Gericht erklärt NS-Verbrecher Heim für tot

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Aribert Heim wurde vom Landgericht Baden-Baden für tot erklärt.

Baden-Baden - Das Schicksal eines der meistgesuchten NS-Verbrecher ist aufgeklärt. Das Landgericht Baden-Baden erklärte am Freitag, dass der ehemalige KZ-Arzt Aribert Heim 1992 in Ägypten starb.

Im Konzentrationslager Mauthausen soll Heim 1941 mehr als 300 Menschen auf bestialische Weise umgebracht haben. Er galt lange Jahre als die Nummer Eins der noch am Leben vermuteten Nazi-Verbrecher. Mit der Erklärung des Todes Heims stellte das Landgericht das Strafverfahren gegen ihn ein.

Nach dem NS-Mediziner wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht. Als Revierarzt im österreichischen Konzentrationslager Mauthausen soll Heim im Zeitraum Oktober bis November 1941 in zahlreichen Fällen Häftlinge durch Spritzen oder nicht notwendige Operationen grausam getötet haben. Der Arzt soll beispielsweise gesunden Häftlingen bei vollem Bewusstsein Organe entnommen haben.

Nach dem Krieg arbeitete Heim zunächst unbehelligt weiter, bis 1962 hatte er in Baden-Baden eine gynäkologische Praxis. Dann tauchte er unter. Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden erhob gegen Angeschuldigten 1979 Anklage.

Heim konvertierte zum Islam und änderte Namen

Nach Auffassung der Baden-Badener Schwurgerichtskammer ist davon auszugehen, dass Heim nach seiner Flucht in Ägypten untergetaucht und 1980 zum islamischen Glauben konvertiert ist. Unter dem fortan von ihm geführten Namen Tarek Hussein Farid sei er im Alter von 78 Jahren am 10. August 1992 in Kairo verstorben.

Anfang Februar 2009 war eine gemeinsame Recherche von ZDF und „New York Times“ bekannt geworden, wonach der ehemalige KZ-Arzt bereits 1992 in Kairo an Darmkrebs gestorben sein soll. Einige Tage später wurden dem Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg über einen Mittelsmann Unterlagen über den angeblich toten Nazi-Verbrecher zugespielt.

Die Aktentasche mit Unterlagen, die Heim gehört haben sollen, bewerten die LKA-Fahnder als echt. Nach den Unterlagen soll der Gesuchte Anfang 1963 unter seinem zweiten Vornamen Ferdinand mit einem Touristenvisum nach Ägypten eingereist sein. Das Landgericht Baden-Baden geht davon aus, dass sich der NS-Verbrecher zunächst über Jahre hinweg unter dem Namen Ferdinand Heim in Kairo verborgen gehalten hat.

Gericht hat keine Zweifel an Identität des Toten

Zunächst gab es Zweifel, ob es sich bei dem Verstorbenen Tarek Hussein Farid um den Gesuchten handelt. Den Richtern lagen zunächst keine gesicherten Unterlagen über die Konvertierung und den Namenswechsel vor.

Im Frühjahr 2012 habe schließlich der Verteidiger des Heims neben weiteren Unterlagen eine Konvertierungsurkunde vorgelegt, heißt es in der Erklärung des Gerichts. Untersuchungen des Landeskriminalamts Baden-Württemberg hätten die Echtheit dieser Urkunde bestätigt.

De Schwurgerichtskammer vernahm auch den Sohn des Verstorbenen als Zeugen. Dieser habe glaubhafte Angaben gemacht. Nach Auffassung der Richter verblieben keine Zweifel, dass Heim mit der Person Tarek Hussein Farid identisch ist und 1992 infolge eines Krebsleidens starb.

dapd

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