bundesregierung wies die Forderung zurück. Gesundheits-Staatssekretär Daniel Bahr (FDP) sagte: „Die Höhe der Vorstandsvergütungen bei Krankenkassen wird mit dem Verwaltungsrat vereinbart und nicht vom Staat festgelegt.“ Auch für die Zeit nach dem Kassen-Job haben die Bosse gut vorgesorgt. Von großzügigen Übergangsgehältern bis zur Zusicherung einer „angemessenen“ Weiterbeschäftigung reicht die Palette.

Die Politik diskutiert derweil weiter über Kostensenkungen im Gesundheitssektor. Denn derzeit werden 4,9 Millionen Kassenmitglieder per Brief über Zusatzbeiträge informiert. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt geht Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) frontal an. „Herr Rösler sollte weniger Tagträumereien über Kopfpauschalen nachhängen, sondern engagiert die heute anstehenden Hausaufgaben machen“, poltert er im Spiegel. Zwar habe die CSU die Zusatzbeiträge in der Großen Koalition ermöglicht, doch: „Die Tatsache , dass Zusatzbeiträge möglich sind, heißt nicht, dass die Kassen sie bei erstbester Gelegenheit einführen müssen.“

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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