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Geiselnahme in Texas: Biden nennt Grund für „Terrorakt“ in Synagoge - und kündigt Konsequenzen an

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Von: Jonas Raab

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Bei einem jüdischen Gottesdienst in Texas nahm ein Brite vier Geiseln. Das FBI konnte sie nach zehn Stunden befreien. Laut US-Präsident Biden hatte die Tat ein Vorspiel in Afghanistan.

Colleyville/Washington - Am Tag nach der Geiselnahme in Texas sitzt der Schock in Amerika* noch tief. Während eines jüdischen Gottesdienstes in der Kleinstadt Colleyville nahe Dallas stürmte ein bewaffneter Mann die örtliche Synagoge und brachte den Rabbiner und mindestens drei weitere Menschen in seine Gewalt. Erst nach zehn Stunden gab der texanische Gouverneur Greg Abbott via Twitter Entwarnung: Alle Geiseln seien „am Leben und in Sicherheit“, schrieb er.

Nach stundenlangen Verhandlungen mit dem Geiselnehmer drangen Spezialkräfte am Samstagabend (15. Januar; Ortszeit) in die Synagoge ein und befreiten die Geiseln, wie die Polizei in der Stadt Colleyville nahe Dallas mitteilte. Der Geiselnehmer sei ums Leben gekommen. Wie genau, ließ die Polizei offen.

Geiselnahme in Synagoge Texas: Der Gottesdienst wurde bei Facebook live übertragen

Der Gottesdienst wurde zunächst auf der Facebook*-Seite der Gemeinde live übertragen. Die lokale Zeitung Fort Worth Star Telegram berichtete, in dem Livestream sei die Stimme eines wütenden Mannes zu hören gewesen, der geschimpft und geflucht und unter anderem über Religion gesprochen habe. Er habe mehrmals gesagt, er wolle niemandem weh tun, und er glaube, dass er sterben werde. Irgendwann brach die Übertragung ab.

Polizeifahrzeuge stehen auf der Zufahrt der Synagoge „Congregation Beth Israel“.
Polizeifahrzeuge stehen auf der Zufahrt der Synagoge „Congregation Beth Israel“. Nach mehr als zehn Stunden konnten sie die Geiselnahme beenden. © picture alliance/dpa/AP | Brandon Wade

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot von etwa 200 Beamten an. Experten der Bundespolizei FBI hielten den Tag über mit dem Geiselnehmer Kontakt und verhandelten mit ihm. Die Lage war lange unübersichtlich. Am frühen Abend kam die erste Entwarnung: Eine männliche Geisel wurde unversehrt freigelassen. Ein paar Stunden später stürmten die Beamten die Synagoge und befreiten die restlichen Geiseln. Offen blieb zunächst, wie sich die Befreiung abspielte.

Texas: Britischer Geiselnehmer kommt ums Leben - jede Menge Unklarheiten

Die US-Bundespolizei identifizierte den Geiselnehmer als einen 44-jährigen britischen Staatsbürger* namens Malik Faisal Akram. Es gebe derzeit keine Hinweise auf weitere Tatbeteiligte, erklärte das FBI in Dallas. Der Polizeichef von Colleyville, Michael Miller, sagte, es sei bislang unklar, warum der Mann die örtliche Synagoge als Ziel ausgewählt habe.

US-Präsident Joe Biden* erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme: „In den kommenden Tagen werden wir mehr über die Beweggründe des Geiselnehmers erfahren.“ Er betonte, jeder, der Hass verbreiten wolle, müsse aber wissen: „Wir werden uns gegen Antisemitismus und gegen die Zunahme des Extremismus in diesem Land stellen.“

US-Präsident Biden nennt Hintergrund der Geiselnahme in Texas: „Lady Kaida“

Am Sonntag (16. Januar) bezeichnete Biden die Geiselnahme dann als „Terrorakt“. Bei einem Besuch in Philadelphia deutete der US-Präsident an, dass der Täter die Freilassung der Pakistanerin Aafia Siddiqui verlangt hatte, die in den USA wegen Terrorvorwürfen inhaftiert ist. Die Tat stehe im Zusammenhang „mit jemandem, der vor 15 Jahren verhaftet und seit zehn Jahren im Gefängnis sitzt“, sagte Biden und bestätigte damit entsprechende Medienmeldungen des Vortages.

Siddiqui war in einer der Top-Universitäten der USA, dem MIT in Cambridge, ausgebildet worden. Später wurde ihr Name von US-Behörden auf eine Liste von Verdächtigen gesetzt, die mit Al-Kaida-Terroristen in Verbindung stehen könnten. Im Juli 2008 wurde Siddiqui im afghanischen Ghasni festgenommen und 2010 wegen eines Angriffs auf US-Soldaten in Afghanistan* von einem US-Bundesrichter zu 86 Jahren Haft verurteilt. Beim Verhör auf einer Polizeiwache hatte sie eine am Boden liegende Waffe an sich genommen und auf einen US-Soldaten und einen Übersetzer gezielt, ohne diese zu treffen.

US-Boulevardmedien gaben ihr in Anspielung auf das Extremistennetzwerk Al-Kaida den Beinamen „Lady Kaida“. Der Fall hatte in Pakistan für große Empörung gesorgt. Siddiqui ist in Texas inhaftiert. Ihre Anwältin sagte dem Sender CNN, sie habe „absolut nichts“ mit der Geiselnahme zu tun. (dpa/AFP/jo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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