Analyse: Wie Volkswagen im zweiten Quartal die Kurve gekriegt hat und zu seinen Zielen zurückkehrt

Mit Gelassenheit an die Spitze

Wolfsburg/Kassel. Wenn das Ergebnis nach Steuern von 8,8 auf 4,8 Milliarden Euro einbricht, obwohl der Umsatz von 95,38 auf 98,69 Milliarden steigt, kommt normalerweise in Vorstandsetagen Unruhe auf. Nicht so bei Volkswagen.

Selbst an der Börse legte die Aktie des Autokonzerns – trotz der beinah-Halbierung des Halbjahresergebnisse – gestern um 1,42 Prozent auf 178 Euro zu. „Der Volkswagen-Konzern spielt nach wie vor in seiner eigenen Liga“, kommentierte NordLB-Analyst Frank Schwope knapp.

Es liegt an der Begründung, die der Konzern gestern verbreitete: Zum einen habe die Integration von Porsche im vergangenen Jahr ein heftiges Plus beschert, zum anderen investieren die Wolfsburger in neue Werke, neue Antriebe und Modelle.

Daher verschreckte selbst der Rückgang des operativen Ergebnisses im ersten Halbjahr von 6,5 auf 5,8 Milliarden die Anleger nicht. Denn allein im ersten Halbjahr legten die Investitionen in die Modellentwicklung um 55 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Investitionen, die den Konzern in die Lage versetzen sollen, „sich noch robuster und flexibler aufzustellen“, erläuterte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch die Zahlen.

Der Plan steht: Bis 2018 an Toyota und General Motors vorbei zur Weltspitze der Autokonzerne aufzurücken. Um dem Ziel ein Stück näher zu kommen, setzen die Wolfsburger auch auf spritsparende Antriebe – eine Spezialität von Toyota. Bis 2015 will der Konzern 22 Milliarden Euro in neue Technologien und Antriebe investieren.

Ein wesentliche Rolle spielen dabei die Plug-In-Hybride – Fahrzeuge, die sowohl elektrisch als auch mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Helfen soll zusätzlich der modulare Baukasten, dabei gleicht Volkswagen die Bauteile seiner Fahrzeuge weiter an. Langfristig sollen damit Produktions- und Entwicklungskosten gespart werden.

Schwachstelle China

„Wir haben nach einem verhaltenen Jahresstart deutlich an Boden gutgemacht und in einem schwierigen Marktumfeld ein solides Ergebnis erzielt“, sagte Konzernchef Martin Winterkorn – gewohnt zurückhaltend. Seine Strategie der Internationalisierung zahlt sich bereits aus. Allein im schwierigen Markt USA stieg der Absatz um 10,4 Prozent.

Dennoch die Halbjahresbilanz des Wolfsburger Autokonzerns birgt eine große Unbekannte. China ist der mit Abstand größte Einzelmarkt von Volkswagen. In den vergangenen sechs Monaten stieg der Absatz um 18,7 Prozent auf 1,54 Millionen Fahrzeuge. Tendenz: steigend. Falls nun das Wirtschaftswachstum in China – wie unlängst prognostiziert – deutlich zurückgehen sollte, würde die Gelassenheit im Wolfsburger Management wohl schnell in Unruhe umschlagen.

Von Martina Wewetzer

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