Bis zu 300 000 Euro pro Jahr und viele Privilegien

Das süße Leben der Kassen-Chefs

Hamburg - Krankenkassen sind notorisch klamm: Bei vielen Versicherungen müssen die Patienten jetzt Zusatzbeiträge zahlen. Dafür genießen die Kassen-Chefs immer noch großzügige Privilegien.

Millionen Kassenpatienten müssen in Zukunft tiefer in die Taschen greifen. Während ihre Kunden Zusatzbeiträge berappen müssen, gönnen sich viele Kassen-Chefs aber ein Leben in Saus in Braus. Der Bundesrechnungshof rügte die Gehälter der Kassen-Chefs von bis zu 300 000 Euro pro Jahr. Dabei hatten DGB und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände einen Höchstbetrag von 130 000 Euro empfohlen. Auch davon ließe sich ein angenehmes Leben führen, doch 90 Prozent der Kassen-Chefs verdienen mehr. Die Einsicht bei den Vorständen ist gering – sie wurden nicht zum ersten Mal vom Rechnungshof gerügt.

Die höchsten Manager-Abfindungen

Die höchsten Manager-Abfindungen
Andreas Kley. Posten: Finanzchef der Siemens-Kraftwerkssparte. Abgang: 2004. Abfindung: 1,7 Millionen Euro. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Thorsten Grenz. Posten: Chef des Telekommunikations-Unternehmens Mobilcom. Abgang: 2005. Abfindung: 2,45 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Kai-Uwe Ricke. Posten: Chef der Telekom. Abgang: 2006. Abfindung: 2,5 Millionen Euro © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Jürgen Sengera. Posten: West LB -Chef. Abgang: 2003. Abfindung: 3,25 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Ulrich Schumacher. Posten: Chef des Chipherstellers Infineon. Abgang: 2004: Abfindung: 5,25 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Klaus Lederer. Posten: Chef von Babcock-Borsig (Maschinenbau- und Energietechnikkonzern). Abgang: 2002. Abfindung: 6 Millionen Euro. (Zahlte die Babcock-Tochter Howaldtswerke Deutsche Werft) © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Klaus Kleinfeld. Posten: Siemens-Chef. Abgang: 2007. Abfindung: 6,1 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Udo Stark. Posten: Chef des Immobilienkonzerns Agiv. Abgang: 2000. Abfindung: 6,4 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Hubertus Erlen. Posten: Chef des Pharmakonzerns Schering. Abgang: 2006. Abfindung: 6,6 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Thomas Holtrop: Posten: T-Online-Chef. Abgang: 2004. Abfindung: 7 Millionen Euro. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Bernd Pischetsrieder. Posten: BMW -Chef. Abgang: 1999. Abfindung: 7,5 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Utz Claassen. Posten: Chef des Energie-Riesen EnBW. Abgang: 2007. Abfindung: 8 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Werner Seifert. Posten: Vorstandschef der Deutschen Börse. Abgang: 2005. Abfindung: 10 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Wolfgang Urban. Posten: Karstadt-Chef. Abgang: 2004. Abfindung: 10 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Ron Sommer . Posten: Telekom-Chef (brachte die Telekom-Aktie an die Börse). Abgang: 2002. Abfindung: 11,6 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Harry Roels. Posten: Chef des Energiekonzerns RWE. Abgang: 2007. Abfindung: 12 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Holger Härter . Posten: Porsche-Finanzchef. Abgang: 2009. Abfindung: 12,5 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Kajo Neukirchen. Posten: Chef des Anlagenbauers MG Technologies. Abgang: 2003. Abfindung: 13,2 Millionen Euro. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Mark Wössner. Posten: Bertelsmann-Chef. Abgang: 2000. Abfindung: 15 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Dieter Ammer. Posten: Chef bei der Brauerei Beck und Co. Abgang: 2003. Abfindung: 15 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Clemens Börsig. Posten: Finanzchef der Deutschen Bank. Abgang: 2006. Abfindung: 17 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Hans-Joachim Körber. Posten: Chef der Metro AG. Abgang: 2007. Abfindung: 19,3 Millionen Euro. (Körber bekam keine Abfindung im eigentlichen Sinn. Das G eld erhielt er aus der Fortzahlung seiner Vergütung und über Rentenansprüche). © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Klaus Zumwinkel. Posten: Chef der Postbank. Abgang: 2009. Abfindung: 20 Millionen Euro © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Thomas Middelhoff. Posten: Chef bei Bertelsmann. Abgang: 2002. Abfindung: 25 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Klaus Esser. Posten: Chef des Telekommunikations-Unternehmens Mannesmann (wurde von Vodafone übernommen). Abgang: 2000. Abfindung: 30 Millionen Euro. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Wendelin Wiedeking. Posten: Chef von Porsche . Abgang: 2009. Abfindung: 50 Millionen Euro, von der die Hälfte in eine soziale Stiftung geht. © dpa
Die höchsten Manager-Abfindungen
Robert „Bob“ Eaton. Posten: Chef von Chrysler . Abgang: 2000. Abfindung: 60 Millionen Euro. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Frank Newman. Posten: Chef der US-Bank Bankers Trust (wurde von der Deutschen Bank übernommen). Abgang: 1999. Abfindung: 85 Millionen Euro. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Bruce Karatz. Posten: Chef des Baukonzerns KB Home. Abgang: 2006. Abfindung: 175 Millionen Dollar. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Richard Grasso: Posten: Chef der New Yorker Börse „New York Stock Exchange“. Abgang: 2003. Abfindung: 187 Millionen Dollar. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Robert Nardelli. Posten: Chef der US-Baumarktkette Home Depot. Abgang: 2007. Abfindung: 210 Millionen Dollar. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Hank McKinnell. Posten: Chef des US-Pharmariesens Pfizer (stellt Viagra her). Abgang: 2006. Abfindung: 213 Millionen Dollar. © AP
Die höchsten Manager-Abfindungen
Lee Raymond. Posten: Chef des Öl-Multis Exxon Mobil. Abfindung: 351 Millionen Dollar. © AP

In der Vergangenheit waren den Prüfern schon skurrile Privilegien der Bosse aufgestoßen: Übernahme der Prämien für Haftpflicht- und Unfallversicherung, Essenszuschuss, private Handy- und Autonutzung, Mietkosten, Getränke aus der Hotel-Minibar, Heimflug – all das müssen oft die Kassenpatienten übernehmen. Ein besonders hohes Gehalt bekam 2008 ausgerechnet der Chef der Deutschen BKK. Stolze 295 885 Euro kassierte der Boss, dessen Kasse jetzt Zusatzbeiträge von acht Euro pro Monat von ihren Mitgliedern verlangt. Der Chef der Techniker Krankenkasse konnte sich sogar über 298 781 Euro freuen. Auf den Plätzen folgen die BKK Essanelle, die DAK und die BKK Mobil Oil. Bei der AOK Bayern beträgt das Maximalgehalt ganze 221 028 Euro. Der Bundesrechnungshof fordert, dass die Gehälter gesetzlich begrenzt werden müssten. Die Bundesregierung wies die Forderung zurück. Gesundheits-Staatssekretär Daniel Bahr (FDP) sagte: „Die Höhe der Vorstandsvergütungen bei Krankenkassen wird mit dem Verwaltungsrat vereinbart und nicht vom Staat festgelegt.“ Auch für die Zeit nach dem Kassen-Job haben die Bosse gut vorgesorgt. Von großzügigen Übergangsgehältern bis zur Zusicherung einer „angemessenen“ Weiterbeschäftigung reicht die Palette.

Die Politik diskutiert derweil weiter über Kostensenkungen im Gesundheitssektor. Denn derzeit werden 4,9 Millionen Kassenmitglieder per Brief über Zusatzbeiträge informiert. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt geht Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) frontal an. „Herr Rösler sollte weniger Tagträumereien über Kopfpauschalen nachhängen, sondern engagiert die heute anstehenden Hausaufgaben machen“, poltert er im Spiegel. Zwar habe die CSU die Zusatzbeiträge in der Großen Koalition ermöglicht, doch: „Die Tatsache , dass Zusatzbeiträge möglich sind, heißt nicht, dass die Kassen sie bei erstbester Gelegenheit einführen müssen.“

tz

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.