Geschäft mit Geschmack - Der Markt für Aromastoffe wächst

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Milliardenmarkt: Duftstoffe und Aromen stecken in Lebensmitteln, Getränken, Kosmetik und Reinigungsmitteln. Das Foto entstand bei der Branchengröße Symrise in Holzminden. Foto: dpa

Zug/Decatur.  Der US-Konzern ADM hat den Aromahersteller Wild Flavors übernommen. Für ADM könnte sich die Investition lohnen: Das Geschäft mit Aromen wächst.

Das Geschäft dürften sich die Aktionäre des Duft- und Aromenspezialisten Wild Flavors auf der Zunge zergehen lassen: 2,3 Milliarden Euro zahlt der US-Nahrungsmittelkonzern Archer Daniels Midland (ADM) für das deutsch-schweizer Unternehmen. Capri-Sonne-Eigentümer Hans-Peter Wild und der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) streichen 2,2 Milliarden Euro davon ein, der Rest steckt in Nettoverbindlichkeiten, die die Amerikaner ebenfalls übernehmen.

Mehr als zwei Milliarden Euro für ein paar dufte oder leckere Zutaten? Die Investition könnte sich für ADM lohnen. Denn das Geschäft mit Aromen wächst, begleitet vom Konkurrenzkampf der Hersteller. Mehr als 500 Unternehmen rühren, destillieren und mischen weltweit mit, nur vier große Unternehmen geben den Ton an, unter ihnen die Holzmindener Symrise AG.

Aromen peppen Getränke, Lebensmittel und Süßwaren auf. Duftstoffe stecken vielfach in Kosmetika, Reinigungsmitteln oder Raumsprays. Die Zutaten liefert die Natur oder die Findigkeit der Chemiker. Das alles summiert sich auf ein Marktvolumen von 17,4 Milliarden Euro, rechnet Symrise hoch. Die US-Marktforschungsgesellschaft Freedonia sagt voraus, dass der weltweite Duft- und AromenBranche schon 2016 einen Umsatz von 26,5 Milliarden Dollar voraus, knapp 19,5 Milliarden Euro.

Aus vielen Getränken und industriell verarbeiteten Lebensmitteln - etwa Fertiggerichten - sind die Aroma-Zugaben nicht wegzudenken. Doch immer mehr Verbraucher wollen Stoffe natürlichen Ursprungs, stellen die Marktforscher von Freedonia fest. Synthetische Stoffe gelten mittlerweile als Kundenschreck.

Auch aus diesem Grund haben sich derzeit der Schokoladenhersteller Ritter Sport und Stiftung Warentest in einen Rechtsstreit verbissen: Das Verbrauchermagazin hatte behauptet, das vanille-artige Aroma Piperonal in der Sorte Voll-Nuss sei nicht natürlichen Ursprungs, was Ritter Sport und sein Aroma-Lieferant Symrise vehement bestreiten. Zwar setzte sich Ritter Sport mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Warentester durch, aber diese legten Berufung ein. Nun liegt die juristisch harte Nuss beim Oberlandesgericht München.

Vom Trend zurück zur Natur dürfte auch Wild Flavors profitieren: Das Unternehmen mit 2500 Mitarbeitern und einem angepeilten Umsatz von einer Milliarde Euro in diesem Jahr ist auf natürliche Aromen spezialisiert. ADM will mit dem Zukauf nun einen Branchenriesen schmieden: Zusammen werde man „einer der führenden Anbieter von Aromen und Spezialitäten der Welt sein, mit einem Umsatz von nahezu 2,5 Milliarden Dollar“, erklärte ADM-Vorstandschefin Patricia Woertz.

Das Geschäft mit den leckeren Molekülen lohnt sich: Branchengrößen wie Givaudan, IFF oder Symrise bleiben mehr als 20 Prozent des Umsatzes als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Von Barbara Will

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