Geiseldrama: Russland muss Opfer entschädigen

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Russische Elitesoldaten tragen nach Beendigung der Geiselnahme durch das Gas betäubte Geiseln aus dem Moskauer Musical-Theater

Moskau - Die Bilder vom Geiseldrama im Moskauer Musical-Theater 2002 schockierten die Welt. Obwohl die Täter tschetschenische Terroristen waren, muss die russische Regierung den Opfern Schadensersatz zahlen.

Der russische Staat muss Opfern des blutigen Geiseldramas vor neun Jahren in einem Moskauer Theater Schadensersatz zahlen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg verurteilte die Regierung in Moskau, 64 Kläger mit insgesamt 1,25 Millionen Euro zu entschädigen. Damals waren insgesamt 167 Menschen ums Leben gekommen - Geiseln und tschetschenische Terroristen. Die Befreiungsaktion der russischen Sicherheitskräfte sei schlecht vorbereitet und durchgeführt worden, hieß es in der Urteilsbegründung. Geklagt hatten Opfer des Dramas und Angehörige von Toten.

Die tschetschenischen Terroristen hatten das „Nordost“-Musical während einer Abendaufführung überfallen und hunderte Menschen über Tage als Geiseln festgehalten. Das Urteil aus Straßburg ist nicht endgültig. Dagegen kann Berufung beantragt werden.

Narkosegas forderte zahlreiche Opfer

Bei der Erstürmung des Theaters wurden die etwa 50 tschetschenischen Geiselnehmer getötet. Durch das eingesetzte Narkosegas kamen jedoch auch zahlreiche Geiseln ums Leben. Die alles andere als reibungslos verlaufene Befreiungsaktion bewerteten die Straßburger Richter als Verstoß gegen das Recht auf Leben der Europäischen Menschenrechtskonvention. Dieser Artikel verpflichtet jeden Staat, das Leben seiner Bürger zu schützen. Besonders rügte der EGMR „mangelnden Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Diensten und einen verzögerten Beginn der Evakuierung des Gebäudes“.

Keine Verhandlungen

Das Gericht wies jedoch einen Großteil der Forderungen der Kläger zurück. Sie hatten über eine unverhältnismäßige Brutalität der Sicherheitskräfte und eine unzureichende medizinische Versorgung der Opfer geklagt. Der EGMR kam zu dem Schluss, dass die Erstürmung angesichts der besonderen Umstände das „geringere Übel“ gewesen sei.

Auch die Entscheidung der russischen Behörden, Narkosegas einzusetzen, hat der Gerichtshof akzeptiert. „Angesichts der Umstände war der Einsatz von Gas bei der Stürmung nicht unverhältnismäßig“, hieß es. Die Kläger hatten besonders kritisiert, dass keine hochrangigen Personen mit den Geiselnehmern verhandelt hatten. Ihrer Meinung nach hätte man durchaus mit den Tschetschenen reden können. Doch die Behörden hätten sich hauptsächlich um einen Prestigeverlust Russlands international gesorgt, führten sie an.

dpa

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