Geld fließt nur für wenige

Erdbeben im Erdgasfeld Völkersen: 19 von 108 Hauseigentümern entschädigt

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Die Bohranlage T-160 in Völkersen (Kreis Verden): RWE-Dea betreibt die Anlage.

Langwedel. Nur 19 der ursprünglich 108 Hauseigentümer in Langwedel (Kreis Verden) und Umgebung , die nach dem Erbeben im November 2012 Schäden gemeldet hatten, können mit Entschädigung rechnen. Das teilte das Erdgasförderunternehmen RWEDea am Montag auf Anfrage unserer Zeitung mit.

In allen anderen Fällen habe ein Team aus Baugutachter, Physiker und Schwingungtechniker keine Zusammenhänge zwischen den Erschütterungen und ramponierten Häusern gesehen. Schäden könnten auch älter sein, und völlig andere Ursachen haben, etwa moorigen Untergrund.

Insgesamt fließen 33.000 Euro aus Kassen der Gasfirma - die Summen, mit denen größtenteils Mauerrisse abgegolten werden, reichen von 150 bis 10.000 Euro. Schäden, die die Statik von Häusern bedrohen würden, habe der Baugutachter in keinem Fall gefunden, sagte Heinz Oberlach, RWEDea-Sprecher für den Förderbetrieb Niedersachsen.

Das Erdbeben, das am 22. November 2012 abends kurz vor zehn den niedersächsischen Flecken Langwedel durchschüttelte, ging nach Angaben des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) „sehr wahrscheinlich“ auf die Erdgasförderung zurück.

41 leichte Beben notierte Hannover seit Ende der 1970er-Jahren bis Mitte vergangenen Jahres landesweit. 33 davon im Umfeld der Gasfelder - fünf im Feld Völkersen in nächster Umgebung Langwedels. Dem Beben vom November 2012 folgte dort ein etwas leichteres Ende 2013, und ein weiteres vor wenigen Wochen nur 20 Kilometer östlich.

Die umstrittene Fördertechnik des Fracking, bei dem Erdgas in der Tiefe durch Hochdruckinjektionen von Wasser und Chemikalien gelöst wird, taugt als direkter Auslöser der jüngsten Erschütterungen offenbar nicht. Das letzte genehmigte Fracking registriertenLandesbehörden 2011.

Warum dauert es anderthalb Jahre, 19 Hauseigentümern Entschädigung zuzusprechen? „Gründlichkeit und Rechtssicherheit ging uns vor Schnelligkeit“ sagte Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt am Montag. Klar sei, dass die jetzt vorgelegte Bilanz jede Menge Kritiker auf den Plan rufen werde. „Jeder der nach dem Beben Schäden im Haus gefunden hat, ging natürlich von Entschädigung aus.“ Das sei eine verständliche Hoffnung, aber eben noch kein Ursachenbeweis, so der Bürgermeister.

Von Wolfgang Riek

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